Winnenden

Friedrich Kübler: Edler Spender vererbt sein komplettes Hab und Gut an Winnender Kirchengemeinde

Kirchen Stückle
Von links: Kirchengemeinderat Kurt Wied, Pfarrer Karl Braungart, die Imker Elke Bernards und Wolfgang Groß. Oben auf der Leiter Helmut Ritter. Die Kübler-Wiese, auf der die Personen stehen, hat Friedrich Kübler der Kirchengemeinde vererbt. © Gabriel Habermann

Wer war dieser Friedrich Kübler, dem so viel an der Gemeinde gelegen haben muss, dass er ihr sein ganzes Hab und Gut vererbt hat? „Offenbar ein Hanweilermer Urgewächs“, sagt Pfarrer Karl Braungart, so habe er es erzählt bekommen.

Nach dem edlen Spender ist die „Kübler-Wiese" an der Rieslingstraße benannt, auf der am Sonntag 60 Gemeindemitglieder mit Blick auf satt blühende Apfelbäume und mitten im Grünen, flankiert von munterem Vogelgezwitscher seit längerer Zeit wieder einen Gesamtkirchen-Gottesdienst gefeiert haben; wie schon während des ersten Lockdowns auf Stühlen im Freien und mit Abstand.

Ein Landwirt mit sparsamem Lebensstil

„Zum Schluss hatte er ein E-Bike“, erinnert sich Pfarrer Karl Braungart an Kübler, dem die Kirche und damit auch das Gemeindeleben ihren Fortbestand zu verdanken haben. Friedrich Kübler war Landwirt, lebte sparsam, alleinstehend in Hanweiler, war nicht groß auf Reisen, hat nicht viel gebraucht, er war einer, der sein Geld zusammenhält. In Hanweiler dürfte es nicht unbekannt sein, dass dieser Mitbürger die Kirchengemeinde Schelmenholz-Breuningsweiler-Hanweiler als Alleinerbe mit Geld und Grundstücken bedacht hat, um die Zukunft der Kirchenarbeit zu unterstützen. Keine Menschenseele soll etwas vom Geldsegen gewusst haben. „Wir haben es vom Notar erfahren“, versichert Pfarrer Dr. Karl Braungart.

Im Gottesdienst habe er ihn selten gesehen, berichtet der Pfarrer. Kübler sei ein Wechsel-Gottesdienstbesucher gewesen, der auch Kirchen in anderen Gemeinden, sogar in Stuttgart, aufgesucht habe. Bekannt gewesen sei auch, dass Friedrich Kübler kaum Verwandtschaft hatte, ein Cousin habe in Hanweiler gelebt, dieser sei aber vor ihm gestorben.

Kirche für über 200 000 Euro saniert

Der Erblasser habe klar verfügt, dass mit den Einnahmen aus Pacht für die Äcker und Miete für das dazugehörige Haus einzig die Kirche und die Gemeindearbeit unterstützt werden. In seinem Sinne habe die Kirche für über 200 000 Euro saniert werden können. Mit dem Geld werde zudem ein Viertel der Kosten für die Jugendreferentenstelle beglichen. Rebecca Brekle habe ihren Arbeitsbereich zusammen mit dem CVJM in Winnenden. „Sein Erbe hat dazu geführt, dass die Kirchengemeinde eine Zukunft hat“, verdeutlicht Pfarrer Braungart.

Die evangelische Gesamtkirchengemeinde stelle aktuell ihre 20 Gebäude auf den Prüfstand, um festzulegen, welche Kirchen im Hinblick auf sinkende Kirchenmitglieder noch finanzierbar sind. So habe auch hinter der Zukunft des Kirchleins in Hanweiler ein Fragezeichen gestanden. Manch Kirchengemeinde wäre froh um einen kleinen Pfarrgarten - in Hanweiler ist man seit dem Tod Küblers im Jahr 2016 mit Freifläche reich gesegnet und kann Gottesdienste darauf veranstalten. Die Wiese sei verpachtet. Der Pächter mäht die Wiese und erntet das Obst. Kinder, die im Haus wohnen, nutzen sie zum Spielen. Das Haus vor der Wiese gehört dazu, die drei Wohnungen darin seien vermietet wie auch das zum Gebäude gehörende Elektrogeschäft.

Einzige Aktion zum Streuobsttag im Land

Immer wieder veranstaltet die Kirchengemeinde Gottesdienste auf der Kübler-Wiese. Jetzt fand auf dem Stückle, auf dem einige Obstbäume stehen, aber auch die landesweit einzige Aktion anlässlich des europäischen Streuobsttags statt. Wie kommt das? Die Antwort auf diese Frage führt zu einem zweiten Erzählstrang dieser an Überraschungen nicht armen Geschichte der Kübler-Wiese. Helmut Ritter aus Strümpfelbach, ein Schüler des verstorbenen Obstbaumerziehers und Remstalrebellen Helmut Palmer, erläuterte, auf einer Leiter hoch oben in der Krone hantierend, den Obstbaumschnitt nach der von Palmer propagierten Oeschbergmethode.

Gratis Stücklepflege von einem Profi

Möglich gemacht hat diesen besonderen Schnittkurs, dem außer dem Pfarrer, dem Kirchengemeinderat Kurt Wied nur eine Handvoll Bienensachverständige beiwohnen, die Autorin und Journalistin Gudrun Mangold. Sie ist Tochter des Remstalrebellen Helmut Palmer und Schwester des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer, lebt in der Provence und schreibt immer wieder Bücher über das Leib- und Magenthema ihres Vaters: Obstbaumschnitt.

Um ihr jüngstes Lehrbuch „Der originale Palmer-Schnitt - Spitzenerträge im Streuobstbau“ zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, habe sie ihr ehemaliges Netzwerk in Deutschland aktiviert, zu dem - und hier schließt sich der Kreis nach Hanweiler - auch Pfarrer Karl Braungart gehört. Beide seien nur wenige Kilometer voneinander entfernt auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen, kennengelernt hätten sie sich aber erst wesentlich später, während des Theologiestudiums in Heidelberg. „Sie kam jetzt nach längerer Zeit auf mich zu, ich habe ihr von der Wiese erzählt, daraufhin hat sie alles von der Provence aus organisiert.“ So sei sie zu „Promotion“ für ihr Buch gekommen und die Kirchengemeinde zur Gratis-Stücklepflege und einen kundigen Baumschnitt nach dem Palmer-Prinzip.

Woran erkennt man Bäume, die nicht gepflegt werden?

Offenbar kamen die Bäume aber nicht zum ersten Mal in Berührung mit dem Oeschbergschnitt. „Mir ist gleich aufgefallen, dass der ehemalige Besitzer offenbar Kontakt mit Palmer gehabt hat oder nach seiner Methode geschnitten hat.“ Er sehe es sofort, am „systematischen“ Grundaufbau mit dem „typisch steil nach oben wachsenden Leitast“ und den begleitenden Fruchtästen. Werde ein Baum lange nicht gestutzt und gepflegt, wachse er in die Länge, weise aber ein nur geringes Dickewachstum auf. „Der Aufbau der Krone war darum etwas abgesackt, die Stabilität nicht mehr ganz in Ordnung, aber der Palmer ist darin noch gut erkennbar.“

Wer war dieser Friedrich Kübler, dem so viel an der Gemeinde gelegen haben muss, dass er ihr sein ganzes Hab und Gut vererbt hat? „Offenbar ein Hanweilermer Urgewächs“, sagt Pfarrer Karl Braungart, so habe er es erzählt bekommen.

Nach dem edlen Spender ist die „Kübler-Wiese" an der Rieslingstraße benannt, auf der am Sonntag 60 Gemeindemitglieder mit Blick auf satt blühende Apfelbäume und mitten im Grünen, flankiert von munterem Vogelgezwitscher seit längerer Zeit wieder einen

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