Winnenden

Ganztagsschule fürs Schelmenholz

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Grundschule Schelmenholz: Die Stadt bereitet die Entwicklung zur Ganztagsschule vor, der Beschluss darüber fällt später. © Büttner / ZVW

Winnenden. Die Schelmenholzer Grundschule soll vielleicht Ganztagsschule werden. Zumindest möchten Gemeinderat und Stadtverwaltung jetzt mal wissen, was die notwendigen Anbauten dafür kosten. Dies – und nicht mehr – hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

Ob die Ganztagsschule dann wirklich eingeführt wird, das beschließt der Gemeinderat, wenn er die Baukosten kennt. Darauf legte in der Gemeinderatssitzung besonders FWV-Stadtrat Hans Ilg wert. Er erinnerte daran, dass im Schelmenholz schon einmal eine Ganztagsschule beschlossen wurde, die dann aber gescheitert ist. Man kehrte dann zurück zu einem Modell, das lautet: Bis 15.30 Uhr gibt es Betreuung an der Grundschule für jene Schüler, deren Eltern es wünschen.

Ilg: „Die Räume werden einige 100 000 Euro kosten“

Ganztagsschule ist etwas anderes. „Ganz oder gar nicht“ ist dort das Prinzip. An vier Tagen in der Wochen müssen alle Eltern ihre Kinder ganztags in die Schule schicken. In der derzeitigen Elterngeneration gefällt das nicht allen. „Ich höre Stimmen von Eltern, die nicht dafür sind“, erzählte Ilg und fragte: „Wie kommen wir darauf, jetzt den Ganztagsbetrieb einzuführen? Die Räume werden einige 100 000 Euro kosten.“

Auch OB Holzwarth kennt die unterschiedlichen Meinungen von Eltern: „Es gibt in der Schule einen Mehrheitsbeschluss von fünf zu drei. Jetzt ist die Frage: Ignorieren wir diesen Beschluss?“ Vertreter von Eltern und Lehrern haben abgestimmt und mehrheitlich beantragt, dass die Stadt eine Ganztagsschule anstrebt.

OB Holzwarth und Schulamtsleiter Anderas Hein legten deshalb für die Sitzung eine Beschlussvorlage vor, in der ein Raumprogramm für die Ganztagsschule steht: Mensa, Spiel- und Bewegungsbereich, Ruhebereich, Verwaltungsbereich.

350 bis 390 Quadratmeter kommen da zusammen. Architekten sollen die vorhandenen Räume auflisten und aufteilen und die zusätzlich notwendigen Räume vorplanen und Kosten nennen. Das ist der Auftrag, den der Gemeinderat an die Verwaltung gab. Im Haushaltsplan der Stadt werden die Planungskosten eingeplant.

Wenn das Ergebnis vorliegt, wird der Gemeinderat erneut diskutieren und dann entscheiden, ob es eine Ganztagsschule wird oder nicht.

Die verpflichtende Einführung der Ganztagsschule ist umstritten

Außer den Kosten ist das Ganz-oder-gar-nicht-Prinzip eine große Hürde. Wird die Ganztagsschule beschlossen, müssen Eltern, die sie nicht wollen, ihr Kind an eine andere Schule in einem anderen Teilort schicken. Das Meinungsbild dazu im Schelmenholz ist uneinheitlich. Einige Gemeinderäte wüssten gerne mehr darüber, was Eltern wollen. Aber OB Holzwarth fragte: „Wer soll das entscheiden? Heutige Schuleltern? Oder heutige Kindergarteneltern? Das ist problematisch ... Wir haben schon in Schafweide und Körnle Ganztags-Kitas. Dieses Programm sollten wir nicht unbedingt wieder auflösen, wenn das Kind in die Schule kommt.“

Hans Ilg blieb bei seiner Meinung: „Ich bin dagegen, dass das Ganztagsprinzip verpflichtend eingeführt wird an einer Schule, wo schon einmal dieses Prinzip nicht zustandekam.“ Schulamtsleiter Andreas Hein verteidigte das Ganz-oder-Gar-nicht-Prinzip. Aus Qualitätsgründen müsse das Prinzip für alle gelten. Sonst bekomme der eine mehr Unterrichtsleistung als der andere. Auch für eine sinnvolle Zeitaufteilung sei das Ganztagsprinzip für alle nötig.

Zuversichtlich ist CDU-Stadtrat Richard Fischer: „Eltern stellen sich immer mehr darauf ein, dass Kinder ganztags betreut werden. An den Kitas haben wir es eingeführt. Ich befürworte, dass wir diesen Weg an der Grundschule Schelmenholz auch gehen. Dass es dann nicht allen so gefallen wird, damit müssen wir leben.“


Eltern müssen wissen, woran sie sind

FDP-Stadträtin Nicole Steiger machte darauf aufmerksam, dass Eltern wissen müssen, woran sie sind. „Es gibt auch Eltern, die das nicht möchten. Die Folgen wären dann Schulbezirkswechsel. Familien, die jetzt überlegen, ob sie ins Schelmenholz ziehen, sollten bald wissen, ob die Ganztagsschule eingeführt wird.“

„Wir sollten eine öffentliche Veranstaltung anbieten und erklären, wie die Ganztagsschule aussieht, und dass vier Tage Ganztagsbetrieb bindend für alle Schüler dieser Schule sein werden“, meinte FWV-Stadtrat Markus Siegloch.