Winnenden

Gedenken mit über 250 Menschen

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Gedenken am stählernen Ring im Stadtgarten: Eine Schülerinnengruppe aus Bayern beschäftigt sich schon länger mit dem Winnender Amoklauf und kam, um mitzutrauern. © Büttner / ZVW

Winnenden. Immer am 11. März versammeln sich Winnender beim Mahnmal für die Opfer Amoklaufs. Dieses Jahr waren es über 250, die verstummten, als um 9.33 Uhr die Kirchenglocken läuteten. Dabei war erstmals eine muslimische Mädchengruppe aus Bayern.

Es ist eine ruhige, gefestigte Zeremonie: Stille, Ansprache, Gebet, Musik dauern insgesamt eine Viertelstunde. Die Teilnehmer bildeten einen Halbkreis im Stadtgarten. Vor dem stählernen Ring standen OB Hartmut Holzwarth, Pfarrer Jörg Kibitzki von der methodistischen Gemeinde, und die Jugendgemeinderätinnen Ira Heß und Stella Holzäpfel. „An diesem Tag rücken wir in Winnenden besonders eng zusammen“, sagte Holzwarth und erinnerte daran, dass es viele Orte gibt in der Welt, die einen Amoklauf, Gewalt oder Terror erlitten haben, nannte explizit den Amoklauf von München und den Terroranschlag von Berlin. „Wir fühlen mit den Menschen in der Welt, die von einem Akt der Gewalt betroffen sind.“

„Wir sind gekommen, um mit Winnenden zu trauern“

Umgekehrt fühlen Menschen aus der Welt mit Winnenden. In diesem Jahr besuchte eine achtköpfige Gruppe von Schülerinnen des Mindeltalgymnasiums Jettingen-Scheppach die Gedenkfeier zum Amoklauf. Die Mädchen trugen Kopftücher, standen eng beisammen und wurden begleitet von ihrer Direktorin Monika Weltz. „Wir sind gekommen, um mit Winnenden zu trauern“, sagte eines der Mädchen im Gespräch mit dem Journalisten. Der gewaltsame Tod von jungen Menschen habe sie sehr bewegt. Sie hatten Kontakt bekommen zum Förderverein der Stiftung gegen Gewalt an Schulen und sie waren schon zweimal zum Benefiz-Fußballturnier gekommen. Es war ihnen ein Bedürfnis, Rosen niederzulegen an der Gedenkstätte für die Opfer des Amoklaufs und sie suchten auch den Gedenkraum in der Albertvilleschule auf und das Treffen von ehemaligen Schülern und von Eltern der ermordeten Kinder. Eltern erzählten hinterher dem Journalisten, wie dankbar sie sind, dafür, dass diese jungen Mädchen mit türkischem Migrationshintergrund so ein großes Mitgefühl zeigen.

Die im Gedenken Versammelten beim Mahnmal sprachen ein gemeinsames Vaterunser. Cellist Felix Brade spielte sehr passend und bewegend das Lied „Birds“ von Pablo Casals, und die Versammlung löste sich auf, aber viele blieben am Platz, gingen zum Mahnmal, legten etwas hin, trauerten, trösteten, sprachen miteinander.

Am Abend trugen rund 500 Menschen ein Licht vom Marktplatz zur Albertville-Realschule.

Die Namen

Die Jugendgemeinderätinnen Ira Heß und Stella Holzäpfel haben alle Namen der Ermordeten des Amoklaufs vorgelesen: Jacqueline Hahn, Ibrahim Halilaj, Franz Josef Just, Stefanie Tanja Kleisch, Michaela Köhler, Selina Marx, Nina Denise Mayer, Viktorija Minasenko, Nicole Elisabeth Nalepa, Denis Puljic, Chantal Schill, Jana Natascha Schober, Sabrina Schüle, Kristina Strobel, Sigurt Peter Gustav Wilk.


Gesamte Berichterstattung

Wir haben die gesamte Berichterstattung seit 2009 zum Thema unter www.zvw.de/amoklauf-winnenden gesammelt.

Alle Berichte aus dem Jahr 2009

Alle Berichte aus dem Jahr 2010

Alle Berichte aus dem Jahr 2011

Alle Berichte aus dem Jahr 2012

Alle Berichte aus dem Jahr 2013

Alle Berichte aus dem Jahr 2014

Alle Berichte aus dem Jahr 2015

Alle Berichte aus dem Jahr 2016