Winnenden

Geflüchtete Lehrerin will an Schule in Winnenden ukrainische Kinder unterrichten

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Für Kinder, die aus der Ukraine geflüchtet sind, ist es wichtig, auf andere Gedanken zu kommen – zum Beispiel in der Schule. © Alexandra Palmizi

Zwei sogenannte Vorbereitungsklassen gibt es aktuell in Winnenden, eine in der Stöckachschule, eine in der Geschwister-Scholl-Schule. An der Grundschule werden aktuell sieben ukrainische Kinder nach ihrer Flucht vor dem Krieg unterrichtet, an der Realschule sind es acht – doch die Vorbereitungsklasse platzt bereits aus allen Nähten. Die gute Nachricht: Bald soll hier eine Lehrerin, die selbst aus der Ukraine geflohen ist, eine zusätzliche Schulklasse eröffnen. Einen entsprechenden Antrag hat Schulleiterin Sabine Klass jetzt gestellt.

Die Vorbereitungsklasse ist voll – aktuell werden keine Kinder mehr aufgenommen

„Meine Vorbereitungsklasse ist voll. Eigentlich ist bei 24 Schülerinnen und Schülern Schluss – wir haben jetzt 30“, berichtete Sabine Klass am Donnerstagnachmittag im Winnender Schulbeirat. Obwohl Schülerinnen und Schüler über 14 Jahre bereits an die Berufsschulen, zum Beispiel in Waiblingen, weitervermittelt würden, könne sie – anders als an der Stöckachschule, die noch Kapazitäten frei hat – aktuell keine neuen Kinder und Jugendlichen mehr an ihrer Schule aufnehmen, sagte Sabine Klass.

Das soll sich aber so bald wie möglich ändern, perspektivisch nach den Osterferien, die am kommenden Mittwoch beginnen. „Ich habe eine ukrainische Lehrerin an der Hand“, freut sich Klass. Diese habe in der Ukraine 18 Jahre lang Deutsch unterrichtet und sei jetzt vor dem Krieg nach Winnenden geflohen. Die Frau könne sich vorstellen, an vier Tagen in der Woche drei bis vier Stunden zu unterrichten – in einer Extra-Vorbereitungsklasse für ukrainische Kinder.

Die Ukrainerin war als Dolmetscherin im Einsatz

Der Kontakt zu der Lehrerin ist über Klass’ Kollegin, die Stöckachschulleiterin Susanne McCafferty zustande gekommen. Die Ukrainerin habe bei der Anmeldung eines Flüchtlingskindes an der Stöckachschule als Dolmetscherin geholfen und spreche wirklich sehr gut Deutsch. McCafferty habe sie angesprochen und gefragt, ob sie nicht in Winnenden als Lehrerin einspringen wolle. „Die Dame war ganz begeistert davon.“ Nach Sabine Klass’ Antrag am Donnerstag müssen jetzt noch Schulamt und Kultusministerium zustimmen.

In Vorbereitungsklassen werden Schülerinnen und Schüler unterrichtet, die noch gar nicht oder sehr wenig Deutsch sprechen. Es geht insbesondere darum, ihnen die Sprache näherzubringen. Susanne McCafferty sagt: „Wir wollen den Kindern etwas mitgeben, was ihnen später hilft: eine weitere Sprache.“

Weil die Mädchen und Jungen aus den verschiedensten Ländern stammen – in der Stöckachschule zum Beispiel aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, dem Sudan oder aus Eritrea – ist das für Lehrkräfte und Kinder eine echte Herausforderung. Umso erstaunlicher ist es, wie schnell viele Kinder große Fortschritte machen. Sukzessive werden sie in reguläre Klassen integriert, zunächst in Fächern, in denen korrektes Deutsch keine große Rolle spielt. Zum Beispiel in Musik, Sport, Bildender Kunst – oder im Fall der ukrainischen Kinder, die mitunter schon Vorkenntnisse haben: in Englisch.

Bei den ukrainischen Kindern hat Sabine Klass festgestellt, dass diese besonders schnell lernen: „Sie kommen aus einem gut funktionierenden Schulsystem.“

Sabine Klass: „Die schauen zu Hause die ganze Zeit nur Videos vom Krieg“

Neben Sprache und anderem Stoff hat der Unterrichtsbesuch eine wichtige soziale Komponente. „Wir müssen gucken, dass wir die Kinder relativ schnell in die Schule bekommen. Die schauen zu Hause die ganze Zeit nur Videos vom Krieg“, sagte Sabine Klass im Schulbeirat, „das tut ihnen nicht gut.“ Grundschul-Kollegin McCafferty pflichtet gegenüber unserer Redaktion bei: „Bei uns werden die Kinder den kompletten Vormittag beschult, auch wenn sie nur drei Stunden in der Vorbereitungsklasse sind. Wir wollen sie aus dem häuslichen Umfeld herausnehmen. Dort sind sie die ganze Zeit mit dieser Kriegsproblematik belastet.“

Die Aufnahme der Kinder laufe auch deshalb sehr unbürokratisch – insbesondere im Vergleich zur Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016, als noch Gesundheitstests eine Hürde darstellten, die jetzt wegfallen.

Was die Schulleiterin geradezu begeistert stimmt, ist der Zusammenhalt in Winnenden. Die Spendenbereitschaft speziell an der Stöckachschule selbst sei so groß, dass sich die neuen Schülerinnen und Schüler ihren Lieblingsschulranzen aus einem großen Angebot heraussuchen könnten. Auch Schreibwarenläden hätten Zubehör gestiftet und beim Sponsorenlauf an der Grundschule vergangene Woche seien 3000 Euro für die Ukraine-Hilfe der Unicef zusammengekommen. „Gigantisch“, sagt McCafferty.

Zwei sogenannte Vorbereitungsklassen gibt es aktuell in Winnenden, eine in der Stöckachschule, eine in der Geschwister-Scholl-Schule. An der Grundschule werden aktuell sieben ukrainische Kinder nach ihrer Flucht vor dem Krieg unterrichtet, an der Realschule sind es acht – doch die Vorbereitungsklasse platzt bereits aus allen Nähten. Die gute Nachricht: Bald soll hier eine Lehrerin, die selbst aus der Ukraine geflohen ist, eine zusätzliche Schulklasse eröffnen. Einen entsprechenden Antrag hat

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