Winnenden

Geflüchtete zusammenbringen: Christen in Winnenden laden Ukraine-Flüchtlinge ein

Café für Geflüchtete
Herzliche Gespräche beim ersten Café der christlichen Kirchen für Ukraine-Flüchtlinge. Es soll künftig jeden Freitag stattfinden. © Gabriel Habermann

In Kooperation mit der Stadt Winnenden schafft die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen“ (ACK) eine Begegnungsmöglichkeit für aus der Ukraine geflüchtete Menschen. Zu Kaffee und Kuchen eingeladen werden alle volljährigen, in Winnenden untergebrachten Menschen. Das Café findet jeden Freitag im Saal unter der Sankt-Karl-Borromäus-Kirche statt. Rupert Kern, Vorsitzender der katholischen Kirchengemeinde in Winnenden, erklärt: „Wir wollen ein Angebot zur Stille, zum Gebet und zur Seelsorge machen.“

Es ist der erste größere Versuch, die Geflüchteten zusammenzubringen. In erster Linie gehe es darum, den Menschen eine Möglichkeit zu bieten, sich untereinander zu vernetzen. „Sie sollen sich in diesen schweren Zeiten zugehörig und nicht allein gelassen fühlen“, erklärt Thomas Mozer, Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche in Winnenden. Bei der Begegnung haben sie die Möglichkeit, sich über ihre Erlebnisse auszutauschen und Menschen kennzulernen, die momentan dasselbe Schicksal durchleben. „Reden kann in solch schweren Zeiten viel helfen, besonders mit Leuten, die ähnliches erleben“, sagt der Pastor.

Eingeladen sind alle ukrainischen Bürger, die momentan in Winnenden und Umgebung untergebracht sind.

Aktuell 220 Geflüchtete aus der Ukraine in Winnenden

Das sind zu diesem Zeitpunkt etwa 220 Personen, darunter hauptsächlich Frauen, Kindern und ältere sowie kranke Menschen. Diese leben größtenteils in privaten Unterkünften, aber teils auch in Sozialwohnungen. In Zusammenarbeit mit dem ACK hat das Integrationsmanagement der Stadt Winnenden ein Einladungsschreiben auf Ukrainisch verfasst, in dem die Geflüchteten über das Angebot dieses „Ortes der Begegnung“ informiert wurden. Hauptsächlich geht es darum, den Kontakt unter den Geflüchteten herzustellen, aber auch um über Unterstützungsmöglichkeiten seitens der Stadt Winnenden zu informieren.

Zwei Dolmetscherinnen helfen, Sprachbarrieren zu überwinden

Rupert Kern betont: „Das Ziel ist es nicht, die Menschen hier zu integrieren. Die Ukrainer möchten irgendwann wieder nach Hause gehen.“ Es gehe der ACK eher darum, den Menschen vorübergehend Hilfe anzubieten, bis sie in ihr Land zurückkehren.

Manuela Voith, Leiterin vom Amt für Soziales, Senioren und Integration war intensiv beteiligt an der Organisation des Treffens. „Für die Überwindung der Sprachbarriere werden heute zwei Dolmetscher hier sein“, berichtet sie am vergangenen Freitag vor der Premiere für das Café. „Auch für Kinder sind Spielmöglichkeiten gegeben“, sagt Voith.

Freiwillige Helfer der Kirchengemeinschaft sorgen kurz darauf für einen mit Kaffee und Kuchen gedeckten Tisch. Da es die erste Begegnung dieser Art ist, weiß keiner genau, was zu erwarten ist. Rupert Kern und Thomas Mozer sind gespannt, wie viele Menschen kommen werden. „Viele der Geflüchteten sind zerstreut und zurückhaltend, sie trauern. Damit geht jeder anders um“, sagt Thomas Mozer.

Beim ersten Termin sind 15 ukrainische Gäste erschienen

Insgesamt erscheinen dann 15 ukrainische Gäste bei dem ersten Zusammenkommen. Ebenso viele Helfende aus der christlichen Arbeitsgemeinschaft sind vor Ort. Nach anfänglicher Scheu kommen die Menschen gut miteinander ins Gespräch.

„Die Übersetzerinnen waren eine große Hilfe“, berichtet Pastor Thomas Mozer danach. Die Stimmung sei zum Ende herzlich und aufgeschlossen gewesen. Die Erlebnisse der Flucht wurden erzählt und zum Abschluss haben die Anwesenden für ihre Angehörigen in der Heimat gebetet. Auch Thomas Mozer sprach ein Gebet, eine Dolmetscherin übersetzte es ins Ukrainische.

Außerhalb der Begegnungsstätte in der St.-Karl-Borromäus-Kirche gibt es aber noch weitere Optionen für die Geflüchteten, sich zu vernetzen. Den Kindern wird besonders in den Schulen ermöglicht, sich untereinander kennenzulernen und die Sprache etwas zu lernen. In der Alten Kelter wird ein ehrenamtlicher Integrationssprachkurs angeboten. Zudem organisiert das Amt für Soziales, Senioren und Integration ein internationales Sprachcafé sowie ein Lerncafé für Frauen.

Wie gehen die Menschen mit dem Tod in der Heimat um?

Ob der Versuch, die Menschen untereinander zu vernetzen glückt, hängt von der Offenheit der Geflüchteten ab. „Jeder geht mit dem Thema Trauer anders um“, erklärt die Leiterin des Amts für Soziales, Senioren und Integration. Eine große Frage sei es beispielsweise, wie die Geflüchteten in Deutschland mit Gefallenen in der Heimat umgehen. „Wer so etwas lieber selbst verarbeiten möchte, soll das natürlich tun. Wer sein Leid kundtun möchte, darf dafür jederzeit zur Seelsorge in die Kirche kommen“, sagt Thomas Mozer.

Wie es weitergeht, hängt davon ab, wie das Angebot angenommen wird

Der „Arbeitskreis Christlicher Kirchen“ wird das Treffen in den kommenden Wochen jeden Freitag um 15 Uhr veranstalten. Bei gebotener Nachfrage wird es ein langfristiges Angebot geben. „Wenn die Leute das Angebot nutzen, werden wir die Begegnungsstätte womöglich bis Weihnachten anbieten, bei Bedarf sogar noch länger“, so Pastor Thomas Mozer.

Die recht spontane Zusammenarbeit von Stadt und Kirche sowie das Engagement ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer habe zum Auftakt schon einmal gut funktioniert.

In Kooperation mit der Stadt Winnenden schafft die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen“ (ACK) eine Begegnungsmöglichkeit für aus der Ukraine geflüchtete Menschen. Zu Kaffee und Kuchen eingeladen werden alle volljährigen, in Winnenden untergebrachten Menschen. Das Café findet jeden Freitag im Saal unter der Sankt-Karl-Borromäus-Kirche statt. Rupert Kern, Vorsitzender der katholischen Kirchengemeinde in Winnenden, erklärt: „Wir wollen ein Angebot zur Stille, zum Gebet und zur Seelsorge

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