Winnenden

Gegen Schnee und Eis helfen viele nach

1/2
50706ff4-40cb-4d60-924c-f5adf05a53a8.jpg_0
Selten sind in Winnenden im Winter bei Schnee Gehwege mit Splitt bestreut wie hier an der Stöckachstraße. © Habermann / ZVW
2/2
2dc04975-a229-4674-9736-79d8c902c581.jpg_1
Sara Candeias stellt bei Häussermann an der Marktstraße Schneeschaufeln und Streusalz raus. © Habermann / ZVW

Winnenden. Der Schnee scheint den Winnendern keine großen Probleme zu bereiten. Die meisten Gehwege sind nicht mehr weiß. Nur dort, wo seit dem jüngsten Schneefall am Sonntag noch eine dünne Schicht auf dem Asphalt geblieben ist, gehen Sonnenschein und Minusgrade am Dienstag eine gefährliche Verbindung ein: Es entstehen Eisplatten. Wir haben uns umgehört, ob die Bürger ohne Streusalz auskommen.

„Gerade als ältere Person, wie ich, muss man jetzt vorsichtig sein. So eine Eisplatte kann man falsch einschätzen, und wir Älteren fallen halt nicht mehr so gut“, sagt eine Dame aus dem Stöckach-Wohngebiet. Kürzlich hat’s eine Kollegin erwischt, sie ist hingefallen. Sie selbst kommt am Dienstagmittag ohne Probleme die Stöckachstraße hoch, auch auf dem Abschnitt entlang einem Haus, auf dem Eisplatten in der Sonne glänzen. Der Gehweg ist zwar nicht vollständig geräumt, aber mit Splitt bestreut, so dass die Schuhsohlen greifen können. Ringsum haben der städtische Winterdienst die Straße und die Nachbarn ihre Gehwege fast gänzlich vom Schnee befreit. Das geht auch ohne Salz, sagt ein Bewohner des Kesselrains. Wenn man rechtzeitig den Schnee entfernt, bevor er an den Boden friert.

Das sieht die Stadt am liebsten. Sie schreibt in ihrer Streupflichtsatzung, dass „nur abstumpfendes Material wie Sand, Splitt oder Asche verwendet werden darf“. Streusalz und andere auftauenden Mittel wirkten umweltschädlich und dürften daher „ausschließlich bei extremer Glatteisbildung verwendet werden“.

Eine Bewohnerin der Eberhardstraße bringt gerade ihren Müll raus. Sie sieht nach wie vor Schulkinder mit dem Fahrrad durchs Neubaugebiet Seewasen-Eitelböse fahren. Zwar nicht so viele wie im Sommer, aber es gibt Mutige, Unentwegte. „Die Stadt räumt mit einem kleinen Unimog den Rad- und Fußweg Richtung Höfen“, hat sie morgens beobachtet. „Da kann man nicht klagen.“ Sie selbst muss nicht zu Schippe und Streumaterial greifen, „das macht bei uns der Hausmeister“. Sobald sie den Gehweg vor dem eigenen Haus verlässt, ist aber auch sie vorsichtig. „Da weiter oben Richtung Eugenstraße hält sich der Schnee teils hartnäckig, und dann ist es stellenweise schon sehr glatt.“ In dem Bereich gibt es auch gar keinen Gehweg.

Die Schneeschippen aus Metall sind schon vergriffen

Salvatore Mirarchi, Bewohner der Christophstraße, gehört zu den Sorgfältigen: „Ich habe einen Stock und muss sehr aufpassen, sonst ist mein anderes Bein auch noch kaputt. Wir Bewohner teilen uns die Arbeit mit der Kehrwoche ein und streuen unseren Weg mit Salz. Sonst geht’s nicht.“

Die Fußgängerzone ist tadellos vom Eise befreit. Vor Eisen-Hausrat-Häussermann sind die Fünf-Kilo-Beutel „Auftausalz“ vor dem Geschäft ausgestellt. Auf der Packung steht „für gefahrvolle Bereiche – wirkt schnell und bis -21 Grad“. Eine Kundin greift zu. „Das brauche ich für den Teil unseres Grundstücks, wo wir Kopfsteinpflaster haben. Der Schnee taut und friert wieder hin - da wird es richtig rutschig.“

Im Laden hat die Mitarbeiterin an der Kasse registriert, dass „richtig viel Streusalz gekauft wird. Und wir haben auch mehr Schneeschippen verkauft als sonst.“ Ihr Kollege Harry Uitz verwaltet die Bestände und weiß, warum: „Letztes Jahr fiel ja so gut wie kein Schnee. Und dann kaufen die Leute auch nichts.“ Bei Häussermann gibt’s Schlitten und Schneeschieber aus Holz und Plastik mit Metallkante. Wer eine reine Metallschaufel will, hat jetzt aber Pech, so Uitz: „Ich kriege keine mehr her.“

Anders beim Streusalz: Häussermanns Lager ist seit dem letzten strengeren Winter gut gefüllt. Es sind auch größere Gebinde, zehn und 25 Kilogramm, erhältlich.

Streifen von 1,50 Meter reicht

Die Stadt erläutert, welche Pflichten die Mieter, Pächter, Eigentümer und Besitzer von bebauten und unbebauten Grundstücken bei Eis und Schnee haben:

Werktags müssen sie bis 7 Uhr einen mindestens 1,50 Meter breiten Streifen von Schnee und auftauendem Eis geräumt haben. Das gilt für Gehwege wie für Straßen ohne Gehweg. Sonn- und feiertags hat man für diese Arbeit Zeit bis 8 Uhr. Schneit es tagsüber oder tritt Eisglätte auf, muss bis 21 Uhr „in regelmäßigen Abständen“ geräumt werden.

Passiert ein Unfall, weil man nicht seiner Pflicht nachgekommen ist, „haften die Straßenanlieger“. Gefriert aber zum Beispiel ständig der Nieselregen, wird nicht verlangt, dass einer immer draußen streut.

Wer vorsätzlich oder fahrlässig nicht räumt, dem kann die Stadt eine Geldbuße aufbrummen und die Kosten für die Reinigungsfirma, die sie zu ihm schickt.