Winnenden

Gemeinschaftsschule: „Plan B ist überraschend schlüssig“

Winnenden Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule
Alte Räume sind bereits ans neue Konzept der Gemeinschaftsschule angepasst. © Schneider / ZVW

Winnenden. Das Signal nach der Klausurtagung des Gemeinderats kurz vor den Ferien war eindeutig: Die Stadt wird die neue Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule für 300 Schüler und zum Preis von 21,9 Millionen Euro nicht bauen. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und der städtische Schulamtsleiter Andreas Hein erläutern auf Bitte unserer Zeitung, wie es zu Plan B kam.

Video: OB Holzwarth über die weiteren Pläne zur Gemeinschaftsschule in Winnenden.

Plan A sah vor, auf dem Rasensportplatz hinter dem Bildungszentrum II an der Albertviller Straße eine neue Gemeinschaftsschule zusammen mit einer Mensa zu bauen, die 450 Plätze hat, im Schichtbetrieb 1350 Schüler und Lehrer versorgen könnte. Bis Juni war die Stadt von Baukosten in Höhe von machbaren 14 Millionen Euro ausgegangen. „Unser Problem ist jetzt die Finanzlage“, sagt OB Holzwarth. Ohne massive Steuererhöhungen würde die Stadt beim neuen Preis schnell in die Schuldenfalle geraten, müsste mit Krediten die Zinsen bezahlen. „Es kam noch nie vor, dass Bürger sorgenvoll zu mir sagten ,Gell, des baued ihr ned?!’ Aber bei diesem Projekt war es so weit. Sie wissen, dass Winnenden nicht auf Rosen gebettet ist.“

„Stadt steht hinter der Schule und ihrem pädagogischen Konzept“

Zunächst wurde bei der Tagung ausgelotet, wie viel bei dem Entwurf eingespart werden könne: allerhöchstens zwei Millionen Euro. Auch bringt es nichts, Mensa und Schule zu trennen. Das würde die Kosten nur weiter erhöhen. „Getrennte Baukörper bedeuten zwei Grundstücke, zwei Fundamente, zweimal Haustechnik“, so Holzwarth. „Die Mensa brauchen wir dringend für die langfristige Versorgung des Ganztagszugs der Albertville-Realschule, auch die Haselsteinschule will Ganztagsschule werden“, sagt Holzwarth. Gemeinschaftsschulen sind zwingend Ganztagsbetriebe.

Container werden angepasst

Andreas Hein betont: „Wir können das Raumprogramm, das vom Land festgelegt und mit über drei Millionen Euro gefördert wird, nicht massiv einschränken. Wir lagen schon jetzt ein wenig unter den Vorgaben. Und wir wollen das pädagogische Konzept umsetzen und nicht nur das Etikett wechseln.“ Die Stadt hat seit Beginn des Gemeinschaftsschulbetriebs, seit September 2014, Räume im Altbau der Haupt- und Werkrealschule umgestaltet und den neuen Bedürfnissen entsprechend ausgestattet. Auch die Raumcontainer beim Wunnebad, die ab 12. September die 7. Gemeinschaftsschulklassen nutzen, werden in diesen Ferien angepasst.

Höchste Priorität

„Kein anderes Projekt genießt bei Verwaltung und Gemeinderat eine so hohe Priorität“, entgegnet der Oberbürgermeister denjenigen, die ideologische Gründe wittern. „Wir stehen hinter der Schulart und der Schule.“ Wenn Winnenden nur noch Realschulen und Gymnasien anbiete, habe das nichts mit Geringschätzung zu tun.

Plan B

Wie also lautet Plan B? Die Verwaltung betrachtete das Winnender Schuleinzugsgebiet von Remshalden-Buoch über Berglen, Leutenbach bis Schwaikheim. In Schwaikheim entstand nach Korb die zweite Gemeinschaftsschule im Kreis und es ist laut OB Holzwarth geplant, in den Umbau fünf Millionen Euro zu stecken. Leutenbach hat bereits sechs Millionen Euro in die Umwandlung der Werkrealschule investiert. „Die beiden Kommunen wollen an ihren Gemeinschaftsschulen festhalten. Und wir können unsere nicht finanzieren. Sind dann drei Standorte wirklich richtig?“, fragte sich der OB. „Aus dem Einzugsgebiet wechseln jährlich 100 Schüler an die Gemeinschaftsschule. Verteilt auf drei wäre es für alle zu wenig, das Land schreibt mindestens 40 Schüler pro Jahrgang vor.“ Die drei Standorte würden sich gegenseitig das Wasser abgraben. Dabei braucht Winnenden noch viele Millionen, um die bestehenden Schulen zu modernisieren und die Mensa zu bauen.

Gespräche im Herbst

Holzwarth will im Herbst mit den Nachbarn und mit dem staatlichen Schulamt reden. „Wir könnten uns an den Bauten so beteiligen, wie sich die Gemeinden gemäß Vereinbarung an unseren beteiligen. Die Busse fahren jetzt schon in beiden Richtungen. Und wenn unsere Schüler nach Schwaikheim oder Leutenbach gehen, wäre es auch denkbar, dass Personal auf die Schulen wechselt und so der Winnender Teamgeist dort ankommt.“ Aus Holzwarths Sicht „ist der Plan B überraschend schlüssig, auch wenn wir gerne neu gebaut hätten“.