Winnenden

Gericht klärt: Wollte eine Frau aus Winnenden mit blauen Flecken betrügen?

Amtsgericht zu
Eine 21-Jährige musste sich vor dem Amtsgericht Waiblingen verantworten. © Benjamin Büttner

Ein vermeintlicher Betrugsversuch um Schmerzensgeld ist am Amtsgericht Waiblingen verhandelt worden. Richter Armin Blattner suchte Antworten auf folgende Fragen: Hat die 21-jährige Angeklagte am 7. Juli 2021 zwei ihrer Kurskollegen aufgefordert, sie auf den linken Oberarm zu boxen, um so Prellungen und Blutergüsse hervorzurufen, für die sie dann bei der Versicherung eines Autofahrers ein ordentliches Schmerzensgeld herausschlagen könnte? Und als die Männer das Ansinnen zurückwiesen, hat sie dann angekündigt, sie werde sich die blauen Flecken selbst zufügen? Und vor allem: Hat sie diese Ankündigung dann auch in die Tat umgesetzt?

Außenspiegel eines BWM bleibt an ihrem Arm hängen

Die Angeklagte erzählte dem Richter die Geschichte freimütig von Anfang an. Zum Ende des Schulblocks wollten alle angehenden Pflegehelfer gemeinsam feiern. Sie hätten sich abends gegen 17.30 Uhr in Winnenden getroffen, um gemeinsam nach Schorndorf in ein Restaurant zu fahren und miteinander zu essen. Während man noch auf die letzten Teilnehmer an der Festgesellschaft wartete, sei ein BMW so knapp an ihr vorbeigefahren, dass er sie mit dem rechten Außenspiegel streifte.

Sie habe einen schmerzhaften Schlag gegen den linken Arm verspürt, der Spiegel sei umgeklappt. Der Fahrer habe angehalten und sich nach ihrem Befinden erkundigt. Eigentlich, sagt die Angeklagte aus, habe sie nichts weiter unternehmen wollen, aber nachdem die Schmerzen vor allem im Ellenbogen und in der Schulter immer stärker geworden seien, habe sie auf Drängen ihrer Schwester und ihres Schwagers gegen 22.30 Uhr noch das Winnender Polizeirevier angerufen. Dort empfahl man ihr, sichtbare Verletzungen zu fotografieren, und sie wurde zur Geschädigtenvernehmung eingeladen.

Da die Schmerzen den ganzen Tag über immer stärker wurden, sei sie am Abend ins Krankenhaus gegangen. Dort diagnostizierte man Prellungen des linken Schulter- und Ellenbogengelenks, Druckschmerz – aber glücklicherweise keine Frakturen.

1500 Euro Schmerzensgeld verlangt

Die Schwester der Angeklagten, die für sie alle derartige Angelegenheiten und Behördengänge erledige, kontaktierte daraufhin einen Rechtsanwalt, damit dieser den Anspruch auf Schmerzensgeld gegenüber der Haftpflichtversicherung des Autofahrers durchsetze. Das sei „Tagesgeschäft“ versicherte er im Zeugenstand, eine Forderung über 1500 Euro bewege sich zudem im „unteren Bereich“.

Die Sache mit dem Schmerzensgeld wurde zurückgestellt, als die Anschuldigungen der beiden Kursteilnehmer laut wurden, die Angeklagte habe sie aufgefordert, sie wegen eines Schmerzensgeldes auf den Arm zu schlagen. Aus dem Streit ums Schmerzensgeld wurde dann ein Strafverfahren vor dem Jugendgericht. Hatte die junge Frau gar keine blauen Flecken, wollte sie mit der Behauptung betrügen? 

Die Angeklagte und eine weitere Kursteilnehmerin haben vor Gericht vehement bestritten, sich jemals in dieser Richtung geäußert zu haben. Jedoch sei das Verhältnis zu den anderen Teilnehmern aus dem Kurs, die sie mit ihren Aussagen belasten, die ganze Schulungszeit über nicht frei von Spannungen gewesen.

Dünne Aussage der Belastungszeugin

Die Belastungszeugin bestätigte das nicht so tolle Verhältnis. Sie versicherte dem Richter, dass die Angeklagte während des Kurstreffens erklärt habe, man könne ihr jetzt gern eine „reinhauen“, damit sie bei der Polizei blaue Flecken zum Vorzeigen habe. Ob dies dann tatsächlich geschehen sei und wie die Sache weitergegangen sei, wisse sie aber nicht. Die Aussage blieb recht dünn. Dazu kam, dass die Zeugin bei einem ersten Verhandlungstermin im September durch Abwesenheit geglänzt hatte (Folge: 150 Euro Bußgeld und Übernahme der Kosten, die durch ihr Schwänzen entstanden sind). Auch jetzt mussten sie Polizisten zu Hause abholen. Was an der Sache nichts änderte.

Verteidiger, Staatsanwalt und Richter waren sich einig, dass die Forderung der Angeklagten, man solle sie auf den Arm schlagen, sicherlich nicht sehr klug gewesen sei. Derartige Gedanken zu äußern, sei aber nicht strafbar. Keinerlei Anhaltspunkte gebe es dafür, dass es tatsächlich zur Verwirklichung des Vorhabens kam. Auf den der Polizei übergebenen Beweisfotos sind keine blauen Flecken zu sehen. Somit kam eine Einstellung des Verfahrens nicht infrage, sondern nur ein Freispruch.

Ein vermeintlicher Betrugsversuch um Schmerzensgeld ist am Amtsgericht Waiblingen verhandelt worden. Richter Armin Blattner suchte Antworten auf folgende Fragen: Hat die 21-jährige Angeklagte am 7. Juli 2021 zwei ihrer Kurskollegen aufgefordert, sie auf den linken Oberarm zu boxen, um so Prellungen und Blutergüsse hervorzurufen, für die sie dann bei der Versicherung eines Autofahrers ein ordentliches Schmerzensgeld herausschlagen könnte? Und als die Männer das Ansinnen zurückwiesen, hat sie

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