Winnenden

Großes Baugebiet im kleinen Hertmannsweiler: Bürger reden mit

Baugebiet und Sportplatz
Die Wiesentalstraße in Hertmannsweiler ist jetzt schon gut zugeparkt – wie wird es, wenn sie eine Zufahrtsstraße zum neuen Wohngebiet Kirchhofäcker wird? © Alexandra Palmizi

Hertmannsweiler wird größer: Das Baugebiet „Kirchhofäcker“ soll kommen. 300 neue Bewohner werden erwartet. Die Anrainer in den angrenzenden Straßen sollen einbezogen werden in die Planungen und sammeln jetzt Vorschläge und Ideen. Vor allem im zu erwartenden höheren Verkehrsaufkommen sehen viele ein Problem.

Naturgemäß schreit kein Anwohner begeistert „Hurra“, wenn ein Neubaugebiet vor seiner Nase gebaut wird. So auch in Hertmannsweiler: Hier bekamen Anwohner der Wiesentalstraße bereits einen Vorgeschmack durch den Bau von vier Häusern in der Bruckwiesenstraße, wo nach Aussage einer Anwohnerin auch samstags bis nach 20 Uhr auf der Baustelle gearbeitet werde. „An den jahrelangen Baulärm bei einem so großen Baugebiet mag man gar nicht denken, aber dagegen kann man leider nichts machen, zumal dieses Gebiet schon lange als Baugebiet eingestuft war“, äußert sie ihre Bedenken. Bevor es losgeht mit der als Wohn- und Mischgebiet geplanten Bebauung Kirchhofäcker steht jetzt im Herbst der Bau eines neuen Vereinsheims mit Kunstrasenplatz an, der bis Herbst 2022 terminiert sei, wie der Hertmannsweiler Bürger Andreas Kominek informiert.

Andreas Kominek sammelt die Bürger-Äußerungen zum Baugebiet

Vergangenen Freitag haben rund 25 Anwohner der Wiesentalstraße die Mitgestaltung der baulichen Zukunft diskutiert und erste Anregungen und auch Sorgen vorgetragen. „Zum Glück ist das Neubaugebiet immer wieder verschoben worden, dadurch haben wir es aber vermutlich auch ein Stück weit verdrängt“, so Kominek. Er hat sich als „Sammelstelle“ angeboten und bittet alle, ihre Sorgen wie auch Anregungen und Wünsche „persönlich zu formulieren“ und ihm bis Mitte Oktober schriftlich oder per Mail zukommen zu lassen.

Mindestens fünf Jahre Lärm sieht eine Anwohnerin auf sich zukommen

Wenn schon gebaut wird, so die einhellige Meinung, möchten die Bürger bei der zukünftigen Verkehrsführung, mit der sie leben werden, ein Wort mitreden. Noch ist dafür nach Information von Kominek Zeit: Im November soll der Technische Ausschuss über die Planung befinden. Bis dahin können die Bewohner ihre Anliegen in die Waagschale werfen, die dann OB Holzwarth und anschließend dem Gemeinderat vorgelegt werden. Ziel sei es, mit „einer Stimme“ zu sprechen. Vor gut 30 Jahren waren sie die „Neuen“, die am Ortsrand Häuser gebaut haben. Nun geht es weiter und sie bekommen in den nächsten Jahren rund 300 neue Nachbarn. Verbunden ist dies zwangsläufig mit Baustellenverkehr. Eine Frau sieht „mindestens fünf Jahre“ Lärm auf sich und die anderen zukommen. Sind dann alle mal eingezogen in die dort geplanten Einzel-, Doppel-, Reihen-, Ketten- sowie Mehrfamilienhäuser, bedeute dies mehr Fahrzeuge. Auch der geplante Kindergarten erhöhe den Geräuschpegel – und dies nicht nur während der Bauphase. Es sind die heutigen Zeiten: Viele Eltern kutschieren ihren Nachwuchs in großen Fahrzeugen zum Kindergarten und holen ihn ab. Macht unterm Strich zusätzliche Fahrzeugbewegungen.

„Es sollen halt nicht alle durch unsere Straßen fahren“

Die Notwendigkeit, neuen Wohnraum zu schaffen und in diesem Zug auch einen Ersatz für den in die Jahre gekommenen Kindergarten zu schaffen, wird von keinem Sprecher infrage gestellt. „Wir müssen etwas tun, um mehr junge Familien in den Ort zu bringen; was Kinderzahlen angeht, liegt Hertmannsweiler an letzter Stelle“, informiert der ebenfalls anwesende Gemeinderat Erich Pfleiderer. In den Wortmeldungen wird vielmehr ein Informationsbedarf deutlich. Und der Wunsch nach einem „verträglichen“ Verkehrskonzept. „Sie sollen halt nicht alle durch unsere Straßen fahren“, sagt Andreas Kominek.

Parkprobleme: Es wird sehr eng, wenn man zum Essen ins Vereinsheim fährt

Viele Bürger haben spezielle Fragen zur Verkehrsführung in der Wiesentalstraße, sorgen sich um die Sicherheit der Kinder bei höherem Verkehrsaufkommen, möchten eine nachhaltige Energieversorgung und mehr Parkplätze. Schon jetzt seien Parkplätze rar, am Wochenende und abends seien sie voll. Und man müsse „sehr eng an den Stichstraßen vorbei, wenn man zum Essen ins Vereinsheim fährt“, sagt ein Zuhörer, der vor allem an die Gefahr für spielende und dort rennende Kinder denkt.

Ein möglicher Kreisverkehr an der Stuttgarter Straße wird positiv gesehen

Warum die Verbindung von der B14 kommend nicht über die Bruckwiesenstraße geführt werden könne, sondern sich alles durch die Wiesentalstraße durchlavieren müsse, möchte eine Frau wissen. Das Problem: Es sei ein ausgewiesener Feldweg, hilft Gemeinderat Erich Pfleiderer weiter. Positiv finden die Bewohner den geplanten Kreisverkehr, der laut Pfleiderer an der Stelle vorgesehen ist, an der sich die B14 gabelt. Verbunden mit einer gesonderten Zufahrt zum Wohn- und Mischgebiet versprechen sich die Anwohner weniger Autos vor ihren Fenstern und Türen.

„Wir haben sinnvolle Vorschläge und Gefühl, gehört zu werden“

Kominek hofft auf möglichst viele Stellungnahmen seitens der Bürger. Es bestehe Hoffnung, dass davon etwas in die Pläne einfließt. „Wir können und dürfen mitreden und sind noch rechtzeitig dran, wir haben sinnvolle Vorschläge und das Gefühl, gehört zu werden. Vor allem haben wir die Unterstützung der Gemeinderäte. Die nächsten Schritte gehen wir als Gemeinschaft und es muss sich nicht jeder einzeln verkämpfen. Mit dem Austausch haben alle Anwohner den gleichen Wissensstand, wir binden alle Beteiligten ein“, so Kominek.

Hertmannsweiler wird größer: Das Baugebiet „Kirchhofäcker“ soll kommen. 300 neue Bewohner werden erwartet. Die Anrainer in den angrenzenden Straßen sollen einbezogen werden in die Planungen und sammeln jetzt Vorschläge und Ideen. Vor allem im zu erwartenden höheren Verkehrsaufkommen sehen viele ein Problem.

Naturgemäß schreit kein Anwohner begeistert „Hurra“, wenn ein Neubaugebiet vor seiner Nase gebaut wird. So auch in Hertmannsweiler: Hier bekamen Anwohner der Wiesentalstraße

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