Winnenden

Grundschüler proben für Zirkus-Aufführung

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Akrobatin Tana hilft dem Mädchen bei ihrer ersten akrobatischen Figur auf der grünen Kugel – die Mitschüler stehen an der Kugel und am Trapez Schlange – und sind fasziniert, was alles möglich ist. © Palmizi / ZVW
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Mit Roberto geht’s schon flott übers Drahtseil. © Leonie Kuhn
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Circus Piccolo studiert bis zum Schulfest mit Grundschülern Kunststücke ein. © Leonie Kuhn
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Circus Piccolo studiert bis zum Schulfest mit Grundschülern Kunststücke ein. © Leonie Kuhn
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Circus Piccolo studiert bis zum Schulfest mit Grundschülern Kunststücke ein. © Leonie Kuhn

Winnenden-Birkmannsweiler. Hannah stellt sich zum dritten Mal am Drahtseil an, das einen Meter über dem Boden gespannt ist. Endlich ist sie dran und geht an der Hand von Zirkusmitarbeiter Roberto Schritt für Schritt über die Leine. Die Neunjährige streckt mittendrin ein Bein zur Waage nach hinten. „Die Artisten haben es uns gezeigt, ich mache es einfach nach“, sagt das Mädchen lächelnd.

Video: Beim Circus Piccolo dürfen Kinder aus Winnenden in der Manege auftreten und ihr Programm selber gestalten.

Erst eine Stunde sind die Grundschüler mit den Zirkusleuten zusammen, schon hat sie der Ehrgeiz gepackt, die Kunststücke auch zu lernen. „Die Kinder machen das immer ganz toll“, sagt Alexander Riedesel. Heute ist einfach Ausprobieren angesagt, in den nächsten Tagen vertieft jedes Kind sein Können an der Zirkusnummer, die ihm am meisten zusagt.

Ein Junge übt eine Weile mit dem Stock. Er bringt damit einen Plastikteller in Schwung, das Ziel ist, dass er auf der Stockspitze waagrecht rotiert wie ein Kreisel. Die Übung verlangt Geduld, bislang klappt es noch nicht, der Teller des Buben fliegt nach drei, vier Umdrehungen fort. „Wahrscheinlich werde ich am Vorhang arbeiten“, überlegt der Junge - die Rolle des Moderators muss schließlich auch gekonnt besetzt werden, und auch ohne Requisiteure kann keine Zirkusmannschaft auftreten.

Beim Anblick der turnerischen Künste erschrickt die Lehrerin

In der warmen Märzsonne übt auch Sara und wirft zwei Ringe nacheinander hoch, ein Stückchen über ihrer Stirn fliegen sie nach links in ihre andere Hand, vor dem Bauch wechseln sie schnell wieder in die rechte. Das sieht einer Jonglage schon ziemlich ähnlich, ist die erste erfolgreich gemeisterte Stufe.

Die Seitenwände des blauen Zelts auf der Birkmannsweiler Festwiese sind hochgeschlagen, lassen Tageslicht rein. Unter das fröhlich-aufgeregte Stimmengewirr der Kinder mischt sich typische Zirkusmusik: Geige und Akkordeon, mal flott für die Actionnummern, mal langsam für die poetisch-ästhetischen Darbietungen, zu denen alles Akrobatische zählt.

Turnerisches Talent ist von Vorteil

Leonie scheint ihre Rolle vorbestimmt, so gerade und kraftvoll, wie sie ihr Rad auf der Matte schlägt und dann lächelnd ins Spagat übergeht. Turnerisches Talent ist bei den artistischen Nummern natürlich von Vorteil. So schwingt sich auch die zierliche Isabel, ohne Angst zu zeigen, aufs Trapez, und dort auf die Schultern ihrer etwas größeren Mitschülerin. Mit nicht für andere zu hörenden Worten sagt Artistin Alexandra den Mädchen, was sie nun noch machen können, und man kommt nicht umhin zu staunen: Isabels Füße halten das Mädchen rechts und links am Schaukelseil über dem Kopf ihrer Mitschülerin, die nun ebenfalls steht, aber auf der dünnen Holzstange. Die beiden halten sich mit den Armen fest, ihr Blick geht in die Ferne, hin zum noch nicht vorhandenen Publikum, Mund und Augen strahlen. Isabel ist dem blauen Sternenhimmel nun ganz schön nah. „Oh Gott!“, entfährt es Lehrerin Silke Fischer, als sie sieht, wie sich Isabel nach diesem Kunststück wie ein Äffchen nach unten hangelt und ihren Körper noch einmal unter der Holzstange durchbiegt. „Ich kann gar nicht hingucken.“ Doch die Kinder haben keine Angst - und ihre Eltern brauchen sie auch nicht zu haben. „Wir haben viel Erfahrung mit solchen Projekten und sichern die Kinder immer, auch bei ihrem Auftritt“, versichert Alexander Riedesel. Auch Hannah hat Vertrauen. Sie steht schon wieder freudestrahlend am Drahtseil an. „Wenn man erst mal drauf ist, ist es nicht schlimm.“ Und als die Neunjährige ihren Balance-Gang vorwärts gemacht hat, geht sie erstmals, natürlich immer noch an der Hand geführt von Roberto, rückwärts. Das sieht so spielerisch, so leicht aus – die anderen Kinder wie der sechsjährige Vlado können es gar nicht erwarten, das Kunststück ebenfalls zu üben.

Danach Schulfest

„Ein langgehegter Wunsch der Schule geht jetzt in Erfüllung“, sagt Carola Bauer. Sie leitet die Schule seit elf Jahren, noch nie war in der Zeit der Mitmachzirkus in Birkmannsweiler. Für das Projekt hat der Förderverein der Grundschule jahrelang gespart, nun ist der Betrag auch dank Mithilfe des Elternbeirats zustande gekommen.

Alle Grundschüler proben von Dienstag bis Freitag täglich zweieinhalb Stunden mit den Artisten. Am Samstag, 1. April, wird der Nachwuchs von den Profis kostümiert und geschminkt, um den Eltern um 11 Uhr eine richtige Zirkusshow zu bieten.

Anschließend beginnt das Schulfest, für das die Grundschüler diese Woche auch die Dekoration basteln – so wird das Schulgebäude ein wenig an ein Zirkuszelt erinnern.