Winnenden

Gut besuchter Winnender Weihnachtsmarkt

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WMarktWi, Weihnachtsmarkt Winnenden, 02.12..2017 Foto Edgar Layher © Edgar Layher
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© Edgar Layher

Winnenden. Kaum ein Kopf schiebt sich ohne Mütze in der Menschenmenge vorwärts am Samstagabend. Der Buden-Bummel durch die weihnachtliche, lichterkettenreiche Marktstraße hat die von vielen Besuchern gewünschte Fröstelgarantie. Da wirken Glühwein und heiße Suppe wahre Wunder.

„Ich hab’ alles an, was geht“, erzählt Marcus Goll, Lehrer am Lessinggymnasium. Unter Schichten von textilem Dämmmaterial – Daunenjacken, wollige Schals und Thermowäsche – harren auch die Schüler der Unter- und Mittelstufe am Stand aus, um selbst gebastelte Styroporsterne und Plätzchentüten zugunsten der Kinderklinik zu verkaufen. „Schade, ihr seid etwas weit unten gelandet“, meint ein Weihnachtsmarktbesucher zu der Änderung des Standorts für den Stand. Das neue Marktsystem hat die Schüler zusammen mit weiteren Schulen, Gruppen und Kindergärten einige Meter weiter in Richtung Kronenplatz verpflanzt.

Selbstgemachtes und Kunsthandwerk

Zwischen Torturm und Kronenplatz finden die Besucher dieses Jahr statt des Krämermarkts viel Selbstgemachtes und Kunsthandwerk. Am Stand des Lessing-Gymnasiums äußert man sich abwartend. „Bis jetzt liegen wir ganz gut im Rennen, schauen wir mal, wie lang es anhält“, meint Goll. Auch der Stand des Fördervereins der Grundschule Schelmenholz ist einige Meter gewandert - ein Gewinn für die Marktatmosphäre ist es nach Einschätzung von Tanja Lutz-Irschfeld, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats. „Direkt am Eingang zu stehen, ist zum Verkaufen unserer Sächele sogar ganz recht“, meint sie, „besser als mittendrin bei Essen und Musik zu sein.“

Viele genießen die Ruhe am Stand, wollen einen kleinen Schwatz halten oder etwas fragen zu den angebotenen Diamantglitzer-Sternen und Taschen aus upgecyceltem Jeansstoff, so Lutz-Irschfeld, die auch gehört hat, dass viele dem Krämermarkt nicht hinterherweinen. „Positiv ist, dass die Schulen und Kindergärten als Gruppe hier stehen, das zieht Familien und Eltern an, die dann auch zu den anderen Schulen gehen“, hat Verena Straßner, eine Mutter des Kindergartens Seewasen, festgestellt. Seewasen-Eltern verkaufen am Sonntag selbst gebackene Waffeln, am Samstag hat der Tafelladen Waffeln gebacken - sie teilen sich den Stand zu dritt, haben sich in Kooperation mit Timm Hettich vom Verein Attraktives Winnenden für ein „rollierendes System“ entschieden. Drei Tage wären für jeden Einzelnen zu viel gewesen, erklärt Tanja Lutz-Irschfeld.

Früherer Schulleiter Baumgärtner spielt Blockflöte

Das Argument, dass die Musik am Kronenplatz fehlt und ergo alles zum Marktplatz stapft, lässt sich zumindest am frühen Abend nicht halten: Der frühere Lessing-Schulleiter Hans-Dieter Baumgärtner spielt mit der Blockflöte am Stand ein Ständchen und lockt Besucher an - für die schöne Idee wird er von verschiedenen Seiten gelobt.  Auch zwei ehemalige Schülerinnen legen einen Halt ein - für ein „kleines Ehemaligentreffen“, wie sie vergnügt sagen. Sie freuen sich schon seit einiger Zeit darauf, dass „endlich wieder Weihnachtsmarkt“ ist. „Der gehört immer dazu“, sagt Sina Fuhrmann. Heimelig, gemütlich, nicht überlaufen sei er in Winnenden - das gefällt auch Jasmin Gohl. „Man trifft Bekannte, es sind örtliche Winzer mit ihrem Glühwein da und ich kann schön stöbern, manchmal finde ich auch was Kleines zum Verschenken.“ Doch vor dem Bummeln kommt der Magen zu seinem Recht: „Als Erstes essen wir was, dann schauen wir“, sagen beide. Mit der Reihenfolge sind sie nicht allein. Überall, wo’s essbar duftet, ist ab dem frühen Abend Hochbetrieb. An vielen Ecken dampfen Crèpeeisen, Grill, Ofen und Suppentopf, etwas Warmes im Bauch ist die Grundlage, um bei Fröstelgraden um den Gefrierpunkt durchzuhalten. Die Besucher wärmen sich mit Gaisburger Marsch, Gulaschsuppe oder Pulled Pork mit heißem Filderkraut. Dazu ein Glühdrink aus der heißen Box, ob mit oder ohne „Schuss“ - Glühwein und Punsch wirken wie eine Art trinkbares „Frostschutzmittel“ für den Magen.

Soul, Groove und Jazz

Mit Kälte kein Problem scheinen die Musiker der Stuttgarter Soulband „Mad Chick of Soul“ zu haben. Stimmlich mit Feuer ausgestattet, lassen Karl Frierson, ehemaliger Musiker der Band De-Phazz, und Berti Kiolbassa bekannte Gospels in besinnlichen Improvisationen weich und emotional klingen. Groovig und jazzig kleidet der stilistisch vielgestaltige Cherry Gehring die Song-Palette am E-Piano aus, der mit Pur und als Duettpartner von Maggie Reilly zu hören war. Die drei haben ein Faible für den perfekten Sound, der zum Publikum fliegt und zum Mitwippen animiert. Alles swingt mit, eine Schar aus Mützenträgern mit geröteten Nasen schaukelt und tanzt im Takt. Schon nach dem Auftaktsong „Oh happy Day“ ziehen die Musiker ihre Handschuhe aus zum Winken - die Aufforderung ans Publikum, das einstimmt in „Lean on me“ und viele weitere Melodien.


Sparkling Wheels hatten den schönsten Stand

Den schönsten Weihnachtsmarkt-Stand hatten die Sparkling Wheels der Rollsportgruppe Winnenden. Timm Hettich und eine Jury des Vereins Attraktives Winnenden kürten in diesem Jahr bereits am Samstagnachmittag die Standinhaber, die sich besonders viel Mühe beim Schmücken gegeben hatten.

„Die Sparkling Wheels haben uns überzeugt, weil uns die tolle Dekoration als Erstes ins Auge gestochen ist“, so Hettich. Beim genaueren Hinsehen bestätigte sich der Eindruck, dass der erste Preis gerechtfertigt ist. „Sie haben für nur einen Tag einen riesigen Aufwand betrieben“, so Hettich.

Laura-Emily und Sabrina beschreiben auf Nachfrage die Arbeit, die in dem Stand steckt: „Gestern saßen wir zehn Stunden zusammen, haben Kugeln zusammengebunden für den Dachgiebel und Vlies für den Schnee zugeschnitten.“ An ihrem Stand flackern einige Kerzenlichter in Gläsern - nicht zu viele. Der harmonischen Wirkung ihrer schönen dezenten Beleuchtung können auch die beiden weißen Plastikweihnachtsbäumchen nichts anhaben, weil alles in einem einheitlichen Farbton gehalten wird. „Unser Thema war Schnee in Kombination mit Blau-Weiß, weil so auch unsere Kostüme sind“, sagen die beiden 18 und 21 Jahre alten Rollsportlerinnen. Ihrem Ziel, im kommenden Jahr ihre Teilnahme und Reise nach Spanien zur Europameisterschaft zu finanzieren, sind sie einen Schritt nähergekommen: Der schönste Weihnachtsmarktstand brachte ihnen das Preisgeld in Höhe von 150 Euro ein.

Platz zwei ging an die Winnenderin Heike Riesling an der Oberen Marktstraße, die ein Metallgestell mit Dekorationsideen, unter anderem mit Kinderskiern aufhübschte.

Den drittschönsten Stand hatten die Guggenmusiker „Querköpf“. Deren Stand sei viel Mühe und Arbeit gewesen, so Hettich. Das Dach mit Schnee bedeckt, die Decken mit Lichterketten geschmückt, ein Nikolaus am Stand, hübsche Stehtische in einer Extralaube - damit konnten sie in unmittelbarer Nähe zum Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz zum wiederholten Mal punkten.