Winnenden

Handelsriese Amazon ärgert Kleinverleger Hans-Jörg Bahmüller aus Winnenden

Jakobsweg-Verlag
Hans-Jörg Bahmüller mit Laptop und Büchern seines Kleinverlages. © Gabriel Habermann

Hans-Jörg Bahmüllers Leidenschaft ist der Jakobsweg. In seiner Freizeit beschäftigt sich der Rentner mit den Routen, lässt Wanderführer drucken. Der Winnender betreibt seit 2007 den Kleinverlag „Jakobsweg-Team“. „Ich bin seit 19 Jahren im Ruhestand. Die Arbeit mit dem Jakobsweg macht mir Spaß, auch wenn es bis zu zwölf Stunden am Tag sind“, erzählt der gelernte Informatiker. Er entwirft Karten und Symbole, hält Kontakt zu Autoren und zur Druckerei. Nur die jüngste Episode mit dem Versandhandelsriesen Amazon sorgt bei Bahmüller für Ärger.

Nur selten bekommt Bahmüller Bestellungen über Großhändler

„Die meisten Bestellungen kommen über unsere Homepage rein. Viel Geld bleibt am Ende allerdings nicht hängen“, erzählt Bahmüller und fügt an: „Das kann sich ein kleiner Verlag allerdings leisten. Ich kann auch nur 20 Exemplare verkaufen. Es müssen keine Tausende sein, wie es bei den großen Verlagen ist.“

Die Bücher, die Bahmüller im Kleinverlag herausbringt, sind gelistet im „Verzeichnis der lieferbaren Bücher“ (VLB). „Damit sind die Daten allen Buchhändlern bekannt“, erklärt Bahmüller. In der Regel werden seine Bücher nicht über Großhändler verkauft. „Manchmal bekomme ich Bestellungen weitergeleitet, aber das kommt nur selten vor“, erzählt der Verleger.

Amazon behauptet: „Bestellen Sie, wir liefern“

Bahmüller verkauft seine Bücher auch auf Amazon. Dort hat der Rentner allerdings keinen Profiaccount. „Deshalb bin ich dort nur sehr umständlich zu finden. Wer Bücher vom Jakobsweg-Team auf Amazon sucht, bekommt zuerst andere Verkäufer angezeigt“, erklärt Bahmüller. Für ihn ist das zwar ärgerlich, aber er kann damit leben. Ein professioneller Verkäuferaccount kostet Geld, das würde sich für ihn nicht rechnen.

Immerhin: Amazon hat den Betrag nicht vom Konto abgebucht

Was Bahmüller deutlich mehr stört: Amazon hat das Buch „Kochen & Backen mit einer Hand“ von Autorin Anja Kopp, das ebenfalls unter dem Jakobsweg-Verlag läuft, angeboten. „Verkauf und Versand durch Amazon“, und klein darunter „derzeit nicht auf Lager“ war in der Vorschau zu lesen. Klickten Interessierte auf das Angebot, stand dort: „Bestellen Sie jetzt und wir liefern, sobald der Artikel verfügbar ist. Sie erhalten von uns eine E-Mail mit dem voraussichtlichen Lieferdatum, sobald uns diese Information vorliegt.“

Amazon konnte das Buch jedoch gar nicht versenden, da es bei Bahmüller bestellt werden müsste. Der Versandriese hatte keine Exemplare vorliegen. „Zum Testen, was passiert, habe ich es am 28. Dezember bestellt“, berichtet Bahmüller. In den Bestelldetails schreibt Amazon: „Zustellung Montag“. Das Buch kommt jedoch nicht. Stattdessen erhält er eine E-Mail. „Guten Tag, die Lieferung Ihrer Bestellung wird sich leider verzögern. Wir bemühen uns, Ihnen den verspäteten Artikel so schnell wie möglich zu liefern. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.“

Immerhin: Amazon hat die Kosten in Höhe von 17,90 Euro nicht abgebucht. Hans-Jörg Bahmüller ärgert sich trotzdem, dass Amazon das Buch überhaupt angeboten hat. „Ich wurde nie gefragt, ob ich ihnen etwas liefere. Das Lagern und Liefern über Amazon wäre mir ohnehin zu teuer“, sagt Bahmüller.

Und Amazon? Auf Nachfrage fasst sich ein Pressesprecher des Unternehmens kurz. „Danke für Ihren Hinweis. Das entsprechende Angebot ist nicht mehr verfügbar und wir haben die Kund/-innen entsprechend informiert. Ich bitte um Verständnis, dass wir uns dazu weiter nicht äußern.“

Kleinverleger Hans-Jörg Bahmüller hat jedoch keine weiteren Informationen erhalten. „Außer der Mail, dass sich die Lieferung verzögert, ist nichts mehr gekommen. Das ,Nicht-äußern-Wollen’ passt genau zu der überheblichen und arroganten Art, wie sich Amazon als Marktführer aufspielt“, ärgert sich der Winnender.

Hans-Jörg Bahmüllers Leidenschaft ist der Jakobsweg. In seiner Freizeit beschäftigt sich der Rentner mit den Routen, lässt Wanderführer drucken. Der Winnender betreibt seit 2007 den Kleinverlag „Jakobsweg-Team“. „Ich bin seit 19 Jahren im Ruhestand. Die Arbeit mit dem Jakobsweg macht mir Spaß, auch wenn es bis zu zwölf Stunden am Tag sind“, erzählt der gelernte Informatiker. Er entwirft Karten und Symbole, hält Kontakt zu Autoren und zur Druckerei. Nur die jüngste Episode mit dem

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