Winnenden

Heiße Ware Schnelltest: Einkaufserlebnisse in Winnenden

Schnelltest - Müller
Der letzte Schnelltest am Freitagvormittag im Müller-Markt. © Benjamin Büttner

Nur mal ein Probelauf am Freitagvormittag: Woher bekomme ich einen Corona-Schnelltest, wenn ich am Samstag betagte Verwandte besuchen möchte? Innerhalb einer Stunde ist in Winnenden durchaus etwas zu finden, wenn ich bereit bin, mich durchzufragen und wenn ich mir klarmache, dass alles, was ich zuvor erkundet hatte, einen Tag später schon nicht mehr gilt.

Winnenden, so hatte ich diese Woche den Eindruck, geht es gut, weil es ein Schnelltestzentrum in der Alten Kelter hat, zu dem wirklich aller Winnender gehen dürfen, unabhängig von ihrem Alter und ihrem Beruf. Selbst ein Redakteur aus dem Home-Office kriegt da einen Test, und zu Beginn der Woche hatte der Terminkalender dort noch so viele Lücken, dass ich mir sage: Da guckst du ganz zum Schluss rein, falls du in den Geschäften nichts kriegst.

Zulassung? Deutschland erlaubt nicht jeden Test

Ein Bekannter hatte mir geraten: „Am ehesten kriegst du was in den Apotheken.“ Es ist nicht ganz falsch. In der Apotheke am Torturm könnte ich zum Beispiel via Internet einen Schnelltest bestellen, der von Apothekerin Ingrid Hecht-Hatzis abgenommen wird. Ich bekäme eine Bescheinigung über das Testergebnis. Aber es ist ein gewerblicher Test, den ich bezahlen müsste oder den Leuten auf Berechtigungsschein bekommen, wenn sie in entsprechenden Berufen arbeiten, zum Beispiel Lehrer. Für mich wär’s ganz praktisch, wenn ich einen Selbsttest kaufen könnte. Apotheker Niko Hatzis fände die Selbsttests auch ganz sinnvoll. So, wie in Vorarlberg der Selbsttest direkt in den Schulen gemacht wird, zweimal in der Woche, hält er es für systematisch und gut. Als Apotheker hatte er sich bemüht, solche Selbsttests für seinen Verkauf zu bekommen. Ein Angebot hatte er vorliegen, er war kurz vor der Bestellung, als er herausfand, dass genau dieser angebotene Test zwar in Österreich, aber nicht in Deutschland zugelassen ist. „Ich kümmere mich jeden Tag um die Selbsttests“, sagt Niko Hatzis, „aber den, den ich einfach so für Laien abgeben kann, habe ich noch nicht gefunden“.

Nebenan ist der dm-Drogeriemarkt, der laut Internet groß in den Verkauf von Schnelltests einsteigen soll. Liegt da etwas im Regal? „Sie können online bestellen und dann bei uns abholen“, sagt eine freundliche Verkäuferin. Aber in Winnenden auf Vorrat haben Sie nichts? „Doch, schon, aber noch nicht jetzt.“ Wann? „Irgendwann.“

Eeinen Moment, bitte: Haben wir noch Schnelltests?

Ich gehe zum Müller-Markt, wo gerade ein Verkäufer Duschgels ins Regal einräumt. Hat er Schnelltests? „Einen Moment, bitte!“ Er geht Richtung Kasse und ruft seiner Kollegin zu: „Frau T., wie viele Schnelltests haben Sie noch?“ „Zwei.“ Sie bückt sich unter den Kassentisch und blickt entschuldigend: „Oh nein. Nur noch einen.“ Es ist Freitag, 10.55 Uhr, und ich kaufe den letzten Schnelltest, der unterm Tisch an dieser Kasse noch vorrätig ist zum Preis von 6,95 Euro. Der Preis, denke ich, ist in Ordnung. Die Gebrauchsanweisung ist klar und steht in ausführlicher, präziser Fassung auf der Packung. Testflüssigkeit ins Reagenzglas gießen. Ich muss länger mit dem Wattestab in der Nase popeln und stupfen, den Stab dann in der Testflüssigkeit rühren. Warten. Flüssigkeit auf den Adapter geben und damit drei Tropfen auf die Testkassette tropfen und 15 Minuten warten. Dann weiß ich’s – wenn ich auch nicht ganz so sicher bin, wie bei einem Test in der Alter Kelter und schon gar nicht wie bei einem echten PCR-Test. Den würde ich machen, wäre mein Testergebnis positiv, und ich würde mich in häusliche Quarantäne zurückziehen, denn das ist ja der Sinn der vielen Schnelltests: Wer infiziert ist, isoliert sich sofort und steckt niemand anderen mehr an.

Online-Verkauf: Was Lidl zu Selbsttests erklärt

Wenn ich im Müller-Markt den letzten Test des vormittags weggekauft habe, wo kriegt dann ein Winnender überhaupt noch einen her? Anfrage bei der zentralen Pressestelle von Lidl. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Selbsttests in den Filialen anbieten zu können. Aktuell können wir dazu aber noch keine Angaben machen“, antwortetet eine Pressesprecherin. Lidl verkauft seine Tests im Online-Handel.

Verstehen wir uns? Kommunikation an der Kasse

Der neue Aldi am Stadtrand wäre auch noch eine Nachfrage wert. Schon von außen erfährt der Kunde, dass es Schnelltests gibt. Sie werden angeboten im Fünferpack für knapp 25 Euro und wie zum Beweis, dass es sich um heiße Ware handelt, gibt es sie nur direkt an der Kasse. Nirgendwo liegen die Tests im Regal. Dafür sind sie viel zu heiß begehrt. Es könnte Hamsterkäufe auslösen wie vor Monaten das Klopapier, vermutet ein Journalistenkollege. Wir gehen jeder an eine Kasse, fragen nach den Tests. „Ich verstehe Sie schlecht“, sagt die Kassiererin. Sie trägt Maske. Ich trage Maske. Und zwischen uns: eine Plexiglasscheibe. Im zweiten Anlauf versteht sie, holt eine Schachtel mit fünf Tests hervor. Es klappt doppelt, auch beim Kollege an der anderen Kasse. In Wahrheit verzichte ich dann auf den Kauf, weil ich denke: Lass dich doch in der Alten Kelter testen. Die sind geübt. Die machen das besser als ich selbst.

Zu Hause setze ich mich an den Computer, gehe auf die Homepage der Stadt, zu den Corona-Tests und klicke auf „Anmelden“. Via „Bürgertest“ lasse ich die Computer der Stadt prüfen, ob ich ihr Bürger bin, und bekomme gleich Einblick in den Terminkalender des Testzentrums. Sapperlot! Die ganze nächste Woche ist ausgebucht. Innerhalb von Tagen wurde das Testzentrum zum absoluten Renner. Den nächsten möglichen Testtermin könnte ich eventuell am Montag, 22. März, bekommen.

Nur mal ein Probelauf am Freitagvormittag: Woher bekomme ich einen Corona-Schnelltest, wenn ich am Samstag betagte Verwandte besuchen möchte? Innerhalb einer Stunde ist in Winnenden durchaus etwas zu finden, wenn ich bereit bin, mich durchzufragen und wenn ich mir klarmache, dass alles, was ich zuvor erkundet hatte, einen Tag später schon nicht mehr gilt.

Winnenden, so hatte ich diese Woche den Eindruck, geht es gut, weil es ein Schnelltestzentrum in der Alten Kelter hat, zu dem

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper