Winnenden

Heimattage Winnenden: Diese Lieder stehen zur Wahl

Sing Your City Song Contest 2019: Hans Derer und Elisa-Marie Kraus, Schwanenkeller, Winnenden, 29.04.2019.
Hans Derer befragt die zwölfjährige Elisa Marie aus Nellmersbach, die vom Miteinander singen wird. © Benjamin Beytekin

Winnenden. Viele Neuentdeckungen präsentiert Hans Derer am Samstag, 4. Mai, von 14 bis 17 Uhr bei den Heimattagen. Beim City Song Contest treten Sänger und Musiker im Alter von 12 bis 80 Jahren auf, und sie singen schwäbisch, hochdeutsch und englisch. Um 17 Uhr wird eine Jury den Sieger oder die Siegerin bestimmen.

Wird die erst zwölfjährige Elisa Marie aus Nellmersbach den Sieg einfahren? Sie hat den Charme der Jüngsten, der wirkte schon bei der Pressevorschau am Montagabend im Storchenkeller. Ein bisschen aufgeregt stand sie auf der Bühne bei ihrem Song „Hand in Hand“. Sie spricht hochdeutsch, singt aber lieblich schwäbisch: „Mir lebet mitenand“.

Ein Lied von den Vorzügen Württembergs singt Max Trierweiler

Von ganz ähnlicher Nettigkeit ist der Gesang des 80-jährigen Max Trierweiler aus Urbach, der sehr schwäbisch die Vorzüge von Württemberg und Baden besingt – passend zu den Heimattagen. Trierweiler ist ein zurückhaltender Typ, der wartet, bis er auf die Bühne gerufen wird, und dem der Moderator und Initiator Hans Derer die Würmer aus der Nase ziehen muss beim Vorstellungsgespräch: „Max, verzähl doch mol a bissle was von dir. Komm, sag ebbes ...“ „Was soll I sage? I ben oifach froh, dass I do drbei ben als alter Dackel.“

Textbausteine aus dem Reservoir der Schwaben-Klischees

Es sind echte Charaktere, selten gehörte Musiker, neue Lieder mit allerdings oft altbekannten Textbausteinen aus dem Reservoir der Schwaben-Klischees von Spätzle über Schaffe bis zum Häusle baue. Manchmal hört man hintereinander zwei, drei Lieder, die so sättigen wie drei Stück Nusscrèmetorte. Dann ist man froh, wenn zwischendurch die 17-jährige Christina aus Cannstatt ziemlich flott in englischer Sprache gegen die Barrieren im Kopf ansingt oder wenn einfach Ala Heiler aus Stuttgart, einen rauchigen schwäbischen Blues röchelt: „I han koin Schnaps und nix zom Raucha. Noi, I han gar nix, bloß da Blues.“ Das schmeckt wie saure Kuttla, nach denen man sich sehnt in all der Sahne-Süßigkeit.

„Atme ein, atme aus, lass den Dingen ihren Lauf“

Richtig schriftdeutsch singt der 20-jährige Danny aus Backnang, und seine Haltung, seine Botschaft, ist auch nicht typisch schwäbisch: „Leben und leben lassen“, lautet sie. „Atme ein, atme aus, lass den Dingen ihren Lauf.“ Ein luftiges Butterhörnle, das ganz gut zwischenrein passt.

Der Nachmittag auf dem Kronenplatz wird etwas für Neugierige, die das Unbekannte, Neue und Originäre suchen. In dieser Hinsicht ist dieser Heimatsong-Wettbewerb eine herausragende Alternative zum SWR-Pop-Festival am Abend: Die Songs sind größtenteils noch nie gesendet worden. Ausnahme: Brozzo: Die Jungs aus Leutenbach waren ziemlich erfolgreich beim SWR auf Sendung und singen beim Wettbewerb am Samstag ihr Lied „Schwobaland“.

Der Profi Roland Bless ist sehr angetan von der Vorschau

Jedes Lied im Wettbewerb hat eine Haltung. Auch Lieder der traurigen Erinnerung an einen Menschen, der nicht mehr lebt. Michael Fiedler aus Mühlacker singt in Hochdeutsch von der Oma: „Du warst ‘ne stolze Frau, niemals arrogant“, und um die Melancholie auf die Spitze zu treiben, lässt er sich von einem Cellisten begleiten – sehr professionell.

Die derbere Art der Traurigkeit ist der Kneipentrost, den der Mann bei seinen Kumpels findet, wenn er auf dem Tiefpunkt ist: „Mir brauchet älle noch a paar Kumpel“, singt Tobias Hase aus Tübingen. Der Song hat das Zeug zum Festzelt-Kehraus – mal sehen, wie er am Samstagnachmittag bewertet wird von der Jury, in der immerhin Roland Bless sitzt, der frühere Schlagzeuger von Pur. Am Dienstag war er schon bei der Vorschau und gab ein erstes Gesamturteil ab: „Sehr gut. Ausdrucksstark!“


Noch mehr Musiker

Insgesamt 17 Songs und Sänger werden am Samstag zu hören sein. Die weiteren sind:

Marie und Fabi aus Höfen-Baach mit „Wir schrumpfen den Planeten ein“.

Friedel Kehrer von dr Alb ra mit „Schwäbisch isch scho sche“.

Michael Breitschopf aus der Heilbronner Gegend mit einem Lied auf Gonzo: „Wo du jetzt bist ...“

Des Duo aus Kirchheim mit „Mami“

„b human“ mit „Like a Human“.

„The Second Sight“ mit „A Place called Home“ – ein Flüchtlingslied.

Ruben Fritz mit „Per Anhalter ans Meer“.

Uwe Schäfer aus Wien mit „Monster“.

Rock’n Rollinger mit Schwabenhymne.