Winnenden

Heimattalk mit Cacau, Manne Lucha und OB Holzwarth

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Von Baklava und Kässpätzle_0
„Wo ist Heimat?“ war das Motto der Talkrunde am Montagabend in der Hermann-Schwab-Halle. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Cacau fühlt sich mittlerweile mit seiner Familie im Remstal heimisch.

Winnenden. „Sie hören es, ich habe einen kleinen Sprachfehler“, beginnt Manne Lucha mit rollendem „R“ in breitem Bayerisch sein Grußwort zum Heimattalk am Montagabend in der Hermann-Schwab-Halle. „Aber ohne meinen Migrationshintergrund wäre ich hier wahrscheinlich auch nicht Migrationsminister.“

Bereits nach diesen Worten ist klar: Der Minister für Soziales und Integration ist im Gespräch um die Frage „Wo ist Heimat?“ gut aufgelegt. Neben ihm sitzen der ehemalige Fußballer Cacau, OB Hartmut Holzwarth, der Geschäftsführer der Paulinenpflege, Andreas Maurer, und Rafid Taii von der Lernwerkstatt in der Runde. Theaterpädagogin Katharina Naumann zu Königsbrück führt durch den kurzweiligen Abend, den rund 300 Gäste aufmerksam in der Halle verfolgen.

Bevor die Talkteilnehmer über ihre persönliche Definition von Heimat diskutieren, läuft über eine große Leinwand noch ein Film der Stadtjugendmusik- und Kunstschule, der gemeinsam mit der Ludwig-Uhland-Gemeinschaftsschule in Schwaikheim entstanden ist. „Wo ist Tamieh“ lautete der Titel, wobei „Tamieh“ das Wort Heimat ergibt, wenn man es rückwärts liest.

Pfannkuchen, Fleisch, Gewürze, Brezeln und Malz

Oft verbindet man Heimat mit bestimmten Gerüchen, auch die Talkteilnehmer. So bedeutet für OB Holzwarth der Geruch von frischen Pfannkuchen Heimat, für Cacau ist es gebratenes Fleisch aus Brasilien, für Rafid Taii sind es Gewürze beim Kochen von Baklava und Kässpätzle und für Andreas Maurer der Duft von frischen Brezeln. Für Manne Lucha hingegen ist es der Geruch von Malz, der ihm im heimischen Ravensburg oft von einer nahe gelegenen Brauerei in die Nase steigt. „Ich bin ja auch Minister für Suchtprävention“, sagt er und bringt die Halle zum Lachen. „Dort, wo man respektiert wird, gibt es auch situative Heimat. Hoimelig ist es auch gerade hier“, erzählt Lucha.

Die Sprache als Schlüssel, um Heimat zu finden

Für Cacau war es eine Entwicklung, in Deutschland heimisch zu werden. Vor 20 Jahren kam der heute 38-Jährige aus Brasilien. „Es gab Höhen und Tiefen. Um auf den Film, der vorhin gezeigt wurde, zurückzukommen: Ich habe Tamieh gefunden. Meine Frau heißt Tamara, ihr Spitzname ist Tami. Wo sie ist, bin ich zu Hause“, erzählt der ehemalige Fußballer.

Andreas Maurer, der unter anderem seine Grundschulzeit in Indien verbrachte, verbindet Heimat mit keinem festen Ort. „Für mich hat Heimat viel mit Menschen zu tun. Heimat ist für mich dort, wo ich der sein kann, der ich bin.“ Im Ausland hat er erst gemerkt, wie deutsch er eigentlich ist. „Wenn man dann Menschen trifft, die einen trotzdem verstehen, entsteht Heimat.“ Doch was ist das Geheimrezept, um Heimat zu finden? Für Rafid Taii ganz klar die Sprache. „Darum habe ich mich von Anfang an gekümmert. Das war mein Schlüssel, um hier heimisch zu werden.“

Cacau, seit 2016 Integrationsbeauftragter des DFB, pflichtet ihm bei. „Ohne die Sprache zu lernen, ist es unmöglich, Heimat zu finden.“ Bereits wenige Tage nachdem er in Deutschland ankam, kaufte er sich ein Buch, um so schneller Deutsch zu sprechen. „Deutsch spricht man auch im Himmel“, meint Cacau. „Man braucht nämlich ewig, es zu lernen.“

Zum Schluss spricht ihn die Moderatorin noch auf die aktuellen Schlagzeilen beim DFB an, der nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel nach einem neuen Präsidenten sucht. „Was ich sagen kann, ist, dass ich nicht zur Verfügung stehe“, sagt Cacau und lacht.


Auftaktveranstaltung

Die Talkrunde war die Auftaktveranstaltung für die Heimatwoche, organisiert von der Stabsstelle für Integration. Die Woche steht unter dem Motto „get together“.

Vor und nach dem Talk spielte die Band Lakvar bulgarische und ungarische Musik und sorgte für eine tolle Stimmung in der Halle.

Manne Lucha: „Heimat ist eigen, konturlos, verschwimmt in Farben und Formen, vertrauter Raum, in dem wir laufen gelernt haben, Freunde, Essen, Feste, ein Paradies der Erinnerung. Heimat sind aber auch verbindliche Regeln, Demokratie, Freiheit, Wertschätzung und Gerechtigkeit. Heimat ist Verantwortung übernehmen, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft.“

Hartmut Holzwarth: „Ich wünsche mir, dass das Motto der Heimattage (Anm. d. Red.: „Miteinander.leben“) auch in Zukunft gilt.“

Cacau: „Früher dachte ich immer, dass ich wieder nach Brasilien gehe. Mittlerweile fühle ich mich durch meine Kinder und Freunde hier zu Hause. Das Remstal ist unsere Heimat.“

Rafid Taii: „Heimat ist, wo ich mich frei und sicher fühle. Heimat ist, wo ich Freunde habe.“

Am Mittwoch, 10. April, kann die Spielgruppe in der Albertviller Straße 18 bis 24 besucht werden. Besucher haben zwischen 14.30 und 15.45 Uhr die Möglichkeit, von den Mamas der Kinder afrikanische Zöpfchen geflochten zu bekommen.