Winnenden

Helfer aus Winnenden unterstützen Lebensretter in der Ukraine

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Die Freunde Florian Mack und Manuel Walker mit ihrem ukrainischen Kontaktmann Dennis Dmitrov (v.l.), einem Pastor, der bei Kiew die Evakuierung von Menschen organisiert. © privat

Nach stundenlanger Fahrt sind am Mittwochmorgen die Winnender Flüchtlingshelfer um den Unternehmer Manuel Walker (36) von ihrem ersten Ausflug an die polnische Grenze zur Ukraine nach Deutschland zurückgekehrt. Mit an Bord: Eine zwölfköpfige Familie, die ihre vom Krieg erschütterte Heimat verlassen musste. Die Winnender hatten in Ludwigsburg einen Mercedes-Sprinter gekauft und haben diesen nun an eine Gruppe Aktivisten rund um den jungen Pastor einer Jugendkirche übergeben. Diese evakuieren rund um Kiew eingekesselte Zivilisten und bringen sie zur Grenze. Wer die Aktionen über die Winnender Gruppe unterstützen will, hat unter www.remsrescue.de die Möglichkeit dazu

Geflüchtete Familien im Wald aufgesammelt und zur Grenze gebracht

„Die verrücktesten Storys“ hat Manuel Walker von seinen Kontaktleuten an der polnisch-ukrainischen Grenze erzählt bekommen. „Verrückt“ vor allem, weil sie so unvorstellbar klingen für alle, die vom Krieg bislang verschont geblieben sind.

Die Gruppe von Lebensrettern bei Kiew, die Walker und Co. unterstützen, wird koordiniert von einem jungen ukrainischen Pastor, Dennis Dmitrov. Normalerweise leitet er eine Jugendkirche bei Kiew, jetzt betreibt er ein Callcenter, an das sich eingekesselte Menschen wenden können. Sie werden dann aus den Kriegszonen evakuiert und zur Grenze gebracht.

Manuel Walker berichtet, die Fahrer, die für Dennis Dmitrov im Einsatz sind, hätten unter anderem schon eine Familie mit einer schwangeren Frau in einem Wald aufgesammelt. In diesen Wald waren die verzweifelten Menschen vor den Bomben geflohen und hatten sich danach nicht mehr herausgetraut. Dennis’ Fahrer brachten sie zur Grenze. So machen sie es auch mit anderen Familien, die zum Beispiel in Bunkern festsitzen ohne sichere Fluchtmöglichkeit. „Unter lebensgefährlichen Umständen“, wie Manuel Walker berichtet, laufen die Einsätze ab, „das sind Helden“.

Manuel Walker: "Wir wollen ganz gezielt helfen"

Diese Helden zu unterstützen, ist die Mission seiner Gruppe: „Wir wollen ganz gezielt helfen, indem wir Dennis bei seiner Arbeit supporten, ihm Autos zur Verfügung stellen, damit die da ganz schnell die Leute rausbringen. Das ist so eine Hammer-Arbeit: Menschen, die eingekesselt sind, werden teilweise unter Beschuss und unter Einsatz des eigenen Lebens gerettet. Das ist wirklich beeindruckend.“ Seit diesem Wochenende steht diesen Helden für ihre Missionen ein Wagen mehr zur Verfügung: ein Mercedes Sprinter, den der Winnender Manuel Walker, das Ehepaar Stefanie und Andreas Kominek aus Hertmannsweiler und weitere Freunde aus der Region am vergangenen Freitagvormittag spontan in Ludwigsburg gekauft haben.

Die Spenden dafür hatten sie in kürzester Zeit zusammen bekommen und die Frau auf der Zulassungsstelle im Landratsamt Rems-Murr hatte extra Überstunden gemacht, um das Auto noch kurzfristig zuzulassen. Mit mehren Kleinbussen machten sich Manuel Walker und einige Mitstreiter dann auf den Weg zum Grenzübergang Budomierz im Osten Polens, fast 1300 Straßenkilometer von Winnenden entfernt.

Sprinter und Spenden an den Kontaktmann übergeben

Nach einer Panne bei Pilsen und Verzögerungen durch die notwendigen Reparaturarbeiten, trafen sie bei Budomierz auf Pastor Dennis Dmitrov, der die fast 500 Kilometer aus Schytomyr (eine Großstadt, rund zweieinhalb Stunden entfernt von Kiew) zur Grenze zurückgelegt hatte. Sie übergaben den Sprinter und Spenden, die sie mitgebracht hatten und die vor Ort dort gerade dringend gebraucht werden: Campinglaternen mit Akku, Schlafsäcke, Bandagen, Taschenlampen, Walkie-Talkies, medizinische Erste-Hilfe-Sets zum Beispiel.

Auf die Rückfahrt nahmen sie eine Großfamilie mit: zwölf Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen, ihre Heimat zurücklassen. Die deutschen Helfer haben sei nach dem Grenzübertritt in Absprache mit den Behörden in Sachsen in eine Flüchtlingsannahmestelle gebracht.

Homepage freigeschaltet: Wer unterstützen will, hat die Möglichkeit

Am Mittwoch kamen Manuel Walker und Co. wieder zuhause an. Sie wollen von hier aus weiterhin die Arbeit der Helfer um Pastor Dennis Dmitrov und seine Gemeinde unterstützen und möglichst viele eingekesselte Menschen aus den Kriegsgebieten retten.

In der Nähe der Grenze zur Ukraine haben sie dafür extra für die nächsten zwei Wochen eine Unterkunft angemietet, die auf der nächsten Fahrt von den Helfern und Geflüchteten genutzt werden kann. Eine Medizinstudentin aus dem Umfeld des Pastors, die hervorragend englisch und ukrainisch spricht, hilft vor Ort bei der Verständigung.

Für alle, die mithelfen wollen, haben die Winnender jetzt eine Homepage freigeschaltet: Unter www.remsrescue.de finden Freiwillige Unterstützungsmöglichkeiten, können Wohnraum oder ein Fahrzeug bereitstellen, sich selbst als Fahrer anbieten oder Geld bzw. Hilfsmittel spenden. Ein zweites Fahrzeug für die Rettung von Zivilisten in der Ukraine ist bereits gekauft, aber noch nicht vollständig finanziert.

Nach stundenlanger Fahrt sind am Mittwochmorgen die Winnender Flüchtlingshelfer um den Unternehmer Manuel Walker (36) von ihrem ersten Ausflug an die polnische Grenze zur Ukraine nach Deutschland zurückgekehrt. Mit an Bord: Eine zwölfköpfige Familie, die ihre vom Krieg erschütterte Heimat verlassen musste. Die Winnender hatten in Ludwigsburg einen Mercedes-Sprinter gekauft und haben diesen nun an eine Gruppe Aktivisten rund um den jungen Pastor einer Jugendkirche übergeben. Diese evakuieren

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