Winnenden

Hier entsteht das größte Baugebiet im Kreis

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Im neuen Baugebiet Adelsbach entsteht Wohnraum für etwa 650 Einwohner. © Ramona Adolf
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Blick in die künftige Adelsbachstraße: Das querliegende Rohr ist die alte Wasserleitung zum Hungerberg. Zwei Meter tiefer kommen Kanäle rein.
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Die Anwohner haben vor allem zwei Sorgen: Parkplätze und Baulärm.

Winnenden. In einer fünf Meter tiefen Grube versenkt die Baufirma Klöpfer Abwasserrohre. Weiter oben quert ein dickes Rohr den Graben, es ist die alte Wasserleitung zwischen Hertmannsweiler und Hungerberg. Es muss vorsichtig um sie herumgebuddelt werden.

Das Wohngebiet "Adelsbach" ist das größte Baugebiet, das derzeit im Kreis entsteht. Normalerweise hat ein neues Wohngebiet vielleicht vier, höchstens sechs Hektar. Dieses kommt auf 8,8, also 88 000 Quadratmeter. Von daher ist es sportlich, die Erschließungszeit auf 16 Monate zu veranschlagen. „Wir hatten bisher mehr Glück als Verstand“, sagt Thomas Bolz über das langanhaltend trockene Wetter. Sein Ingenieurbüro Bolz und Palmer plant die Erschließung. Philipp Klöpfer von der Baufirma bestätigt: Hätte es längere Regenperioden gegeben, wäre die Erschließung des Wohnbaugebiets Adelsbach noch längst nicht so weit fortgeschritten.

20 Mitarbeiter der Firma Klöpfer arbeiten in mehreren Staffeln auf dem Gelände. „Obwohl sie den ganzen Tag bei dieser Hitze arbeiten müssen, sind sie immer freundlich und höflich“, so eine Anwohnerin. Als es temperaturtechnisch ganz schlimm war, fing die Mannschaft vor 7 Uhr an, erzählt Klöpfer. „Doch dafür braucht man eine Sondergenehmigung, die wir nicht hatten.“ Als sich Nachbarn beschwerten, war Schluss mit dieser Anti-Hitze-Idee.

Warum der gleiche Graben mehrmals aufgebuddelt wird

„Es wird uns von Laien auch oft vorgeworfen, dass wir alles, was zugeschüttet ist, wieder und wieder aufgraben“, erläutert Thomas Bolz. „Aber anders geht es nicht, das ist schon durchdacht!“ Erst werden die Abwasserleitungen in 3,5 bis fünf Metern Tiefe verlegt, und zwar farblich getrennt nach Regenwasser (hellblau) und Schmutzwasser aus der Toilette (braun). Ist ein Strang fertig, fängt der Bauarbeiter wieder vorne an: Wasserleitungen, Gas- und Fernwärmeleitungen liegen in 1,50 bis 1,70 Metern Tiefe. Die Stromleitungen werden zum Schluss etwa 80 Zentimeter tief vergraben.

Mit Rohren, die nur 30 Zentimeter Querschnitt haben, soll das Abwasser in dem großen Gebiet abgelietet werden. Bauingenieurin Jacqueline Deuber beruft sich hierbei auf entsprechende Berechnungen und langjährige Erfahrungen. Der Clou ist ja, dass Regenwasser, das mengenmäßige Hauptproblem, und das Schmutzwasser, das in der Menge berechenbar von den Haushalten kommt, getrennt abgeleitet werden. Viel Grünfläche wird ins Gebiet integriert und sowohl als Versickerungszone für Regenwasser als auch Spazierweg-Idyll dienen. „Das Regenwasser führen wir in den Rotbachgraben, der so umgestaltet wird, dass er ein hundertjähriges Hochwasser aufnehmen kann“, so Thomas Bolz.

Keine Baupflicht für die 26 Grundstücksbesitzer

Für die 26 Grundstücksbesitzer gibt es keine Baupflicht. Dies ist nicht der Fall, weil die ehemaligen schmalen Ackergrundstücke in einem amtlichen Umlegungsverfahren in Bauland verwandelt wurden. „Anders ist es, wenn die Stadt ein Grundstück verkauft. Dann kann sie in den Vertrag schreiben, bis wann es bebaut werden muss, sonst fällt es an die Stadt zurück“, so Stadtentwicklungsamtsleiter Markus Schlecht.


Mit 80 Ackerbesitzern verhandelt

Die Erschließung des Wohngebiets Adelsbach dauert voraussichtlich bis Herbst 2019. Wenn sie abgeschlossen ist, kann der Wohnhausbau beginnen.

Erschließung bedeutet Tiefbau: Im Erdreich werden alle wichtigen Versorgungsleitungen gelegt. Zum Schluss werden die Straßen asphaltiert und die Straßenlaternen aufgestellt. Als Erstes wurde jedoch am vergangenen Freitag der Kreisverkehr Adelsbach fertig. Über ihn kann nun der Baustellenverkehr rollen.

Am 22. Mai begann die Firma Klöpfer, den wertvollen Oberboden abzutragen und ins Flurbereinigungsgebiet nach Rettersburg zu fahren – eine Anordnung des Landratsamts. Hätte es länger geregnet, hätten die Zugmaschinen nicht mehr auf das sumpfige Gelände fahren können, um den Boden dort dünn auszubringen.

Vier Jahre lang hat der bisherige Stadtentwicklungsamtsleiter Lothar Bachmann mit 80 Grundstückseigentümern die Umlegung verhandelt. Wer wollte, konnte sich einen Bauplatz zuteilen lassen. Zwei Drittel der Grundstücke sind im Besitz von Bauträgern, ein Drittel gehört Privatleuten. Die Erschließungskosten werden auf die 26 Eigentümer umgelegt. Pro Quadratmeter Bauplatz um die 170 Euro.


Anwohnersorgen: Reichen Parkplätze?

Werden die Parkplätze ausreichen? Warum bekommt das Altersheim keine Tiefgarage? „Für Mitarbeiter und Besucher wird die Bauherrin, die Evangelische Heimstiftung, die erforderlichen Stellplätze auf ihrem Gelände unterbringen. Und es gibt rund 70 öffentliche Stellplätze im Gebiet“, sagte Stadtentwicklungsamtsleiter Markus Schlecht. Was für ein Wohngebiet mit rund 650 Einwohnern und den vorgeschriebenen Privatstellplätzen reichen müsste.

Wie lange werden wir Baulärm vor der Haustür haben? „Wenn die Erschließung abgeschlossen ist, wollen die Bauträger und manche Privateigentümer so schnell wie möglich bauen“, weiß Hans Eisele von der Stadtentwicklungsgesellschaft Steg, dem Erschließungsträger. Geht es extrem schnell, haben die Anwohner im Winter 2020 neue Nachbarn, ansonsten erst in drei Jahren. Bis das ganze Gebiet bebaut sei, dauert es Markus Schlechts Erfahrung nach fünf Jahre nach Erschließungsende. „Und dann bleiben immer noch ein paar Grundstücke für die Enkel frei.“