Winnenden

Hobbygärtner Rolf Bauer aus Winnenden: Der Herr des Blütenmeers

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Rolf Bauer in seinem Garten. © Gabriel Habermann

Grün ist seine Lieblingsfarbe. Auch wenn sein Garten derzeit anderes vermuten lässt: Denn dort sprießt es aus jeder Ecke pink, rosarot und magenta in den verschiedensten Nuancen. „Grad blühen eben viele mit dieser Farbe zusammen auf“, sagt der Herr des Blütenmeers: der Hobbygärtner Rolf Bauer.

Mitten im Verkehrsbrausen liegt die „Winnender Mainau“ – so nennen Nachbarn und Bekannte den Garten von Rolf Bauer. Den Vergleich mit der Bodenseeinsel braucht sein „grüner Bereich“ nicht zu scheuen. „Bei mir blüht es das ganze Jahr“, sagt der 86-Jährige voller Freude. Seine ruhige Stimme und der beseelte Blick sagen noch viel mehr: „Im Garten bin ich zufrieden.“

Rolf Bauer züchtet Topfpflanzen, die er später verschenkt

Der Anblick macht auch anderen eine Freude. „Bei Ihnen riecht es immer so angenehm“, sagen Vorbeigehende zu ihm, die seine Phloxstauden bewundern und die zartrosa Blüten beschnuppern. In einer kleinen Laube, in der der Rentner morgens geschützt gegen die Sonne die Zeitung liest, fallen die Bleistiftsträuche ins Auge, die mit ihren Trieben zu den Exoten seiner „Insel Mainau“ zählen. Die einzigen nicht winterharten Pflanzen, die er nach der Kalten Sophie rausstelle und im Herbst wieder reinhole. Die Stammpflanze habe er von einem Urlaub aus Fuerteventura mitgebracht. „Ich mache jedes Jahr Stecklinge und züchte daraus neue Topfpflanzen, die ich dann immer verschenke.“

Täglich mit Schere und Eimer im Garten unterwegs

An einer Hausecke vor einem Topf mit trichterförmigen Blüten bleibt er stehen: Dipladenia heißt die Kübelpflanze. Er spricht von „meiner Dia“ und blickt verzückt über die himbeerfarbenen Blüten. Ein genügsames Gewächs. „Ab und zu zurückschneiden, mehr braucht’s nicht.“ So handhabt er es auch mit Mohn, Dahlien, Kletterrosen und der fetten Henne, die ihn mit üppigem Wachstum beschenken. Täglich habe er die Schere in der Tasche und den Eimer in der Hand. Stellen, an denen Verblühtes oder vertrocknete Blätter rausmüssen, könne er immer finden, doch er übertreibt es nicht: „I lass’ mei Sach’ wachsen, so wie’s die Natur gibt.“

Ohne groß einzugreifen, hat er eine Pracht geschaffen, für die er von vielen Hobbygärtnern bewundert wird. Er habe es auch in diesem trockenen Sommer bei einer maßvollen „Schnippelei“ belassen. Und natürlich: gießen, gießen, gießen.

Der 86-Jährige weiß, welche Pflanze sich wo wohlfühlt

Die älteste Pflanze ist eine 55 Jahre alte stattliche Magnolie mit einem „schönen runden Auswuchs“. Nicht nur er kommt beim Anblick des üppigen grünen Blätterdachs ins Schwärmen. „Wenn die blüht, bleiben die Leute stehen und fotografieren.“ Bis vor zehn Jahren habe er selbst auf der Leiter gestanden, um den Wachstumsdrang in Schach zu halten, inzwischen hat er einen Gärtner beauftragt. Der habe dem Ziergehölz vor acht Jahren einen radikalen „Kurzhaarschnitt“ verpasst. „Dadurch ist sie noch mal richtig aufgegangen.“ In den nächsten Jahren soll die Säge aber ruhen. Es sei denn, der Fachmann rät dazu, das Frühlingsblühwunder mit den tropisch anmutenden handtellergroßen Blüten kleiner zu machen.

Rolf Bauer verdankt sein Wissen der Erfahrung. 1966 ist der gelernte Maler mit seiner Familie eingezogen. Seitdem hat er „aus dem Gefühl heraus“ den Garten zu dem Refugium gemacht, das er heute ist. Er wisse einfach, in welchem Eck es den Pflänzlein gefällt. Beispiel Lampion: „Der mag Morgensonne und nachmittags den Schatten, so verbrennt er nicht.“

Der Garten ersetzt Reha und Urlaub

Gefühlt mehrere Hundert Zwiebeln und Samen muss er gesetzt haben. „Ich hab’ sie noch nie gezählt“, sagt er mit gütigem Lächeln, das ihn nie zu verlassen scheint, wenn er durch seine „Mainau“ streift. Diesen selbst geschaffenen Ruhepol zu haben, der mit ihm gewachsen ist, das war schon vor der Rente seine Erholung, als er noch als Ausbilder für die Paulinenpflege Lehrlinge bis zur Abschlussprüfung unterrichtet hat. „Wenn ich abends in den Garten konnte, war der ganze Stress vom Tag weg.“

Der Garten, davon ist er überzeugt, habe ihm auch nach einem Krankenhausaufenthalt im Januar wieder neue Kraft gegeben. Mehrere Wochen sei er in der Intensivstation ans Bett gefesselt gewesen. „Ich fürchtete schon, dass ich meinen Garten nicht mehr habe“, sagt er.

Heute erfreue er sich wieder bester Gesundheit, ganz ohne Reha-Aufenthalt. Zu einer Ärztin habe er gesagt: „Ich brauche keine Reha und keinen Urlaub, solange ich meinen Garten habe.“

Grün ist seine Lieblingsfarbe. Auch wenn sein Garten derzeit anderes vermuten lässt: Denn dort sprießt es aus jeder Ecke pink, rosarot und magenta in den verschiedensten Nuancen. „Grad blühen eben viele mit dieser Farbe zusammen auf“, sagt der Herr des Blütenmeers: der Hobbygärtner Rolf Bauer.

Mitten im Verkehrsbrausen liegt die „Winnender Mainau“ – so nennen Nachbarn und Bekannte den Garten von Rolf Bauer. Den Vergleich mit der Bodenseeinsel braucht sein „grüner Bereich“ nicht zu

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