Winnenden

Hohe Telekom-Tarife, aufdringliche Werber - was sagen Verbraucherschützer?

Telekom Glasfaser
Die Telekom umwirbt mit verschiedenen Mitteln die potenzielle Kundschaft. © Gabriel Habermann

Wenn die Telekom-Werber innerhalb von zwei Wochen dreimal klingeln, keinerlei schriftliche Unterlagen über verschiedene Tarifoptionen vorlegen können, sondern Vertrags-Unterschriften gleich in ihr Handy eingeben wollen, ist für so manchen Winnender Schluss mit lustig. Das massive Auftreten verfängt bei einem 58-Jährigen nicht: „Ich bleibe bei meinem Vodafone-Anschluss übers Kabelnetz, der mir ebenfalls stabile 1000 Megabit pro Sekunde Internetgeschwindigkeit liefert, aber nur die Hälfte des Telekompreises im Monat kostet“, sagt der Bewohner eines Mehrfamilienhauses im Hungerberg-Wohngebiet.

Knapp 40 Euro zahlt er statt knapp 80 Euro bei der Telekom, da kommt am Jahresende das hübsche Sümmchen von 480 Euro haben oder nicht haben heraus. Daher will der 58-Jährige nicht weg vom Kabel, er hat für den günstigeren Preis eine nicht zu beanstandende Leistung: „1000 Mbit sind 1000 Mbit – das ist doch wie auf der B 14: Ich kann dort mit 120 unterwegs sein, egal ob ich einen Porsche oder einen Opel Corsa fahre.“

Der Köder: Kostenloser Anschluss

Die Telekom versucht seit dem Sommer und noch bis zum 1. Dezember, Hausbesitzer mit dem kostenlosen Hausanschluss zu ködern. „Viele Hausgemeinschaften sind in heller Aufregung, weil das Angebot bald endet“, weiß der Winnender. Das brauchen sie aber eigentlich gar nicht zu sein. Denn einen kostenlosen Hausanschluss gibt es nur für den Eigentümer und nur für die Häuser, in denen alle Parteien zwei Jahre lang Kunde werden. Haben die Werber deshalb dreimal beim Telekom-Verweigerer geklingelt? Es ist zu vermuten, intern kommuniziert wurde dergleichen aber nicht. Nach Informationen unserer Zeitung wird vom Glasfaserversorger die Verkabelung innerhalb des Hauses bis in die Wohnung hinein extra berechnet. Auch darauf sollten sich Kunden gefasst machen, die mit einem Glasfaseranschluss liebäugeln.

Verbraucherzentrale: Es gibt Unterschiede

Wie beurteilt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg das Telekom-Gebaren? Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet, Verbraucherrecht, versteht die Irritation bei einem Preisunterschied von 100 Prozent. „Wir prüfen die Preisgestaltung allerdings nicht, die obliegt in der freien Marktwirtschaft den einzelnen Unternehmen.“

Wer einen Preis-Leistungs-Vergleich haben möchte, dem empfiehlt Oliver Buttler, auf entsprechende Artikel in Zeitschriften wie „Connect“, „CT“, „Chip“ oder auch „Computer Bild“ zu achten. Buttler kann sich vorstellen, dass verschiedene strategische Erwägungen in den Preis bei der Telekom geflossen sind, allen voran die Schaffung neuer Leitungen, die in Winnenden voraussichtlich bis Ende 2024 dauert. Der höhere Preis muss unter anderem auch den kostenlosen Hausanschluss (Wert laut Telekom-Anzeige rund 800 Euro) gegenfinanzieren.

Schwankende Leistung beim Kupferkabel

Und kann man sagen, was technisch am besten ist, die Leitungen vom Kabelfernsehen, das bestehende Telefonkupferkabel oder Glasfaser? Unser Winnender ist mit der Kabelleitung hochzufrieden, das maximal verfügbare Internet laufe hervorragend.

Oliver Buttler vergleicht etwas anderes, den alten Telefonstandard mit Glasfaser: „Noch kann der alte Kupferkabel-Standard, technisch hochgeswitched, gleich schnell wie Glasfaser sein. Aber je mehr Leute eines Haushalts oder eines Mehrfamilienhauses im Internet sind, desto eher schwankt die Leistung oder bricht sogar die Leitung zusammen“, sagt er. „Glasfaser bietet auf die Zukunft gesehen nach oben noch viel mehr Luft.“

Wahl des Anbieters ist frei

Aber muss es dann unbedingt die Telekom sein? Nein. Zwar schneide die Telekom mit ihrem Glasfaserangebot bei Tests wie von der Zeitschrift „Chip“ in puncto Netzabdeckung und Service „immer am besten ab“, so Buttler. „Aber wenn ein und derselbe Glasfaseranschluss von allen im Haus genutzt wird, dann ist es egal, bei welchem Anbieter die Kunden unter Vertrag sind.“

Oliver Buttler rät den Winnendern, bei denen die Werber klingeln, zu einer gesunden Skepsis, „wir haben schon viele Fälle auf den Tisch bekommen, da haben Werber das Blaue vom Himmel versprochen“. Auch Vodafone und Unity Media haben solche Direktvermarkter beauftragt. „Manche behaupten, sie bräuchten nur eine Unterschrift als Beleg, dass der Werber da war. Die Leute unterschreiben aber einen Vertrag. Oder es wird gefordert: ,Bestätigen Sie die Umstellung, sonst haben Sie kein Internet mehr.’“ Laut Oliver Buttler Humbug, genauso wie der Versuch, in die Wohnung zu kommen, um einen Anschluss zu prüfen. „Zeigen Sie solche Leute wegen Betrugs an oder beschweren Sie sich bei der Bundesnetzagentur.“

Telekom: Unsere Werber sind erkennbar

Wir haben auch die Telekom-Pressestelle um Stellungnahme gebeten. Katja Kunicke antwortet, dass das „völlig neu errichtete Netz auf dem neuesten Stand der Technik und zukunftssicher für künftige Entwicklungen“ sei, „daher halten wir unsere Tarife und Aktionsangebote für marktgerecht“.

In Mehrfamilienhäusern müsse die Eigentümergemeinschaft das Legen eines Glasfaseranschlusses gestatten. „Dabei ist es unerheblich, ob zunächst ein Kunde oder alle Parteien einen Glasfaseranschluss für ihre Wohnung beauftragen.“ Zudem kann das von der Telekom gebaute Glasfasernetz von anderen Anbietern für ihre Kunden genutzt werden. Diese Anbieter bezahlen an die Telekom eine Gebühr.

Was die Werber, die Telekom-Sprecherin nennt sie Direktvermarkter, anbelangt, seien diese klar an Kleidung und Ausweis erkennbar und an den Original-Telekom-Unterlagen, die sie dabeihätten. Und: „Sie betreten Wohnungen nur, wenn sie dazu eingeladen werden.“

Wenn es vor Ort zu einem Vertragsabschluss komme, ruft die Telekom die Kunden innerhalb von 24 Stunden an, um die Produktinformationen noch einmal zu bestätigen. „Bei diesem Anruf können die Kunden auch von ihrem Recht auf Widerruf Gebrauch machen. So ist gewährleistet, dass Kunden eine womöglich vorschnell geleistete Unterschrift nachträglich und ohne Risiko zurückziehen können.“

Den Hinweis unserer Zeitung auf Mehrfachbesuche gibt Katja Kunicke an den Vertriebspartner weiter.

Wenn die Telekom-Werber innerhalb von zwei Wochen dreimal klingeln, keinerlei schriftliche Unterlagen über verschiedene Tarifoptionen vorlegen können, sondern Vertrags-Unterschriften gleich in ihr Handy eingeben wollen, ist für so manchen Winnender Schluss mit lustig. Das massive Auftreten verfängt bei einem 58-Jährigen nicht: „Ich bleibe bei meinem Vodafone-Anschluss übers Kabelnetz, der mir ebenfalls stabile 1000 Megabit pro Sekunde Internetgeschwindigkeit liefert, aber nur die Hälfte des

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