Winnenden

Holzwarth kandidiert für zweite Amtszeit

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Hartmut Holzwarth: „Mich fasziniert die Bereitschaft der Bevölkerung, an ganz vielen Stellen im Ehrenamt mitzuarbeiten.“ © Benjamin Büttner

Winnenden. Zwei Tage nach der Bundestagswahl denkt Hartmut Holzwarth an die nächste Wahl: die des Oberbürgermeisters am 21. Januar in Winnenden. Holzwarth wird wieder kandidieren, und er sagt im Gespräch mit der Presse: „Der Zusammenhalt wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre.“

Bundesweit hat das etwas mit dem Erstarken der AfD und der Flüchtlingsfrage zu tun. In Winnenden selbst gab es in den letzten Jahren andere Themen, welche die Bürgerschaft an Zerreißproben führten: die Marktbrunnenfigur zum Beispiel, die letztlich bei einigen immer noch Unzufriedenheit hinterlässt, bei der die Stadt aber wieder einen Frieden gefunden hat. Der Konflikt um die Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule war die jüngste Auseinandersetzung, die sehr heftig geführt wurde, die immer noch den Betroffenen wehtut, die aber auch den Zusammenhalt in der Stadt nicht aus den Fugen riss.

„Was gar nicht geht, ist Everybodys Darling sein zu wollen“

Konfliktbewältigung hatten OB Holzwarth und viele Gemeinderäte auch zu betreiben beim Bau und den geplanten Standorten von Flüchtlingswohnheimen und Gebäuden für Soziales Wohnen. „Da muss man erklären. Da muss man Überzeugungsarbeit leisten. Aber was gar nicht geht, das ist Everybodys Darling sein zu wollen.“ Das ist schlicht unmöglich. Holzwarth ist einer, der viel mit Bürgern spricht, viele Argumente austauscht, unterschiedlichen Meinungen erst einmal Raum lässt. Seine Sprechstunde ist gut besucht, und er selbst empfindet die meisten Gespräche als konstruktiv. Holzwarth sucht immer nach Gemeinsamkeiten, nach Kompromissen und nach demokratischen Mehrheiten. „Aber es gibt auch Entscheidungen, da kann man nur links oder rechts entscheiden, da ist kein Kompromiss, sondern nur das eine oder das andere möglich.“ Das war so bei der Brunnenfigur, und bei der Gemeinschaftsschule auch. „Am Ende des demokratischen Prozesses müssen Entscheidungen getroffen werden, auch wenn nicht alle zufrieden sein können“, sagt Holzwarth, „es kommt vor, dass es Minderheiten gibt, die nicht das bekommen, was sie wollen.“

Nicht jedes Projekt läuft so reibungslos wie die dritte Sporthalle

Es wird die Aufgabe des Oberbürgermeisters der nächsten acht Jahre sein, Argumente zu hören, Mehrheitsbeschlüsse herbeizuführen und sie dann überzeugend zu vertreten. Holzwarth möchte die Aufgabe erneut annehmen und weiterführen. Nicht jedes Vorhaben, nicht jedes neue Projekt geht so reibungslos durch wie die Alfred-Kärcher-Sporthalle, das erste große Neubauprojekt, das in die erste Amtszeit von Hartmut Holzwarth fiel. Die Konflikte und Zerreißproben davor hatten seine Vorgänger zu bewältigen, selbst den Beschluss, die Sporthalle vorzusehen, hatte noch der Vorgänger herbeigeführt. Das räumt Holzwarth ein. Er war damals OB-Kandidat im Wahlkampf und hatte durch seine Äußerungen dazu beigetragen, dem Anliegen Schwung zu geben „Das nehme ich schon für mich in Anspruch.“

Sanierung des Lessing-Gymnasiums kostet 10 Millionen Euro

Richtig groß hätte das Projekt Robert-Boehringer-Gemeinschaftsschule werden können. Der Entwurf für den Neubau war schon fertig, hohe Planungskosten schon angefallen, da gaben OB und Gemeinderat den Schulneubau auf. Heute sagt Holzwarth: „Der Schulbau hätte die Stadt überfordert.“ Hätte er das als Oberbürgermeister nicht von vornherein erkennen müssen? Hätte er nicht sehen müssen, dass die Stadt an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gelangt? „Das konnte man nicht absehen“, ist er sicher. Die Stadt brauche jetzt Millionenbeträge für ihre Schulgebäude. Das Georg-Büchner-Gymnasium werde in wenigen Wochen komplett saniert sein. Beim Lessing-Gymnasium rechnet Holzwarth mittlerweile mit einem Sanierungsbedarf in Höhe von 10 Millionen Euro. Die Kastenschule wird saniert und zur Ganztagsschule umgebaut, was 3 Millionen Euro kostet. Vier neue Kindergärten hat die Stadt gebaut und weitere werden nötig im Adelsbach und im Burgeräcker. „Erst im Laufe der Zeit, wenn die Projekte sich konkretisieren, erkennt man den Finanzbedarf.“ Auch in der Kommunalpolitik kommt eben manches anders, als man denkt. Holzwarth drückt es optimistisch aus: „Wir müssen immer neu reagieren und neue Herausforderungen annehmen.“

Holzwarth hält Winnenden für eine Mitmach-Stadt

Seit 2015 ist die Integration der Flüchtlinge die große Herausforderung. Holzwarth hatte die Aufgabe schnell angenommen, hatte eine seine besten Kräften, die damalige Wirtschaftsförderin Franka Zanek, mit der Flüchtlingsarbeit beauftragt, und sie baute sehr viel auf, gab insbesondere den vielen Ehrenamtlichen, die plötzlich eine ganz große Aufgabe vor sich hatten, den Rückhalt der Stadtverwaltung. Winnenden sieht er als Mitmach-Stadt. „Mich fasziniert die Bereitschaft der Bevölkerung, an ganz vielen Stellen im Ehrenamt mitzuarbeiten.“ Vieles, was das heutige Winnenden ausmacht, kommt aus der Bevölkerung selbst, aus ehrenamtlichen Initiativen: der Sportpark 1848, der Kunsttreff am Marktbrunnen, die Bäder in Höfen und Bürg und vieles mehr. Holzwarth zählt gerne und lange auf. Es scheint, als würden ihn diese Initiativen motivieren, sein Amt fortzuführen.

Er wird kandidieren im Januar. Und wenn die Bürger ihn wählen, wird er als Nächstes das Wohngebiet Adelsbach weiterführen und im Jahr 2019 dann endlich auch den Rückbau der alten B 14 in der Stadt angehen.

„Meine Frau managt den Familienalltag“

Eine Kandidatur ist eine ganz persönliche Sache und eine Angelegenheit der ganzen Familie. „Unsere Familie fühlt sich in Winnenden sehr wohl. Wir haben ein Reihenhaus mitten in der Stadt gefunden. Unsere zwei Söhne gehen aufs Gymnasium, unsere Tochter in den Kindergarten. Meine Frau managt den Familienalltag, so dass ich ziemlich ganz für die Stadt da sein kann.“ Wie ist Holzwarths weiterer Lebensplan? Weitere acht Jahre OB von Winnenden? „Es spricht aus meiner Sicht überhaupt nichts dagegen, die Aufgabe fortzusetzen ... Ich spreche jetzt für die nächste Amtsperiode.“ Was kommt danach? Prognosen sind schwierig. „Ich bin jetzt 48 Jahre alt und werde dann 57 Jahre alt sein. Ich glaube nicht, dass ich dann in Ruhestand gehen werde.“ Das hatte auch niemand erwartet. Aber richtet sich sein Blick vielleicht auf ein anderes Amt? „Ich kann mir vorstellen, dieses Amt in Winnenden auch dann noch fortzuführen. Aber Voraussetzung ist, dass die Bürger sich das auch vorstellen können.“


Die OB-Wahl

Winnenden wird am Sonntag, 21. Januar 2018, einen Oberbürgermeister wählen. Sollte an diesem Tag kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen, wäre der zweite Wahlgang am Sonntag, 11. Februar.

Am Sonntag, 14. Januar, ist der Neujahrsempfang der Stadt Winnenden, bei dem der amtierende und wieder kandidierende Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth aus Rücksicht auf den Wahlkampf keine große Rede halten wird. Dafür wird der Politikprofessor Herfried Münkler einen Vortrag halten.

Am 27. Dezember ist Bewerbungsschluss für die OB-Wahl.

Am 27. Oktober wird die Oberbürgermeisterstelle öffentlich ausgeschrieben.