Winnenden

Im Akropolis ist der Gast König und auch Kumpel

Mittagstisch-Serie Restaurant Akropolis
Das Akropolis befindet sich im Gewerbegebiet zwischen Lidl und Schief. © ALEXANDRA PALMIZI

Junge, Junge, das ist ein üppiges Essen: ein zartes Stück Schweinerücken, ein Fleischspieß, ebenfalls vom Grill, darunter kross gebratenes, gut gewürztes Gyros, Tsatsiki und Pommes. In fünf Minuten schaffe ich es mit dem Auto vom Restaurant Akropolis an der Max-Eyth-Straße zur Redaktion, wo ich testesse und mich freue, dass alles in der Styropor-Schale noch warm ist und dass der Salat ebenfalls würzig angemacht und ganz frisch ist.

Wir schreiben Freitag, den fünften Tag des Teil-Lockdowns, in dem Gaststätten zwar Essen kochen, es aber nur liefern oder abholen lassen dürfen. Eine traurige, eine frustrierende, eine weder betriebswirtschaftlich noch vom Berufsethos her befriedigende Situation für die Gastronomen. Auch nicht fürNikolaouNikolaos (48), der üblicherweise mit seinen Gästen im Akropolis einen kumpelhaften, herzlichen Umgang pflegt, der auf Sauberkeit in Lokal und Küche und Schnelligkeit beim Zubereiten und Servieren achtet. Egal, wie groß eine Weihnachtsfeiergruppe war, kein Problem, dass jeder etwas anderes bestellt hat: Im Akropolis bekommen alle ihr Essen gleichzeitig, das ist der sportliche Ehrgeiz hier im Laden. Doch als die Politik nun wieder die Virus-Verbreitungsbremse gezogen hat, scheint der schlanke, fröhliche Mann seines üblichen Elans beraubt zu sein.

Geboren in Kaufbeuren, aufgewachsen in Trikala

Am späten Vormittag haben wir also Zeit zu reden, das Telefon klingelt in der Stunde nur einmal. „Ich bin in Kaufbeuren geboren“, sagt Nikolaos lächelnd. „Meine Eltern gingen dann aber wieder nach Griechenland, wo ich in Trikala auf dem Festland, in der Nähe des Meteora-Klosters, aufgewachsen bin“, sagt der 48-Jährige. Mit 16 Jahren jedoch zog es wieder nach Deutschland. „Es war Mode damals, weg von zu Hause, eigenes Geld verdienen. Wir Kinder dachten ganz anders als die heutigen.“ Er weiß, wovon er spricht, er ist Vater von drei Kindern, 23, 20 und 13 Jahre alt. Nikolaos stieg bei Verwandten in der Gastronomie ein, in Pforzheim.

Wichtig für einen griechische Wirt: Hygiene, Qualität, Ouzoverträglichkeit

Er lernte Koch, machte aber nie einen Abschluss, dafür, gesteht er ein, sei er zu faul gewesen. Gleichwohl kennt er sich bestens aus: „Die Hygiene ist ganz wichtig. Die Qualität muss passen. Du musst als griechischer Wirt Ouzo trinken können. Und: Der Gast ist König.“ Damit er wiederkommt, hat sich Nikolaos etwas Besonderes überlegt: Zum Abschied gibt’s einen 5-Euro-Gutschein für den nächsten Besuch.

Doch zurück zur Biografie vom Boss: Eine Zeit lang, acht Jahre, führte er in Österreich im Bundesland Tirol ein Hotel-Restaurant. „Das lief super, aber ich musste es wieder verkaufen. Die Berge sind schön für den Urlaub, auf Dauer war das aber nichts für mich. Hier kann ich nach Stuttgart fahren, wenn ich Langeweile habe.“ Er kam also zurück nach Baden-Württemberg, wo er außer dem Lokal in Winnenden inzwischen auch eines in Filderstadt und eines in Offenburg hat.

Jetzt, im Teil-Lockdown, kocht der Chef persönlich

„Gut also, dass ich als Chef in Winnenden auch Koch bin, ich weiß, wie alles geht“, sagt Nikolaos. Bis auf eine Mitarbeiterin, die in der Küche putzt, wenn nichts zu tun ist, und ihm ansonsten zur Hand geht, ist am Freitagmittag niemand da in dem hellen, großen Restaurant mit den in warmen Farben gestrichenen Wänden. Die anderen Mitarbeiter, unter ihnen einige Verwandte, sind alle in Kurzarbeit, wer Aushilfe ist, hat nicht einmal ein reduziertes Gehalt.

Das Akropolis hat abends die Küche geöffnet für Abholessen und zusätzlich mittags von Mittwoch bis Sonntag. „Es waren bisher zehn bis 15 Pakete am Tag“, sagt er Chef achselzuckend. Die Bestellungen halten sich noch arg in Grenzen. Nikolaou Nikolaos und die Schreiberin, die schon zweimal zu "normalen Zeiten" da war, wissen, warum: Es fehlt ganz einfach das Ausgeh-Erlebnis, bei dem man sich freut, ein paar Stunden umsorgt zu werden und etwas Besonderes aussuchen zu dürfen. Das kann oder will man nicht einfach auf die Schnelle in einem Styroporbehälter mit nach Hause oder ins Büro nehmen und wie einen Imbiss essen.

Speise- und Weinkarte schüren Vorfreude auf bessere Zeiten

Wir blättern sehnsuchtsvoll in der Speisekarte: Eine Hühnersuppe zur Vorspeise oder lieber mit Schafskäse gefülltes Gemüse? Zum Hauptgang eine Lammkeule aus dem Backofen oder eine der vielen verschiedenen Fischarten? Ein Rumpsteak vielleicht sogar? „Saftig, nicht totgebraten“, wie Nikolaou Nikolaos dringend empfiehlt. Dazu einen schönen Wein? Die besonderen Tropfen ruhen, Weiß wie Rot gut temperiert, in einem Weinkühlschrank, es sind ausgesuchte Winzer oder Weingüter namens Nico Lazaridi, Chateau Julia, Ktima. Hach, das Wasser läuft einem im Mund zusammen und man wünscht sich dringend, dass der Coronaspuk bald ein Ende hat.

Daumen hoch für den Vermieter, den verständnisvollen

Nikolaos hofft auch, dass die Gastronomen im Dezember wieder öffnen dürfen. Er glaubt aber, wenn das der Fall sein sollte, dass dann nach dem 6. Januar der nächste Lockdown folgen wird. „Natürlich ist es hier immer noch besser als zurzeit wieder in Italien und Griechenland“, sagt er, „wir können raus, andere treffen, Essen abholen.“ Dort muss man nun eine SMS schreiben, wenn man das Haus verlässt, und das darf man nur zu bestimmten Zwecken tun.

Ein Glücksfall ist für Nikolaou Nikolaos auch das hervorragende Verhältnis zu seinem Vermieter. „Number one“, sei der, sagt der Wirt, „er ist immer da, egal, was wir brauchen. Wegen der Miete kam er gleich von sich aus zu mir, er lässt mit sich reden.“ Seit 2014 führt Nikolaos das Akropolis im Gewerbegebiet, unterm Hotel Central, gegenüber von TTI und Schief. Ganz klar, auch die Geschäftsreisenden fehlen dem Hotel wie dem Restaurant.

Junge, Junge, das ist ein üppiges Essen: ein zartes Stück Schweinerücken, ein Fleischspieß, ebenfalls vom Grill, darunter kross gebratenes, gut gewürztes Gyros, Tsatsiki und Pommes. In fünf Minuten schaffe ich es mit dem Auto vom Restaurant Akropolis an der Max-Eyth-Straße zur Redaktion, wo ich testesse und mich freue, dass alles in der Styropor-Schale noch warm ist und dass der Salat ebenfalls würzig angemacht und ganz frisch ist.

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Wir schreiben Freitag, den fünften Tag des

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