Winnenden

Im Wodka-Rausch hart zugeschlagen

Gewalttat
Wegen vorsätzlicher Körperverletzung bei einem Gartenfest 2015 und auf dem Heimweg vom Sonnendeckfestival 2016 ist ein 24-jähriger Winnender verurteilt worden. © Archivbild: Schneider / ZVW

Waiblingen/Winnenden. Zweimal hat ein heute 24-jähriger Winnender andere hart geschlagen. Einmal fühlte er sich bei einem Gartenfest provoziert, das andere Mal wollte er einem Jugendlichen auf dem Heimweg vom Schwaikheimer Sonnendeckfestival eine Lektion erteilen. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einem Jahr und zwei Monaten Haft, setzte sie aber auf Bewährung aus.

Beim Gartenfest Ende August 2015 floss vom Nachmittag an jede Menge Alkohol. „Ich trinke nur Hochprozentiges, Wodka“, gab der Angeklagte zu, „damals viel und regelmäßig.“ Mittlerweile habe er seinen hohen Konsum auf die Wochenenden beschränkt, führte er leutselig aus. Als bei der Party ein Joint kreiste, wollte ein anderer Gast ziehen, er kriegte nichts ab und wurde ausfällig, beleidigte den 24-Jährigen als „Hurensohn“. „Er wusste, was mir meine verstorbene Mutter bedeutet hatte. Ich bin ausgerastet und habe zugeschlagen. Dass sein Kiefer zerbricht, war nicht meine Absicht.“ Der Angeklagte verließ aber aus Angst, eingesperrt zu werden, aus Rücksicht auf seine schwangere Freundin und auf Drängen seiner Freunde das Fest, bevor Polizei und Rettungswagen eintrafen.

Zeuge war nicht aufzufinden, doch Angeklagter gibt Bedrohung zu

Der Geschädigte musste nach dem doppelten Kieferbruch operiert werden, Unterkiefer und Lippe waren danach taub. Als Zeuge erschien er aber nicht. So konnte die Bedrohung vom 26. März 2016 nicht von zwei Seiten beleuchtet werden. Der damals diensthabende Polizist gab den Inhalt eines Anrufs wieder: Der Mann mit dem Kieferbruch habe seinen Peiniger zufällig nachts um 3 Uhr am Winnender Bahnhof getroffen, jener habe gesagt „ich stech’ dich ab“. Der Angeklagte gab das nicht zu, aber sagte nach mehrfachem Nachhaken des Gerichts, dass er vor seinem Gegner „mit dem Klappmesser rumgespielt“ habe, „damit er eingeschüchtert war“. Für den Staatsanwalt ein klarer Fall, auch ohne Zeuge: „Damit will man sagen, dass man zusticht, wenn es nicht so läuft, wie man es gern hätte.“

Beim letzten Vorfall vom 9. Juli 2016 schenkte das Gericht der Version der Zeugen mehr Glauben als der des Angeklagten. Ein heute 17-Jähriger fuhr nachts um 1 Uhr auf dem Talweg von Schwaikheim nach Winnenden. Er bemerkte, dass sein Pullover aus dem Fahrradkorb verschwunden war, fuhr zurück und befragte andere Nachtschwärmer, ob sie ihn gesehen hätten. Auch den Angeklagten, dreimal, weil jener nicht gleich antwortete. Der 24-Jährige, stark betrunken, nahm die Fragerei als Beleidigung auf und radelte dem Jungen und dessen Kumpel hinterher, stellte sie zur Rede und belehrte sie, dass man Respekt vor einem Älteren haben solle. Er schlug mit Händen und Fäusten mehrmals zu, so der 17-Jährige: „Und er bog meinen Arm runter, so dass ich in die Knie gehen musste, da traf mich sein Knie, ein Stück von meinem Zahn brach ab.“ Der Angeklagte erinnert sich nur an eine sanfte Ohrfeige.

"Jeder hat mal eine schlechte Phase"

Zu seiner Entschuldigung sagte der 24-Jährige: „Jeder hat mal eine schlechte Phase. Das kommt nicht noch mal vor.“ Die schlechte Zeit begann nach seiner Schilderung 2013 mit dem Tod seiner Mutter. „Mein Vater hat damals Deutschland verlassen, seit zwei Jahren habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm.“ Er hat „Erbschulden“ und nur 80 Euro im Monat zur Verfügung. 2015 wurde seine minderjährige Freundin schwanger, aus der WG musste das Paar ausziehen. Das Mädchen machte einen Monat nach der Geburt des Kindes mit ihm Schluss.

Der Mann hat seit dem Hauptschulabschluss nie gearbeitet. Bis er einen Job hat, muss er 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Damit er unter anderem beruflich, und was seinen übermäßigen Alkoholkonsum angeht, in die Spur kommt, wird ihm zwei Jahre lang ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. So lauteten die Auflagen zum Urteil von Richterin Dr. Bidell.

Bisher nur Schwarzfahrer

Der 24-jährige Winnender hatte keine Vorstrafen, wurde aber wegen des „Erschleichens von Leistungen“ – er nutzte öffentliche Verkehrsmittel, ohne Fahrscheine zu kaufen – zu Geldstrafen verurteilt, insgesamt 300 Euro.

Von Dezember 2015 und Januar 2016 lagen nun fünf „neue“ Fälle des Schwarzfahrens mit der S-Bahn dem Amtsgericht Waiblingen vor. Ja, das stimme, er wollte seine schwangere Freundin besuchen, hatte aber kein Geld für Tickets, räumte der Angeklagte ein.

Die dafür verhängte Geldstrafe in Höhe von 400 Euro ließ Richterin Bidell in die Gesamtfreiheitsstrafe einfließen.