Winnenden

„Imker sind systemrelevant“  - Bienenzuchtverein Winnenden wird 125 Jahre alt

Bienenzüchter
Von links: Roland Schaich, Boris Uter und Hartmut Holzwarth. © Stadt

Zählte man die Bienen mit, wäre der Bezirks-Bienenzüchterverein der mitgliederstärkste Verein in Winnenden. Das schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums des Vereins.

Die für Mai geplante Feier ist 2020 wegen Corona ausgefallen, der Erste Vorsitzende Roland Schaich hofft jedoch, sie dieses Jahr nachholen zu können. Ersatzweise empfing Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth Roland Schaich und den Zweiten Vorsitzenden, Boris Uter, im Rathaus. „Ihr Hobby ist eine Berufung. Sie leisten damit einen großen Beitrag für den Naturschutz und die Landwirtschaft. Um es mit einem derzeit allgegenwärtigen Begriff zu sagen: Sie sind systemrelevant“, erklärte Holzwarth und überreichte Roland Schaich und Boris Uter Weinpräsente und einen Scheck in Höhe von 1000 Euro.

Etwa 90 (menschliche) Mitglieder hat der Bezirks-Bienenzüchterverein Winnenden und Umgebung, die meisten davon imkern aktiv. Wer im Verein ist, kommt unter anderem in den Genuss von kostenlosen Schulungen.

Im Bezirks-Bienenzüchterverein besonders wichtig seien die sieben Bienensachverständigen, so Schaich. Sie werden vom Verein vorgeschlagen und nach einem Sachkundelehrgang über Bienenseuchen und deren Bekämpfung vom Veterinäramt anerkannt. Dann begutachten sie den Gesundheitszustand von Bienenvölkern. Wenn ein Imker mit ihnen in bestimmte Trachtgebiete wandern möchte, braucht er dafür ein tadelloses Gesundheitszeugnis, damit Bienen-Krankheiten nicht verbreitet werden. Eine anzeigepflichtige Seuche ist zum Beispiel die amerikanische Faulbrut. Ist ein Volk davon befallen, dürfen alle derzeit im Bezirk gestellten Bienenstände vorerst nicht mehr verstellt werden!

Über die Waben gelangt die Faulbrut in das gesunde Bienenvolk und breitet sich aus. Befallene Maden sterben, und danach das gesamte Bienenvolk. Um die Seuche zu bekämpfen, muss der Bienensachverständige die befallenen Waben verbrennen.

Doch nicht nur Krankheiten führen zu Bienensterben. Roland Schaich weiß: „Früher gab es überall in der Landwirtschaft nicht beackerte Streifen. Heute findet man kaum mehr welche. Das ist für die Bienen und allgemein für unsere Insekten ein großes Problem. Wildbienen fliegen zum Beispiel maximal 300 bis 1500 Meter weit. Finden sie auf halber Strecke keinen Blühstreifen, kehren sie ohne Bestäubung wieder um. Stadtbienen haben daher besonders im Herbst, wenn auf den Feldern der Raps geerntet wurde, einen Vorteil. Sie finden Blühflächen weiterhin auf Friedhöfen, in Haus- und Schrebergärten und auf städtischen Grünflächen.“

Roland Schaich und Boris Uter sind leidenschaftliche Imker. Einmal in der Woche, im Frühjahr häufiger, kümmern sie sich um ihre Völker. Der eigene Honig wird vor der Haustüre vermarktet. „Die Bienen geben den Arbeitsrhythmus vor“, so Boris Uter.