Winnenden

In der Innenstadt gehen 160 Parkplätze verloren

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Parkplatz-Suchverkehr auf dem Viehmarktplatz: Hier ist nur selten eine Lücke frei, in den Tiefgaragen eher. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Ecke Wallstraße/Waiblinger Straße: Hier könnte laut Hans Ilg auch ein Standort für ein Parkhaus sein.

Winnenden. Die Innenstadt verliert in diesen Jahren gerade 160 Parkplätze, weil sie überbaut werden durch neue Projekte in der Innenstadt. Kürzlich hat Planer Alfred Wenke den Gemeinderäten Möglichkeiten aufgezeigt, wo neue Parkplätze in ähnlicher Zahl geschaffen werden könnten. Ganz kurz wurde die Frage angeschnitten, ob überhaupt neue Parkplätze sinnvoll sind.

Zurzeit sieht man den Parkplatzmangel klipp und klar am Holzmarkt, wo um die 50 Parkplätze weggefallen sind für die Baustelle des Wohn- und Geschäftshauses, bei dem Gemeinderäte und Bürger immer noch hoffen, dass ein Sportgeschäft einziehen möge. Kurzfristig sind die 50 Plätze nicht zu ersetzen. Wenn das Gebäude fertig ist, wird es eine Tiefgarage haben und vor dem Gebäude werden wieder einige Parkplätze eingerichtet. Wahrscheinlich beginnt dann ungefähr der Bau des Wohn- und Geschäftshauses am Kronenplatz, dann fallen dort die beliebten provisorischen Parkplätze weg. Alle werden vor allem von Kunden der unteren Marktstraße genutzt.

160 Parkplätze weg

Planer Alfred Wenke von der Stadtverwaltung hat alle Parkplätze der Innenstadt gezählt: 1426 waren es am 1. Januar. Wenn die Stadt gar nichts unternimmt, hat sie in ein paar Jahren 160 Parkplätze weniger.

Wenke stellte den Stadträten vor, wo überall ein Parkhaus denkbar wäre – unabhängig davon, was es kostet, wem das Grundstück gehört und was an dieser Stelle bisher ist. Er hat einfach Standorte untersucht und bewertet, ohne mit privaten Grundbesitzern zu reden. Es geht nur um denkbare Möglichkeiten.

Drei Möglichkeiten - Eine Tiefgarage alleine reicht nicht

Drei Vorschläge bekamen eine sehr gute Bewertung: öffentliche Parkplätze in einer Tiefgarage unter dem künftigen Kronenplatzgebäude, eine neue, überbaute Tiefgarage zwischen Stadtmauer und Höfener Straße und überbaute Parkgeschosse an der Wiesenstraße anstelle des alten Notariats. Ganz brauchbar wäre laut Bewertung noch eine Tiefgarage unter dem Rösler-Areal mitten in der Stadt zwischen Wallstraße, Schlossstraße und Kirchgässle. Schon jetzt zeichnet sich ab: Eine Tiefgarage alleine würde nicht ausreichen, um die 160 wegfallenden Parkplätze auszugleichen. Es ist aber auch noch nicht klar, ob die Gemeinderäte alle ausgleichen wollen.

Noch eine Idee: Ecke Wallstraße/Waiblinger Straße

Hans Ilg (FWV) gefallen alle drei gut bewerteten Standorte. Nachdem er erfuhr, dass mögliche Standorte diskutiert wurden, unabhängig von allen Besitzverhältnissen, schlug er einen weiteren vor: Über die Ecke Wallstraße/Waiblinger Straße könne man auch nachdenken, meinte er. OB Holzwarth notierte den Vorschlag.

Für zwingend notwendig hält es FDP-Stadträtin Nicole Steiger, dass unter dem künftigen Kronenplatzgebäude ein zweites Tiefgaragengeschoss gebaut wird, das öffentlich genutzt wird. Bettina Jenner-Wanek begrüßte besonders den Standort an der Wiesenstraße: Dort könnte man Parkplätze bauen, und: „Darüber könnte man eine Familientagesstätte bauen.“

Jugendgemeinderäte gaben ein kurzes Statement im Gemeinderat zum Parken ab: Man sollte Busse günstiger machen, damit mehr Leute Bus statt Auto fahren. Und Car-Sharing halten sie auch für eine gute Idee, weil damit die Zahl der Autos und auch der Parkplatzbedarf geringer wird.

Klimaschutz - Passen dazu neue Parkhäuser?

Passt es eigentlich noch in die Zeit, Parkhäuser zu planen, damit Leute mit dem Auto zum Einkaufen und zum Friseur fahren können? Solche Gedanken macht sich Andreas Herfurth SPD: „Zuerst reden wir über Klimaschutz, und wenig später machen wir uns heiße Gedanken, wie wir das Parken fördern sollen.“ Tatsächlich hatten die Winnender Gemeinderäte wenige Minuten zuvor einem Papier zugestimmt, das „Handlungsfelder“ für den Klimaschutz festlegt. Herfurth blieb am Thema CO2-Vermeidung dran und sagte: „Meine Meinung ist: Keine weiteren Parkplätze in der Innenstadt!“ Der Gemeinderat müsse den Mut haben, Prioritäten zu setzen. „Wir haben 1400 Parkplätze, davon sind 400 Dauerparkplätze. Für Berufstätige wäre es doch attraktiv, im Randbereich der Stadt Dauerparkplätze zu schaffen.“

Dass man 90 Minuten gratis parken dürfe in Winnenden, erwähnte Herfurth auch: „Mich würde interessieren, wie lange viele Autos wirklich stehen.“ Anstatt Parkplätze zu bauen, müsse die Stadt Fahrräder noch mehr fördern. „Nur zur Erinnerung: Ein Parkplatz kostet 25 000 Euro. Da sind wir mit den 160 Parkplätzen schon bei 4 Millionen Euro.“

Dringender Bedarf: FDP-Stadträtin will Parkplätze

Contra gab ihm Nicole Steiger (FDP): „Herr Herfurth, wenn Sie Händler, Ärzte und Apotheker fragen, die in der unteren Markstraße sind, dann erfahren Sie, dass Kunden und Patienten dringend dort Parkplätze brauchen. Wir wollen, dass unsere Innenstadt belebt ist. Wir sehen es für zwingend an, dass Parkplätze gebaut werden.“


Verworfene Ideen

Die Stadtverwaltung hatte noch einige Ideen für Parkhausstandorte erwogen und dann verworfen:

Schlittergelände im Hinterhof von Denn’s Biomarkt: Areal zu eng.

Nickelgelände (Autohaus Petsch): zu abgelegen.

Hinter der Markthalle: mittlere Lage, eng.

Tiefgarage unter dem Viehmarktplatz: nicht überbaubar, könnte sehr teuer werden.

Tiefgarage unter dem Privatparkplatz zwischen Wallstraße und Stadtkirche: nicht überbaubar, könnte sehr teuer werden.

Die neue Idee von Hans Ilg an der Ecke Wallstraße, Waiblinger Straße muss erst noch geprüft werden.

Keine der Ideen ist mit Grundeigentümern abgesprochen.