Winnenden

In ganz Winnenden wird das Wasser weich - aber es dauert noch

Wasserwerk Birkmannsweiler
Vertreter der Stadtwerke und der Baufirma auf der Baustelle des zweiten neuen Wasserwerks: Hans-Peter Mohwinkel, Rüdiger Haas, Stefan Schwarz, Hagen Riegler, Thomas Böhret, Klaus Widmann. © Stadtwerke

Anfang 2022 wird ganz Winnenden weiches Wasser aus dem Wasserhahn bekommen. Bewohner können dann ihre Wasch- und Spülmaschinen sparsamer mit Chemie bestücken, müssen ihre Bügeleisen und Kaffeemaschinen nicht mehr so oft entkalken und haben weniger Kalk an Fliesen, Duschwänden und Armaturen. Bislang gibt es das weiche Wasser nur im Westen der Stadt. „Nun beginnt der zweite und letzte Streich unseres Versorgungskonzeptes weiches Wasser für Winnenden“, sagt Stefan Schwarz, Geschäftsführer der Stadtwerke Winnenden. Die Stadtwerke haben mit dem Bau eines zweiten Wasserwerks auf einem Acker bei Birkmannsweiler begonnen. Wenn es mal läuft, werden auch der östliche Teil der Kernstadt sowie die Ortsteile Birkmannsweiler, Höfen und Baach mit dem enthärteten Wasser versorgt.

Die Stadtwerke haben sich, wie sie in einer Pressemitteilung formulieren, zum Ziel gesetzt, die Trinkwasserversorgung der Einwohner und Firmen von Winnenden auf ein einheitliches Qualitätsniveau umzustellen und die Nutzung der örtlichen Wasserressourcen deutlich zu erhöhen. Hierzu war ein erstes Wasserwerk Mitte Mai 2018 in Betrieb genommen worden, welches nahe beim Tiefbrunnen an der Schwaikheimer Straße errichtet wurde.

Jede Quelle liefert ihre spezielle Wasserqualität

Die aufbereitete Wassermenge des zweiten Wasserwerks - rund 500 000 Kubikmeter pro Jahr - entspricht ungefähr der Aufbereitungsleistung des Wasserwerks an der Schwaikheimer Straße, aber: Die Aufbereitungstechnik ist deutlich komplexer. „Während im Wasserwerk an der Schwaikheimer Straße nur das Wasser von einem Tiefbrunnen aufbereitet wird, haben wir beim Wasserwerk in Birkmannsweiler eine Vielzahl unterschiedlicher Eigenwässer“, erklärt Stefan Schwarz. „Zum einen sind es Flachbrunnen - zwei in Höfen und einer in Birkmannsweiler - und zum anderen Quellwässer, welche wir hauptsächlich auf der Gemarkung von Berglen gewinnen. Wir werden aber auch noch weitere Quellen auf Winnender Gemarkung, welche in der Vergangenheit aufgrund geringerer Qualität und kleiner Schüttung nicht mehr genutzt wurden, reaktivieren“.

Diese Eigenwässer unterscheiden sich in Härte und Trübung und brauchen alle ihre eigene Behandlung, bevor sie vermischt werden, um einen möglichst einheitlichen Härtegrad zu erreichen. Erst dann kommt die eigentliche Enthärtung im Umkehrosmoseverfahren.

Die Eigenwässer, welche bislang direkt in diverse Hochbehälter eingespeist wurden, müssen nun über neu zu bauende Leitungsstraßen erst dem Wasserwerk zugeführt werden und werden dann nach der Aufbereitung über ebenfalls längere Leitungsstrecken in die Hochbehälter gepumpt. Von dort aus fließt das Trinkwasser über freies Gefälle zu den Verbrauchern.

Die Leitungsbauarbeiten haben bereits vor einigen Wochen begonnen. Zur Vorbereitung von Lagerflächen für den Bodenaushub der Leitungsgräben wurde auf dem Gelände des neuen Wasserwerks daher bereits das Baufeld vorbereitet, indem der Mutterboden abgeschoben und befestigte Baustraßen angelegt wurden.

Die Stadtwerke müssen weiterhin Wasser zukaufen

Das Wasser aus Winnenden und Berglen reicht allerdings nicht für die ganze Stadt. Deshalb kauft Winnenden seit vielen Jahrzehnten Trinkwasser vom Zweckverband Wasserversorgung Nordost-Württemberg, kurz NOW, dazu und mischt es mit dem eigenen Wasser. Zeitweise wurde in der Vergangenheit sogar die Förderung von Eigenwasser reduziert, um in der Mischung mit NOW-Wasser die Wasserhärte nicht über die Marke von 21 ˚dH steigen zu lassen. „Dies gehört dann mit der Inbetriebnahme des zweiten Wasserwerks der Vergangenheit an“, betont Stefan Schwarz. In Zukunft kann das gesamte Wasserangebot der Quellen und Brunnen genutzt und der Bezug von Fernwasser entsprechend reduziert werden.“

Das Gebäude braucht einen guten Baugrund, weil es extrem schwer ist

„Eigentlich hatten wir den Baubeginn des zweiten Wasserwerks deutlich früher geplant, aber die Suche nach einem geeigneten Standort gestaltete sich alles andere als einfach“, erläutert Stefan Schwarz. Bei der Standortsuche sind eine ganze Reihe - zum Teil auch gegensätzlich wirkende - Randbedingungen zu prüfen und abzuwägen: zentraler Standort, um mit möglichst geringem Leitungsbau alle Eigenwässer optimal „einsammeln“ zu können, guter Baugrund für das extrem schwere Bauwerk, Nähe zu einem Bach zum Einleiten von Abschlagswasser, Zugänglichkeit für größere Baufahrzeuge und mehr.

„Bei der Durchführung von Probebohrungen zur Erkundung des Baugrundes hatten wir zwei Fehlversuche, die uns eine Menge Zeit gekostet haben“, ärgert sich Stefan Schwarz noch heute, „aber mit dem Ackergrundstück am Ortseingang ist nun ein guter Standort gefunden worden, mit dem wir sehr zufrieden sind“.

Die Bauzeit für das Wasserwerk soll rund 18 Monate betragen, so dass der Regelbetrieb des Wasserwerks in Birkmannsweiler für Anfang 2022 der Fall sein soll.

Den Strom für die Pumpen und Lichter soll Fotovoltaik liefern

Um den energieintensiven Prozess auch unter ökologischen Gesichtspunkten zufriedenstellend betreiben zu können, wird auch auf dem Dach des zweiten Wasserwerks eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 30 Kilowatt installiert. Damit wird ein Großteil des aufzuwendenden Stroms regenerativ erzeugt. Im Dauerbetrieb kann die Anlage 20 Liter pro Sekunde kalkhaltiges Wasser aufbereiten. Wegen Betriebsunterbrechungen zur Instandhaltung/Wartung und einer systembedingten Abschlagswassermenge wird eine Jahreserzeugung von 500 000 Kubikmeter weichem Wasser erreicht.

Mit dem Abschluss des Wasserversorgungskonzeptes werden die Stadtwerke über 4 Millionen Euro in die Qualitätsverbesserung der Wasserversorgung in Winnenden investiert haben – die über höhere Wasserpreise von den Verbrauchern bezahlt werden.

Die Stadt hätte das Wasser auch in Backnang aufbereiten lassen können

Die Entscheidung zur Verbesserung der Trinkwasserqualität in Winnenden und zum Bau der beiden Wasserwerke wurde im Jahr 2014 getroffen. Seinerzeit standen zwei alternative Konzepte zur Wahl: zum einen die sich derzeit in der Umsetzung befindliche Eigenlösung, welche im Wesentlichen den Bau und Betrieb der beiden Wasserwerke durch die Stadtwerke umfasst, und zum anderen ein Konzept der NOW, bei dem die Stadtwerke ihre Wasserrechte an den örtlichen Wasserquellen an die NOW abgetreten hätten und die Aufbereitung in einem Wasserwerk bei Backnang durch die NOW erfolgt wäre. Die Stadtwerke hätten in diesem Fall dann zu 100 Prozent ihren Wasserbedarf von NOW bezogen.

„Die Entscheidung war keine Entscheidung gegen die NOW, sondern vielmehr eine Entscheidung für eine optimale Nutzung der örtlichen Ressourcen in wirtschaftlicher Eigenverantwortung und den Ausbau der fachlichen Kompetenz in der örtlichen Wasserversorgung“, hebt Hartmut Holzwarth, Oberbürgermeister von Winnenden und Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, hervor.