Winnenden

In Leutenbach werden die Krippenplätze knapp

Kinder Kindergarten Spielen Symbol Symbolbild
Symbolbild. © Pixabay/Design_Miss_C

Leutenbach. Der Gemeinde drohen die Krippenplätze auszugehen. Sie reagiert darauf mit einem Gruppentausch. Die Kindergartengruppe des Kinderhauses Mühlefeld zieht um, wird ausgelagert in die Räume der bisherigen Krippe am evangelischen Kindergarten an der Theodor-Heuss-Straße. Die Krippengruppe von dort wechselt ins Kinderhaus und wird dort um weitere fünf Plätze erweitert.

Außerdem wird die Gemeinde beim Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) offiziell beantragen, die Krippengruppe Nellmersbach um eine halbe Gruppe (fünf Plätze) zu erweitern. Ferner wird die Gemeindeverwaltung sich weitere Möglichkeiten zum Ausbau der Betreuung der Unterdreijährigen überlegen. Dazu gehört auch, die Option grundsätzlich weiter zu verfolgen, eine Betreuung durch Tageseltern in Räumen der Gemeinde einzuführen.

Früher etwa 100 Kinder je Jahrgang, mittlerweile sind es 115 bis 120

Dieses Maßnahmenbündel, dem der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zugestimmt hat, ist die Folge des Anstiegs der Kinderzahlen in den vergangenen Jahren, entgegen der vorherigen Prognosen, die von einem Rückgang ausgegangen waren. Leutenbach hatte in der jüngeren Vergangenheit starke Geburtenjahrgänge, früher waren es noch etwa 100, mittlerweile sind es durchweg 115 bis 120 Kinder, die jährlich geboren werden. Nicht zu vergessen die Kinder aus Familien, die zugezogen sind.

Die Gemeinde hat zwar die Zahl der Betreuungsplätze ausgebaut, eine weitere Kleingruppe im Kindergarten Walzenhalde und eine zusätzliche Gruppe im Kinderhaus Mühlefeld eingerichtet, auch Kitas umorganisiert, um zusätzliche Plätze zu gewinnen, und im September wird ein Naturkindergarten im Landschafspark Höllachaue starten. Dennoch seien die Kindergärten derzeit voll und es drohe sogar ein Platzmangel, so die Verwaltung. Für die Betreuung Unterdreijähriger ist im September 2016 eine Krippe in Nellmersbach eingerichtet worden. Die Verwaltung geht trotz der Schwierigkeit von Prognosen bei dieser Altersgruppe davon aus, dass der Bedarf an Plätzen weiter ansteigt und bereits im Sommer die vorhandenen nicht mehr ausreichen werden, wenn nicht gegengesteuert wird.

Krippe in Nellmersbach: Verband fordert vor Erweiterung Umbau

Die Erweiterung der Kinderkrippe in Nellmersbach hat der KVJS auf eine formlose Anfrage der Gemeinde hin abgelehnt. Dieser fordert vorher Umbaumaßnahmen, um die beiden Gruppen räumlich zu trennen. Aus Sicht der Verwaltung wäre dies jedoch eine Verschlechterung gegenüber der bisherigen Situation. Sie hat sich deshalb vom Gemeinderat das Mandat geben lassen, es gegenüber dem Verband drauf ankommen zu lassen, gegebenenfalls den Streit vor Gericht klären zu lassen.

Eine weitere Option ist laut Verwaltung, eine Krippe in der bisherigen Hausmeisterwohnung an der Gemeinschaftsschule einzurichten, dort könnten so weitere zehn Betreuungsplätze mit verlängerten Öffnungszeiten angeboten werden. Selbst kritisch sieht die Verwaltung den erforderlichen Umbau des dortigen Sanitärbereichs. Es sei fraglich, ob dieser so gelinge, dass er den Anforderungen entsprechen könne (Erwachsenen- und Kindertoilette sowie Wickelbereich). Die Verwaltung hat beim KVJS angefragt, ob es grundsätzlich denkbar sei, in der Wohnung eine Krippengruppe unterzubringen. Wegen des Renovierungs- und Umbaubedarfs kommt diese Lösung allenfalls mittelfristig in Frage.


Der Gemeinde ist bewusst, dass die betroffenen Eltern der Kinder, deren Betreuungsstätte getauscht werden soll, davon nicht begeistert sind. Es habe deswegen eine Vielzahl von Gesprächen mit diesen und den Elternvertretern gegeben, so die Verwaltung im Gemeinderat. Die Kindergartenkommission und der Verwaltungsausschuss hätten das Thema intensiv diskutiert. Der Gruppentausch und die zusätzliche halbe Krippengruppe im Kinderhaus Mühlefeld seien aber in Abwägung aller Aspekte die einzige Variante, mit der ohne erhebliche Bau- oder Umbaumaßnahmen (und entsprechenden Investitionskosten) kurzfristig der steigende Platzbedarf bei den Krippenkindern gedeckt werden könne. Dass sie nicht alle Bedenken der Eltern habe ausräumen können, sei klar, so die Verwaltung. Unter den gegebenen Umständen sei dies aber die beste Lösung, so Hauptamtsleiter Jakob Schröder. Bürgermeister Jürgen Kiesl wies darauf hin, dass der geplante Umzug nicht von heute auf morgen, sondern erst zum neuen Kindergartenjahr im September erfolgen wird. Wichtig für die Kinder und auch für die Eltern sei, dass die betreffenden Erzieherinnen mit umziehen werden, die Kinder also weiterhin ihre gewohnten Bezugspersonen haben werden.

Andrea Messerschmidt: Alternativlos

Sicher sei abzuwägen, aber der geplante Tausch sei „alternativlos“, also müsse man die Chance dazu ergreifen, so Andrea Messerschmidt, FWG. Auch die SPD stimme zu, so Andrea Unterweger-Rösiger. Eigentlich müsse sich die Gemeinde über die steigende Kinderzahl ja freuen, zeige die doch, dass Leutenbach nicht überaltere.

Kritisch-skeptisch zeigte sich Herbert Krehl, SPD. Er bezweifle, ob die Vorhersagen zum Bedarf an Betreuungsplätzen, mit denen die vorgeschlagenen Maßnahmen begründet werden, wirklich belastbar seien. Die Krippen in Leutenbach und Nellmersbach seien derzeit nämlich nicht voll belegt. Immer wieder sprängen Eltern trotz Anmeldung ihrer Kinder kurzfristig ab. Es gebe auch Eltern, die damit auf den geplanten Tausch reagieren, weil sie mit diesem nicht einverstanden seien, insbesondere mit dem Umzug aus der kleinen, überschaubaren Krippe ins große Kinderhaus. Und „alternativlos“, wie behauptet, sei gar nichts, auch wenn die „große Politik“ das immer wieder behaupte.

„Das Kinderhaus ist keine Fabrik“

Das Kinderhaus sei keine „Fabrik“, dort werde sehr gute Arbeit von den Erzieherinnen geleistet, seien die Bedingungen für die Kinder gut, hielt Schröder entgegen. Bei den vorgelegten Zahlen zum Platzbedarf handle es sich um tatsächliche Anmeldungen. Trotz der einen oder anderen kurzfristigen Abmeldung würden alle Kitas in absehbarer Zeit voll belegt.

Kiesl warnte, dass, wenn die Bestrebungen erfolgreich sein werden, dass der Gesetzgeber die Betreuung gebührenfrei stellt, mit noch einmal einem deutlichen Anstieg des Bedarfs an Betreuungsplätzen vor allem bei den Kleinkindern zu rechnen sei. Krehl hielt erneut dagegen. Das Kinderhaus sei relativ neu, der evangelische Kindergarten dagegen, wohin die Kindergartenkinder aus dem Kinderhaus umziehen sollen, alt. Der derzeitige Zustand sei nicht zumutbar. Das stimme nicht, widersprach Kiesl. Vorhandene Mängel seien bereits behoben oder man sei dran. Es seien ja Kinder dort, von denen er gerade noch behauptet habe, dass deren Eltern nicht wollen, dass die Kinder ins Kinderhaus umziehen, hielt er Krehl entgegen: „Sie widersprechen sich da ja selbst, das passt doch nicht zusammen.“ Kiesl verwies auch darauf, dass die Gemeinde die Ausstattung, die Standards in ihren Kitas in den vergangenen zehn Jahren erheblich ausgebaut habe, auf ein mittlerweile sehr hohes Niveau angehoben habe.


Kinderhaus wird zur reinen Krippe

Für die zusätzliche halbe Krippengruppe braucht es im Kinderhaus eine weitere 100-Prozent-Kraft (etwa 50 000 Euro im Jahr Kosten für die Gemeinde). Der erhöhte Personalaufwand, um der ausgelagerten Kindergartengruppe ein warmes Mittagessen anzubieten, wird die Gemeinde etwa 6500 Euro im Jahr kosten.

Der Gruppentausch bedeutet, dass das Kinderhaus künftig eine reine Krippe wird, dort also nur Kinder unter drei Jahren betreut werden.