Winnenden

In Winnenden eröffnet ein Geschäft nur mit fairer Mode

nachhaltige Kleidung
Johanna Widulski (links) mit einer Kundin im neuen, eigenen Verkaufsraum an der Marktstraße 20, nur mit fairer Mode. © Alexandra Palmizi

Sie stammt aus Ibbenbüren, einer ehemaligen Bergbaustadt in Nordrhein-Westfalen, hat in Heilbronn studiert, ein Jahr in Thailand gelebt – und ist binnen zwei Jahren eine glühende Verfechterin der lebendigen Winnender Innenstadt und ihrem sympathischen Maskottchen, dem Winnender Mops geworden. Johanna Widulski ist 32 Jahre alt und hat sich schon 2018 selbstständig gemacht. Allerdings sehr vorsichtig, erst einmal mit einer Boutique in der Boutique bei der Grande Dame der Winnender Modewelt, Ilse Adam-Schlagenhauff.

„Sie hat mir den Eintritt nach Winnenden verschafft, ich bin sehr dankbar, dass ich von ihren 45 Jahren Erfahrung im Einzelhandel lernen durfte“, sagt Johanna Widulski, die nun aber im Januar beschlossen hatte, den nächsten Schritt in die eigenen Räume zu wagen. Der Name bleibt, die Adresse ändert sich nun in Marktstraße 20. Widulski hat ihr Geschäft mit ausschließlich fairer Mode für Frau, Mann und Baby sowie fairen Accessoires wie Uhren und Taschen „Green Lavadee“ getauft. Eigentlich stand der Name schon bei ihrer Abschlussarbeit fest, in der sie das Konzept entworfen und das Studium der International Business, Ethik und interkulturellen Kommunikation mit der Note 1 abgeschlossen hatte.

Der Verlobte hilft beim letzten handwerklichen Schliff

Die Lavadee ist die asiatische, reich und in verschiedenen Farben blühende Frangipani, sie symbolisiert Unsterblichkeit. Bei Johanna Widulski blüht die Lavadee grün, als Zeichen dafür, dass hier alles umweltverträglich und nachhaltig sowie fair den Menschen gegenüber zugeht. Der puristisch mit einem runden, antiken Holztisch und einer modernen Glaskugellampe eingerichtete rechteckige Raum befindet sich direkt am Torturm, neben Bäckerei Emil Reimann und gegenüber von Optik Lauschke. „Das Küken ist flügge geworden“, kommentiert Johanna Widulski den Schritt, der anderen in ihrem Alter wie ein Riesenwagnis vorkommen mag, fröhlich und unbekümmert. Privat haben sie und ihr Verlobter, der am Abend noch mit dem Werkzeugkoffer durch den Laden geht, noch einen Umzug von Schwaikheim und Lorch vor.

Die Corona-Unterstützung ist ungewöhnlich spät geflossen

Trotz Widulskis optimistischer Weltsicht geht nicht alles glatt, so ist das Leben: Ihr Antrag auf Corona-Unterstützung für Gründer blieb aus unerfindlichen Gründen bei der IHK liegen. Bis die Sache geklärt war, nahmen die Behörden keine neuen Anträge mehr an. Geld floss erst am 8. Mai. Es ist wohl eine der großen Stärken, wenn nicht die Stärke überhaupt, dass Johanna Widulski weder jammert, noch aufgibt. Sie wird kreativ. Ihre Lösung vorerst: Sie arbeitet in Denn’s Bio-Supermarkt am Kronenplatz und öffnet ihren eigenen Laden nur donnerstags, freitags und samstags. Das waren „bei Ilse“ die besucherreichsten Tage, sie meint, das liegt vor allem am Wochenmarkt. Die anderen Tage ist geschlossen, aber Johanna Widulski empfängt dann Kunden nach Voranmeldung. „Ich nenne es private Shopping“, erzählt sie. Und ist selbst ein bisschen erstaunt, wie gern das bisher angenommen worden ist, gerade jetzt in der Corona-Zeit. Von Leuten, die keine Lust haben, vor dem Laden zu warten, falls dieser gerade zu voll sein sollte, von Leuten, die im Home-Office sind und sich für einen Einkauf extra in die Stadt begeben müssen.

Stoffe faszinieren sie, für Menschenrechte kämpft sie

Wie aber kam es, dass sie überhaupt versucht, ökologisch erzeugte Fasern, verwandelt in Shirt und Hose, Rock und Kleid an Frau und Mann zu bringen? „Ich wollte tatsächlich eine klassische Schneiderlehre machen, weil ich Schnitte und Materialien immer so bewundert habe.“ Doch die Berufsberatung lotste die Sprachbegabte mehr in eine offensichtlich einträglichere Berufsrichtung. Sie lernte Industriekauffrau. „Da ich mich gern in etwas reinfuchse, habe ich tolle drei Jahre erlebt. Aber die Kollegen wunderten sich“, erzählt sie. Ihren Wissensdurst stillen und ihre Kreativität ausleben konnte sie dann tatsächlich im Studium in Heilbronn. Nicht etwa ein reines internationales BWL-Studium, sondern um das Fach Ethik angereichert. „Dort lernte ich etwas über die Sklavenarbeit in der Textilindustrie - und dass sie in puncto Umweltzerstörung gleich nach der Ölindustrie rangiert.“ In ihrem Auslandsjahr in Thailand lernte sie viele Modehandwerker kennen, Seidenweber und Frauen, die aus Blättern Taschen fertigten. „Bei uns ist so viel von diesem alten Wissen über handwerkliche Herstellung abgewandert, das fand ich erschreckend.“

Den jungen Familien will sie eine Alternative bieten

Bei einer Reise durch Kambodscha konnte sie zufällig eine Demonstration von Frauen für Lohnerhöhung beobachten. „Die Polizei kam mit Tränengas und Wasserwerfern.“ Johanna Widulski googelte, unter welchen Bedingungen die Frauen arbeiten müssen. „Da beschloss ich, nie wieder ein Teil aus so einem Geschäft wie Primark, Kik oder H&M zu kaufen.“ Und mit der Zeit reifte ihre Idee, die Menschen dort zu unterstützen - durch den Kauf von Waren, die unter anständigen Bedingungen produziert wurden. Sie wurde zur Aktivistin - und machte sich vier Jahre nach ihrem Studienabschluss selbstständig. „Im Rems-Murr-Kreis bin ich der einzige Laden mit ausschließlich fairer Mode.“

Auf Winnenden setzt die 32-Jährige ganz viel. „Es wird unheimlich viel gebaut, junge Familien werden herziehen. Bei vielen ist es so, dass sie sich mit der Geburt des ersten Kindes über Nachhaltigkeit Gedanken machen.“ Bio sei in der Stadt auch nichts Neues dank Vorreiter Bäcker Weber. Auch eine faire Optikerin, Anke Kiefer, findet man inzwischen hier. Und den Winnender Mops, den hat Johanna Widulski auch deshalb in ihr Herz geschlossen und ihn auf eigenen T-Shirts verewigt, weil er den Namen der Stadt mit einer schönen Geschichte und sogar einem Denkmal am Schloss verbindet. „Winnenden ist schön. Wir verkaufen uns oft unter Wert“, findet die gebürtige Ibbenbürenerin.

Sie stammt aus Ibbenbüren, einer ehemaligen Bergbaustadt in Nordrhein-Westfalen, hat in Heilbronn studiert, ein Jahr in Thailand gelebt – und ist binnen zwei Jahren eine glühende Verfechterin der lebendigen Winnender Innenstadt und ihrem sympathischen Maskottchen, dem Winnender Mops geworden. Johanna Widulski ist 32 Jahre alt und hat sich schon 2018 selbstständig gemacht. Allerdings sehr vorsichtig, erst einmal mit einer Boutique in der Boutique bei der Grande Dame der Winnender Modewelt,

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