Winnenden

Inspiration aus Winnenden und Kreta - Künstlerin Eva Schwanitz stellt im ZfP aus

HolzschnittZfP
Künstlerin Eva Schwanitz präsentiert im Zentrum für Psychiatrie ihre Werke. © Gaby Schneider

Von ihrer neuen Wohnung auf dem Kronenplatz schaut sie in den Himmel über den Dächern von Winnenden. Sie liebt diesen unverstellten Blick, ganz besonders bei Sonnenuntergang, weil sich dann am Firmament die faszinierenden Momente des Übergangs von Hell über Blau zu Nachtschwarz vollziehen, von Eva Schwanitz „transistorische Momente“ genannt.

Seit 1976 setzt sich Eva Schwanitz mit Sonnenuntergängen und der Transformation des Lichts auseinander. In der Ausstellung „Faszination Holzschnitte“ im Beratungs- und Aufnahmezentrum (BAZ) des Klinikums Schloss Winnenden ist eine Auswahl ihrer Holzschnittdrucke zu sehen, in denen dem Betrachter helle und dunkle Augenblicke und Seiten des Lebens begegnen.

Gebäude in der Bahnhofstraße als Vorlage

Sie deutet auf eines der Kunstwerke an den Wänden im lichtdurchfluteten Foyer des BAZ. „In der Bahnhofstraße ist ein Musikgeschäft mit einem charakteristischen Zwiebeldach, das diente mir als Vorlage, es bekommt hier eine orientalische Anmutung“, beschreibt sie die Wirkung der wechselnden Lichtstimmungen.

Eva Schwanitz lebt in ihrer Kunst vom Licht, von Schatten, Wasser und lässt sich inspirieren von Reisen nach Kreta. In ihren Holzdrucken reflektiert sie über das Werden und Vergehen, welches sie als ein unglaubliches Spiel der Farben darstellt. Zarte feine Farbverläufe kreisen auch um die Relativität von Wirklichkeit – ein stimmiger Impuls in einer Zeit, in der wir uns zwischen Fake News und Fakeprofilen fragen, was echt ist, was wahr und was gelogen.

Die Künstlerin ist fasziniert von Schatten

Seit 2009 beschäftigt sie sich außerdem mit Schatten. Eva Schwanitz sagt, sie denke beim Betrachten eines Schattenwurfs an das Höhlengleichnis und daran, dass viele meinen, die Schattenseite sei die Realität. „Ich bin fasziniert von den Schatten der Zweige und Äste, wenn ich sie gegen den Nachthimmel betrachte, die Silhouetten sind ganz flach, haben nichts Räumliches.“ Diese Flachheit zeigt sie in den Drucken, die durch die Reduzierung auf die pure Form ruhig wirken und eine fernöstliche Anmutung haben.

Eine Wildrose im Garten habe sie zu einem Rosen-Holzdruck inspiriert, in den sieben Farbschichten aus verschiedenen Rottönen geflossen seien. Den „Schatten einer Bougainvillea“ hat Eva Schwanitz zweischichtig auf Stoff gedruckt, um die Textur des Materials zu erhalten. Der glühende Horizont im letzten Abendlicht einer satt und tieforange sinkenden Sonne sei aus einer transparenten Blauschicht über einem Orangeton entstanden.

Die Teilnehmer erfahren von ihr viel Spannendes über das Handwerkliche in der Kunst und dass sie der Materialität auf den Zahn fühlt, dem Vorgegebenen folgt, das sie mit den Händen im Handdruckverfahren nach Belieben formt und verwandelt. „Man kann nicht gegen die Maserung arbeiten, man muss mit dem Holz arbeiten, so wie’s ist.“

So erzielt sie den Effekt, dass die Wirkung von ein und demselben Ausgangsobjekt auf der Fläche variiert. Mal wird daraus ein dramatischer explosiver Himmel, mal zeigt er sich beschwingt, mal spricht aus der Holzmaserung gar eine meditative Entspanntheit. Wenn sie möchte, dass der Druck wolkig und fast transparent wirkt, druckt sie mit weißer Farbe auf ein schwarzes Rechteck. „Es sieht ganz leicht aus, als würden Vögel am Himmel vorüberziehen“, entfährt es einer Teilnehmerin der Sonderführung ganz spontan.

Inspiriert von einem amerikanischen Maler

Zwischen den Silhouetten fallen immer wieder monochrome Farbfelder aus mehreren übereinandergelegten Farbschichten auf: ausgleichende, harmoniestiftende Elemente, die atmosphärische Blickfänge schaffen. Angelehnt seien sie an den amerikanischen abstrakten Farbfeldmaler Mark Rothko. „Hier kommen lediglich die Druckplatte und das Holz mit seiner individuellen Maserung zur Geltung“, so die Künstlerin.

Neben Pflanzen, menschlichen Silhouetten, Landschaften und Himmelsbildern überträgt sie die Strukturen von Wasser auf Holz. Damit die abstrahierte Wasseroberfläche schimmert, so als ob Lichtflecken darauf reflektieren, hat sie blaue Farbe auf Weiß gedruckt. Wie sie den Hintergrund gemacht hat, will ein Teilnehmer wissen. Er erfährt, dass sie ohne Druckpresse auskommt, weil sie das zeitaufwendigere Verfahren der Handabzüge anwendet. Dieses erlaube ihr feinere Nuancen und Abstufungen, weil sie die Intensität beim Einfärben des Druckstocks unmittelbar beeinflussen könne.

Eva Schwanitz: „Als Künstler kann auch mal was misslingen“

Spiegelungen auf dem Wasser und das leichte Kräuseln von Wellen seien schwierig, weil sie in ihrem Metier immer ein „negatives“ Verfahren praktiziere. „Ich muss nach jedem Druckvorgang jene Farbteile wegschneiden, die bleiben sollen.“ Das Schneiden ins Holz verlange gleichzeitig Mut zur Zerstörung und Einfühlungsvermögen, wird Eva Schwanitz im Begleittext zur Ausstellung zitiert. „Kunst macht man nicht auf sicherem Terrain. Als Künstler kann auch mal was misslingen, dann werfe ich’s weg und mache es noch mal“, konkretisiert sie das Zitat im Laufe der Führung.

Nun beginnt die Winnender Periode

Sie erzählt, dass Matisse im Studium ihr Sternchenthema gewesen sei. Er habe Bilder geschaffen, die man genießen kann vom Lehnsessel aus, die eine sinnliche Ausstrahlung haben, die keine Probleme machen. „Das wollte ich auch in meiner Kunst machen.“ Sie spricht von einer „inneren Resonanz zu ihren Bildern“, diese spiegeln ihr eigenes Befinden, ihr Grundgefühl wider. Und das könne eben mal „etwas Spitzes“ haben wie eines ihrer Schilfbilder und ebenso eine feine Weichheit ausstrahlen wie die Zweige bei Sonnenuntergang im Zipfelbachtal. Die Lichtstimmungen, die sie einfängt und künstlerisch interpretiert, seien für sie auch ein Weg, mit dem sie sich ihren neuen Wohnort in Winnenden erschließen konnte.

Etliche Werke sind noch in ihrem ehemaligen Domizil in Hanweiler entstanden, ein Abendhimmel mit Blickrichtung nach Korb oder eine Morgenstimmung im Zipfelbachtal.

Und so bejaht Eva Schwanitz die Frage einer Teilnehmerin während der Führung: Es habe bei der Künstlerin eine Hanweiler Phase gegeben, nun sei die Zeit für eine Winnender Periode angebrochen - sowohl künstlerisch wie auch im Alltagsleben.

Von ihrer neuen Wohnung auf dem Kronenplatz schaut sie in den Himmel über den Dächern von Winnenden. Sie liebt diesen unverstellten Blick, ganz besonders bei Sonnenuntergang, weil sich dann am Firmament die faszinierenden Momente des Übergangs von Hell über Blau zu Nachtschwarz vollziehen, von Eva Schwanitz „transistorische Momente“ genannt.

Seit 1976 setzt sich Eva Schwanitz mit Sonnenuntergängen und der Transformation des Lichts auseinander. In der Ausstellung

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