Winnenden

Ist der DLRG Stützpunkt Winnenden die Rettung in der Personalnot der Bäder?

DLRG
Patrick Klein zeigt beim DLRG-Training am Montagabend im Wunnebad, wie man einen Bewusstlosen aus dem Wasser zieht. © Benjamin Büttner

Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) ist in doppelter Hinsicht Retter in der Not: Sie springen in Freibäder und Seen, wenn jemand seine Kräfte überschätzt hat oder bewusstlos wird. Und sie springen als Aufsichtspersonal ein. (Noch) nicht regelmäßig, aber am 2. Juli, an einem Samstag mit absolutem Badewetter, retteten drei Ehrenamtliche spontan vielen Gäste des Höfener Mineralfreibads den Tag. Sie halfen dem Wunnebad-Team bei den Aufsichten, so dass die Stadtwerke einen ihrer Mitarbeiter nach Höfen schicken konnte.

Als Vorstandsmitglied Marvin Eisenmann (33) jedoch zweimal nacheinander in Artikeln unserer Zeitung von der „DLRG Bittenfeld“ las, meldete er sich zu Wort: „Den Stützpunkt Winnenden gibt es noch immer, auch wenn wir uns vor acht Jahren mit Bittenfeld zusammengetan haben. Wir sind 460 Kameradinnen und Kameraden. Die Hälfte des Vorstands und die Hälfte der Ausgebildeten im Wasserrettungsdienst kommt aus dem Raum Winnenden. Montagabends findet Training im Wunnebad statt.“ Es sei also nur fast richtig, wenn der SV-Vorsitzende Hans-Jürgen Will feststellt, dass der ganze Kreis im Wunnebad schwimmt, es aber keinen Winnender Schwimmverein gebe. Drei DLRG-Gruppen treffen sich jeden Montag um 19.30 Uhr dort, die neun bis zwölf Jahre alten Juniorretter, die Goldgruppe und die aktiven Rettungsschwimmer. Der stellvertretende Ausbildungsleiter Patrick Klein (20) aus Leutenbach ist meist dabei, und er war auch einer der drei Ehrenamtlichen, die am 2. Juli eingesprungen sind.

Rettungsschwimmer-Nachwuchs schwindet, Verein will sichtbarer werden

Also hat die Stadt nach wie vor einen Schwimmverein, aber wenn die SV eine Schwimmabteilung gründen möchte, begrüßt Marvin Eisenmann das ausdrücklich: „Unser satzungsgemäßer Auftrag ist, aus jedem Nichtschwimmer einen Schwimmer und aus jedem Schwimmer einen Rettungsschwimmer zu machen.“ Wie beim Bäderpersonal sieht es nämlich auch zurzeit bei ehrenamtlichen Lebensrettern aus: Mau, es fehlt an Leuten. „Immerhin stehen wir bei der Jugend noch sehr gut da“, sagt Patrick Klein für seinen Verein.

Früher war’s aber leichter mit der Nachwuchsgewinnung, auch, weil die DLRG in vielen öffentlichen Bädern und an Badeseen präsent war: „Ich bin ein DLRG-Kind, seit 33 Jahren Mitglied, und war mit meinem Vater regelmäßig in der Rettungswache des Höfener Bädles“, erzählt Marvin Eisenmann. „Irgendwann war die Unterstützung durch Ehrenamtliche aber nicht mehr gewünscht.“ Auch anderswo lief das so, im Kreis sind DLRG-Aktive nur an zwei Badeseen regelmäßig im Einsatz.

In Winnenden wurde der DLRG dann auch noch für den Bau des Blockheizkraftwerks am Wunnebad die Garage fürs Einsatzfahrzeug genommen. „Das steht jetzt in Bittenfeld, es ist umständlich und kostet Zeit, wir müssen es dort holen“, sagt Klein. Und als für die Bäderverwaltung Container aufgebaut wurden, waren auch Schulungsraum, Spinde und Wäscheleinen perdu.

Vor acht Jahren, sagt Eisenmann, habe die DLRG Winnenden „dasselbe Problem bekommen wie der Radclub ‘93: Niemand wollte den Vorsitz übernehmen. Daher wandten wir uns an die Ortsgruppe Bittenfeld, unsere kleine Schwester, damit sie uns mitverwaltet, uns sozusagen adoptiert.“

Patrick Klein und Marvin Eisenmann finden es zwar schade, dass sich die DLRG nicht zu Wort gemeldet habe, als die Planung für die Wunnebaderweiterung begann, sie hätten ihren Stützpunkt wieder neu etablieren können. „Dann wären wir in Winnenden wieder sichtbar.“ Aber immerhin habe der Vorstand nun „mit den Stadtwerken erste Gespräche geführt, wie wir die Bäderleitung unterstützen könnten“. Eisenmann sagt, spruchreif sei zwar noch nichts, „aber wir haben die Kompetenz und die Ausgebildeten“. Wichtig für sie sei jedoch, dass die Einsätze im Voraus geplant werden. Als Bezahlung gibt es für den Einzelnen nichts, nur der Verein erhält Geld vom Auftraggeber. Derart geregelt ist der DLRG-Einsatz im Waldfreibad Bittenfeld.

Erschreckende Schwimmdefizite bei Kindern beobachtet

Ein Kooperationsanfang gemacht wurde auch mit dem großen Schwimmabzeichentag im Wunnebad. Sehr viele Kinder kamen. „Da haben wir aber auch die Defizite der Kinder gesehen, es war erschreckend. Fünf oder sechs schafften das Seepferdchen nicht, weil sie sich nicht trauten, mit dem Kopf unter Wasser zu gehen, um einen Ring hochzuholen“, berichtet Marvin Eisenmann. Kein Wunder, dass die Wartelisten für Kinder-Schwimmkurse lang sind, „der Bedarf ist sehr hoch“, so Patrick Klein. Und der Platz in den Schwimmbecken ist begrenzt, auch deshalb freuen sich die beiden Männer über den Bau eines Lehrschwimmbeckens fürs Wunnebad.

Doch eine Rettungsschwimmerausbildung kann der DLRG-Stützpunkt Winnenden auch dann nicht vor Ort anbieten, wenn es fertig ist: „Ein großer Raum für Theorie und Erste Hilfe sowie die Möglichkeit für die Funkschulung fehlen uns hier“, so Eisenmann.

Tipps fürs Schwimmen an heißen Tagen

Für die anhaltende Hitzewelle hat Rettungsschwimmer folgende Tipps parat: „Der Körper kann die Temperaturunterschiede zwischen heißer Luft und kaltem Wasser nicht gut ausgleichen, es kann zum Kollaps kommen.“ Also vorher abduschen und langsam ins Wasser gehen. Ebenso sollte man nicht gleich nach einem üppigen Essen baden, das ist genauso gefährlich.

Ansonsten empfiehlt der stelvertretende Ausbildungsleiter, das Schwimmen zu üben. „Viele denken, sie können es, überschätzen aber ihre Kräfte.“ Das betrifft Erwachsene, aber auch Jugendliche, die immer nur im Erlebnisbecken des Wunnebads baden, wo ihnen das Wasser nur bis zum Bauchnabel reicht. „Das sind dann die, die beim Schultriathlon mit allen Vieren rudern.“

Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) ist in doppelter Hinsicht Retter in der Not: Sie springen in Freibäder und Seen, wenn jemand seine Kräfte überschätzt hat oder bewusstlos wird. Und sie springen als Aufsichtspersonal ein. (Noch) nicht regelmäßig, aber am 2. Juli, an einem Samstag mit absolutem Badewetter, retteten drei Ehrenamtliche spontan vielen Gäste des Höfener Mineralfreibads den Tag. Sie halfen dem Wunnebad-Team bei den Aufsichten, so dass die Stadtwerke einen ihrer

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