Winnenden

Jetzt wohnt ein Wanderfalkenbaby auf dem Kärcherareal in Winnenden

Wanderfalke
Ein Wanderfalke mit seinem Nachwuchs (rechts). Aus dem zweiten Ei ist kein Greifvogelbaby geschlüpft. In Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr 253 Wanderfalkenpaare nachgewiesen. © Webcam

„Endlich“, sagt Werner Fleischmann vom Naturschutzbund (Nabu). „Nach etwas mehr als fünf Jahren ist ein Wanderfalkenpärchen in den Nistkasten auf dem Kärcherareal gezogen und hat jetzt sogar Nachwuchs bekommen.“

In 26 Metern Höhe befindet sich das Domizil der Greifvogelfamilie auf dem ehemaligen Ziegeleigelände, ganz in der Nähe des Aldi-Markts und gut sichtbar vom Leutenbacher Mühlefeld aus. Dort hat die Firma Kärcher im Jahr 2015 den Nistkasten für 15 000 Euro errichten lassen, mitsamt Kameraüberwachung im Inneren. Von 2016 bis 2019 haben Turmfalken dort gewohnt. Weshalb das Wandervogelpärchen ausgerechnet jetzt in den Nistkasten gezogen ist? „Ganz sicher können wir das nicht sagen“, erklärt William Patrick, der sich ebenfalls für den Nabu engagiert. „Wir vermuten, dass es sich um Falken handelt, die ursprünglich im renaturierten Steinbruch bei Weiler zum Stein beheimatet waren.“ Dort könnten sie von einem Uhu vertrieben worden sein. „Oder auch von Nilgänsen, die es inzwischen auch bei uns gibt. Sie sind nicht so stark wie die Wanderfalken, können aber unheimlich nerven. Möglicherweise war das zu viel Stress für das Wanderfalkenpaar.“

Die Brutphase beginnt eigentlich bereits im März

Anfang Mai bemerkte Werner Fleischmann bei einem Rundgang über das Gelände, dass ein Wanderfalke über ihm kreist. „Sofort habe ich bei Kärcher Bescheid gegeben, dass sie sich die Bilder der Kamera im Inneren des Nistkastens anschauen sollen. Und tatsächlich: Da war ein Falkenpärchen zu sehen und auch zwei Eier“, erzählt Fleischmann, der Kärcher als Vogelwart berät und sich auch um die anderen Nistkästen auf dem Areal kümmert. Er vermutet, dass das andere Ei eventuell nicht befruchtet wurde.

Wanderfalke
Werner Fleischmann (links) und William Patrick vom Nabu. Zwischen den beiden ist in der Ferne der Nistkasten zu sehen, der auf einem Mast in 26 Metern Höhe angebracht ist. © Gabriel Habermann

„Es ist ungewöhnlich, dass dort nur ein Falkenjunges geschlüpft ist. Aber so ist die Natur“, sagt William Patrick. Ursprünglich sei die Brutphase im März und dauere 30 Tage. Der Winnender Nachwuchs kam allerdings erst deutlich später zur Welt. Auch das sei sehr ungewöhnlich.

Wanderfalken sind ihrem Standort normalerweise treu

Ob der Nachwuchs männlich oder weiblich ist? „Da nur ein Falke geschlüpft ist, haben wir keinen Vergleich. Daher ist das schwierig einzuschätzen. Die Weiblein sind etwas stabiler gebaut als die Männlein. Auf den Fotos sieht es daher eher nach einem Weiblein aus.“ Seit man bei Kärcher von dem Falkenpärchen im Nistkasten weiß, habe man dort festgestellt, dass es weniger Tauben gibt, erklärt Fleischmann. „Gerade die jungen Wanderfalken fressen das Brustfleisch von Tauben, da es sehr zart ist“, sagt Patrick. Die Falken stürzen sich aus extremer Höhe mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde auf ihre Beute, schnappen sie sich im Flug und gewinnen dann wieder an Höhe. Das Revier eines Wanderfalkenpaares ist zwölf Quadratkilometer groß. Für den Nachwuchsfalken geht im Moment noch der Vater jagen. Er rupft die Beute im Anschluss auch für das Baby. Die Mutter kümmert sich die meiste Zeit darum, dass es ihm gutgeht. „30 Minuten am Tag muss allerdings auch sie raus aus dem Kasten und fliegen“, sagt Fleischmann. „Wir hoffen, dass es den Falken hier gefällt und dass sie auch eine Weile bleiben. Normalerweise sind sie standorttreu.“