Winnenden

Johanna Widulski ist Kauffrau in Winnenden, aber in erster Linie globale Aktivistin

nachhaltige Kleidung
Im weiß-roten Haus neben dem Torturm an der Marktstraße gibt’s ab sofort grüne Mode. © ALEXANDRA PALMIZI

„Ich bin Aktivistin für saubere Kleidung – aber eine friedliche“, sagt Johanna Widulski von „Green Lavadee“, dem Faire-Mode-Laden. Mit sauber meint sie nichts, was man mit Waschmittel beheben könnte – es geht um die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und Färber. Es geht um die Umwelt und wie viel beziehungsweise wenig Gift beim Anbau der Baumwolle in ihr landet, um Verarbeitung, Verpackung und Transport. Und letztlich geht es auch um den Träger der Kleidung, sie soll nichts Schädliches mit der Haut in Kontakt bringen. Damit ist aber noch nicht Schluss: Was passiert, wenn die Jeans zerrissen ist? Forscher arbeiten an Fasern, die eingewoben werden können.

Tauschen statt Wegwerfen

Bis es so weit ist, gilt: „Biobaumwolle verrottet, Polyester nicht“, so Johanna Widulski. Auch deshalb empfiehlt sie Leuten, die sich neu orientieren wollen, das Alte nicht wegzuwerfen, sondern so lange wie möglich zu tragen. „Oder es mit Freunden tauschen oder im Internet anbieten.“ Das sei gerade bei den Billigmarken von Kik, H&M und Primark allerdings oft nicht möglich: „Die Kleidung soll schnell kaputtgehen.“ Das meiste Geld stecken diese Konzerne in eine Menge Kollektionen, 56 jedes Jahr, und Marketing. „Öko-faire Mode kommt mit zwei Kollektionen aus und ist deshalb nicht teurer.“ Und weil ein T-Shirt zwar nicht zwei, sondern 20 Euro kostet, aber eben deutlich länger hält. Widulski fordert von der Politik: „Wir brauchen in der EU einheitliche Gesetze, wir Deutschen prüfen die Produktionsbedingungen viel zu wenig und haben zu lasche Strafen.“