Winnenden

Joint an Minderjährigen weitergereicht: Mann verurteilt

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Symbolbild. © Anne-Katrin Schneider

Winnenden/Waiblingen. Ein inzwischen 22-jähriger Winnender hat Marihuana geraucht und seinen Joint auch an einen damals 15-Jährigen gereicht. Richter Kärcher verurteilte den Mann zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Am 10. Juli 2018 rauchte der Angeklagte beim Lessing-Gymnasium Marihuana. Auch ein damals 15-jähriger Bekannter war dabei. „Ich habe ihn gefragt, ob er schon mal Marihuana konsumiert hat. Das hat er bestätigt und dann habe ich ihm meinen Joint weitergereicht“, schilderte der Angeklagte den Vorfall. Der Jugendliche soll schließlich zweimal am Joint gezogen haben.

Zivilstreife beobachtet Geschehen

Pech für den Angeklagten: Eine Zivilstreife der Winnender Polizei beobachtete die beiden. Bei der folgenden Kontrolle entdeckten sie neben dem Joint beim Angeklagten weitere 0,9 Gramm Marihuana.

Als erster Zeuge war der Minderjährige geladen, der jedoch trotz mehrmaligem Aufruf von Richter Kärcher nicht im Saal erschien. Er wird in naher Zukunft dennoch vom Gericht hören. Ein Ordnungsgeld erwartet ihn. Eine Polizistin der Zivilstreife war als zweite Zeugin geladen. „Wir sahen die Jugendlichen auf einer Mauer beim Lessing-Gymnasium sitzen. Sie reichten einen Joint herum, weshalb wir sie kontrollierten. Da wir eine reine Frauenstreife waren, forderten wir zur Durchsuchung eine zusätzliche Streife an. Die Jugendlichen wirkten nicht berauscht. Sie machten einen normalen Eindruck und waren kooperativ“, erzählte sie.

Forderung am Mindestmaß

Da keine Fragen mehr offen waren, begann der Staatsanwalt mit seinem Plädoyer. Er hielt sich dabei an das Mindestmaß, das bei solchen Fällen per Gesetz möglich ist. „Er hat die Tat eingeräumt. Allerdings kommt er nicht in die Pötte. Das sind die typischen Folgen, die der Drogenkonsum mit sich bringt“, kommentierte er die privaten Umstände des Angeklagten, der aktuell arbeitslos gemeldet ist und Unterstützung von seinen Eltern bekommt. Seine Ausbildung hat er noch nicht ganz abgeschlossen, er suche derzeit einen Betrieb für seine mündliche Abschlussprüfung.

„Man könnte zwar sagen, der Angeklagte hat den Minderjährigen bloß ziehen lassen, aber so geht es ja auch nicht“, fuhr der Staatsanwalt fort. „Ich halte daher eine einjährige Bewährungsstrafe, fünf Gespräche bei der Drogenberatung, drei Drogenscreenings und 40 Stunden gemeinnützige Arbeit für gerechtfertigt.“ Der Verteidiger des Angeklagten stimmte dem Staatsanwalt zu. „Sie haben für meinen Mandanten die günstigste Variante geboten. Daher schließe ich mich Ihnen an.“

Bewährungshelfer soll unterstützen

Nach einer kurzen Bedenkpause stimmte auch der Richter dem Plädoyer des Staatsanwalts zu. „Ich habe mich bei der Urteilsfindung an die Plädoyers des Staatsanwalts und des Verteidigers gehalten. Der Lebenswandel des Angeklagten ist fragwürdig und lässt für die Zukunft nichts Gutes erahnen. Viele junge Leute sitzen hier auf der Anklagebank wegen ähnlicher Vergehen und finden nicht mehr richtig zurück ins Leben“, sagte Kärcher. Deshalb solle ein Bewährungshelfer dem 22-Jährigen dabei helfen, wieder in geordnetere Verhältnisse zu kommen. „Er kann Ihnen Hilfestellungen bieten, zum Beispiel bei Bewerbungen. Er überwacht allerdings auch, ob Sie nur zugedröhnt zu Hause rumhängen. Verstoßen Sie gegen die Bewährungsauflagen, dann droht das Gefängnis“, so der Richter weiter.