Winnenden

Junges städtisches Orchester Winnenden bläst dem Oldie Stadtkapelle den Marsch

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Das Städtische Blasorchester Winnenden unter Leitung von Thomas Kratzer beim Auftritt in der Hermann-Schwab-Halle. © Gabriel Habermann

Die Anfangszeit der 1921 gegründeten Stadtkapelle Winnenden fiel in die sogenannten „Roaring Twenties“. Das Städtische Blasorchester Winnenden (SBOW) nahm beim am Sonntag nachgeholten Jubiläumskonzert in der Hermann-Schwab-Halle den mitreißenden Schwung jener Jahre auf. Der beineschüttelnde „Revival Rag“ von 1920 war nicht nur nostalgische Erinnerung, sondern lebendig in die Gegenwart gehobene Musikgeschichte. Das sehr junge Blasorchester widmete sich unter professioneller Führung von Thomas Kratzer im Jubiläumspart seines Gratulationsprogramms dann auch noch dem kecken Repertoire der noch immer bezaubernden „Comedian Harmonists“ mit den Evergreens „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Ein Freund, ein guter Freund“ und schließlich auch dem triumphalen 76er-Marsch. Schmäh und Unterhaltung als Gegengift in unruhigen Zeiten. Auch dazu ist Musik manchmal vonnöten, wie dieses abwechslungsreiche Konzert mit seinen fein arrangierten Stücken in sattem Orchestersound zeigte. Auch das Bee-Gees-Medley „Saturday Night Fever“ machte klar: Mit 100 kann noch nicht Schluss sein. So weit unser ZVW-Kritiker Thomas Milz über seine Eindrücke vom Sonntag, dem dritten Auftritt des SBOW nach den Konzerttagen und der City-Treff-Eröffnung.

Rettungsaktion der Stadt führte zur Verjüngung – und Aufspaltung

Dabei sah es vor vier Jahren gar nicht gut aus für den Verein. Dass die Stadtkapelle nach mittlerweile 101 Jahren sagen kann, verdammt, ich lebe noch, und zwar in zweifacher Ausfertigung, hat sie Stadt, Gemeinderat und Thomas Kratzer samt seinem Chef, Musikschulleiter Mathias Mundl, zu verdanken – und den vielen jungen Musikern, die in der Musikschule ausgebildet werden und bereit sind, wichtige Anlässe wie Partnerschaftsbesuche, Festeröffnungen oder den Neujahrsempfang zu begleiten. Da sich 2018 abzeichnete, dass die Stadtkapelle im Heimattagejahr nicht spielfähig sein würde – 40 Musiker gelten als angemessene Größe –, wurde das Stadtorchester als Interimslösung und musikalisches Aushängeschild für die Stadt ins Leben gerufen. 2020 beschloss der Gemeinderat, ein Städtisches Blasorchester Winnenden (SBOW) weiter komplett mit 22.000 Euro im Jahr zu finanzieren (parallel zum 8000-Euro-Jahreszuschuss für die Stadtkapelle).

Das bedeutet aber auch: Die jungen Musiker/-innen des SBOW sind nicht Mitglied im Verein Stadtkapelle. Und nicht alle verbliebenen Musiker des Kernorchesters Stadtkapelle sind zum SBOW gewechselt. Die Zweite Vorsitzende Karin Wanek sagt: „Aus persönlichen Gründen, oder weil ihnen die Titel im Rock-Pop-Ensemble besser gefallen, blieben sie beim für Neu- und Wiedereinsteiger gedachten Ensemble Stacapo.“ In dieser Combo traten jetzt am Sonntag 22 Musiker unter Leitung von Jürgen Berger auf, acht Saxofonisten haben sich unter seiner Leitung ebenfalls zu einem Ensemble zusammengetan.

Und so fand unser Kritiker Thomas Milz das verbliebene Stadtkapellen-Ensemble: Die Formation Stacapo trat mit einem swingenden „Puttin’ on the Ritz“ von Irvin Berlin aus dem Jahr 1929 auf, das Dagmar Delingat mit ganz hinreißend frivolem Charme und äußerst rhythmisch vokalisierte. Mit seinem inspirierenden Dirigenten Jürgen Berger bot Stacapo außerdem eine ziemlich zündende Coverversion von Deep Purples’ Rock-Klassiker „Smoke on the Water“.

Ehrungen für extrem lange Mitgliedschaften vor 350 Zuhörern

Nur neun Stadtkapellen-Mitglieder, unter ihnen aber auch die beiden Vorsitzenden Karin Wanek und Peter Lauschke, spielen im 35-köpfigen SBOW mit. „Wir sind zufrieden mit dem Jubiläumskonzert, es war für unseren Verein gleichwohl ein Kraftakt", sagt Wanek und findet es schade, dass nur etwa 300 bis 350 Zuhörer den Weg in die Halle gefunden haben. Eigentlich sollte das Konzert früher stattfinden, doch der Antrittsbesuch in der neuen österreichischen Partnergemeinde, in der auch die Vorsitzenden Kontakte knüpften, sorgte für die Verschiebung. Und so konnten nun auch Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und das Winnender Mädle Giuliana di Donna die Ehrungen für verdiente Mitglieder der Stadtkapelle vornehmen.

Bereits im Jahr 2020 war Andreas Kohlert 30 Jahre aktives Mitglied, er erhielt die Ehrennadel in Gold, Franz Kutska kommt sogar auf stolze 70 Jahre aktive Mitgliedschaft. Für ihn gab's eine Ehrennadel in Gold mit Diamant.

Im Jahr 2021 gehörte Karin Wanek zehn Jahre aktiv zur Stadtkapelle (Ehrennadel in Bronze), Peter Lauschke erhielt die Förderermedaille in Bronze für sein Ehrenamt, Armin Egitsch für 20 Jahre im Ehrenamt die Förderernadel in Gold. Aktuell ist die Ehrung für Heiner Tressl, 2022 ist er 60 Jahre aktives Mitglied und erhielt dafür die Ehrennadel in Gold mit Diamant.

Die Anfangszeit der 1921 gegründeten Stadtkapelle Winnenden fiel in die sogenannten „Roaring Twenties“. Das Städtische Blasorchester Winnenden (SBOW) nahm beim am Sonntag nachgeholten Jubiläumskonzert in der Hermann-Schwab-Halle den mitreißenden Schwung jener Jahre auf. Der beineschüttelnde „Revival Rag“ von 1920 war nicht nur nostalgische Erinnerung, sondern lebendig in die Gegenwart gehobene Musikgeschichte. Das sehr junge Blasorchester widmete sich unter professioneller Führung von Thomas

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