Winnenden

Kärcher-Archivar Oliver Häuser: Kein Besuch in der Heimat - Weihnachten per Video

Oliver Häuser
Kärcher-Archivar Oliver Häuser. © privat

Der unverwechselbare Geruch im Elternhaus, Umarmungen mit Mama, Papa, den Geschwistern, das Geräusch, wenn sie ihre Geschenke auspacken, im Hintergrund das Knistern und Knacken des Kaminofens. „All das wird mir in diesem Jahr fehlen“, erzählt Oliver Häuser. Wegen der Corona-Pandemie wird es für ihn seit Jahren das erste Weihnachtsfest ohne seine Eltern und Geschwister. „Das Risiko, dass ich sie anstecken könnte, ist mir einfach zu groß. Der Vater ist über 80, die Mutter über 70 Jahre alt“, erklärt er. Außerdem wolle er in der aktuellen Situation nicht mit der Bahn durch die Republik fahren.

Besinnlich - Auch über das Telefon

Der 47-Jährige ist Archivar bei der Firma Kärcher, kümmert sich um alte Fotos, Zeichnungen und Maschinen. Er stammt ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen (NRW), wohnt in Stuttgart, seine Frau in der Schweiz. „Wir führen, wenn man so will, eine Wochenendbeziehung“, erzählt er. Mal komme seine Frau nach Stuttgart, mal er in die Schweiz. Die Koordination des Weihnachtsfests macht das nicht unbedingt einfacher. Die Tatsache, dass seine Eltern in NRW leben, ebenfalls nicht. „Wir haben uns entschieden, dass ich gemeinsam mit meiner Frau in der Schweiz feiere. Dieses Jahr wird eben alles ein bisschen kleiner ausfallen“, weiß Häuser. Er hofft, dass auch andere das so sehen. „Im Kampf gegen das Virus müssen wir jetzt einfach Kontakte reduzieren“, mahnt der Archivar. Da sei es eben nötig, auch mal Entscheidungen zu treffen, die nicht so leichtfallen. „Es wird ein Fest, ohne den positiven Trubel der Familie. Glücklicherweise ist meine Mutter noch fit, auch was den Umgang mit dem Handy angeht. Wir werden uns bestimmt per Video zusammenschalten. Vielleicht bekomme ich so auch einen Rundgang durch das Elternhaus. Auch per Video ist es möglich, Besinnlichkeit herbeizuzaubern“, freut sich Häuser, der gespannt auf den Moment ist, wenn er seine Eltern zumindest am Bildschirm wiedersieht. „Können sie lachen? Sieht man ihnen die Freude an? Das sind die Fragen, die ich mir stelle“, erzählt Häuser.

Ungewöhnlich - Keine Gutsle, kein Weihnachtsbaum

Ihm ist bewusst, dass es nicht dasselbe Weihnachtsfest wie üblich wird. Einen Weihnachtsbaum gibt es nicht. „Die Eltern haben immer einen, wir verzichten in diesem Jahr“, erklärt der 47-Jährige. Dementsprechend gebe es kein Grün, kein Lametta und keine Kerzen. „Die Gutsle fehlen in diesem Jahr auch“, meint er. Moment mal. In Nordrhein-Westfalen sagt man Gutsle? „Meine Mutter kommt ursprünglich aus Schorndorf“, erklärt der Archivar. Das habe ihm den Einstieg im Schwabenland deutlich erleichtert, den Dialekt habe er so bereits gekannt.

Inzwischen ist er in der Region heimisch. „Ich habe schon in Tübingen studiert, bin gewissermaßen in die Fußstapfen meines Vaters getreten, der das auch getan hat“, schildert Häuser. Bei Kärcher arbeitet er nun seit über elf Jahren. Momentan erlebt auch er die wohl ungewöhnlichste Zeit seiner beruflichen Laufbahn. „Ich arbeite viel im Home-Office“, sagt Häuser. Wie ist das als Archivar überhaupt möglich? „Wir haben sehr viel digitalisiert, so dass das auch von zu Hause funktioniert“, versichert Häuser.

Sehnsüchtig - Zur Ruhe kommen mit der Frau

So konnte er beispielsweise auch schon vor dem ersten Lockdown von der Schweiz aus arbeiten. „Mitte März hieß es dann plötzlich ´Die Grenzen machen zu‘. Ich bin in aller Frühe losgefahren und habe es gerade noch rechtzeitig nach Deutschland geschafft“, erinnert er sich. Für ihn und seine Frau begann dann eine Zeit, in der sie sich über Wochen nicht mehr gesehen haben. „Im Oktober und November war es wieder so. Hier haben wir allerdings freiwillig verzichtet. Dieses Jahr ist geprägt von größeren Phasen des Nichtsehens“, schildert Häuser. Man müsse permanent ein offenes Ohr haben. „Wir leben mit einer Unberechenbarkeit, da man nie weiß, welche Entscheidungen als Nächstes getroffen werden“, so Häuser. Umso wichtiger sei es, über die Feiertage zur Ruhe zu kommen. „Und sich dann endlich wieder länger zu sehen.“

Der unverwechselbare Geruch im Elternhaus, Umarmungen mit Mama, Papa, den Geschwistern, das Geräusch, wenn sie ihre Geschenke auspacken, im Hintergrund das Knistern und Knacken des Kaminofens. „All das wird mir in diesem Jahr fehlen“, erzählt Oliver Häuser. Wegen der Corona-Pandemie wird es für ihn seit Jahren das erste Weihnachtsfest ohne seine Eltern und Geschwister. „Das Risiko, dass ich sie anstecken könnte, ist mir einfach zu groß. Der Vater ist über 80, die Mutter über 70 Jahre alt“,

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