Winnenden

Kärcher lässt drei Häuser am Amselweg Winnenden abreißen – wozu?

Amselweg Abriss
Amselweg 2, 4 und 6 werden in den nächsten Wochen abgerissen. © Gabriel Habermann

Am Amselweg geht es zurzeit wenig idyllisch zu. Statt zarter Vogelgesänge sind röhrende und scheppernde Abrissbagger zu ertragen. In der Nachbarschaft schrillen darob die Alarmglocken: Weichen drei Wohnhäuser nun Mitarbeiter-Parkplätzen der Firma Kärcher? Unsere Zeitung hat nachgefragt.

Eins stimmt: Die Entkernung der Häuser Amselweg 2, 4 und 6 hat vor Weihnachten begonnen, der Abriss startet jetzt und wird rund dreieinhalb Wochen dauern. Umgehend entkräftet der Chef der Kärcher-Presseabteilung, David Wickel-Bajak, jedoch die Mutmaßung, dies geschehe für neue Parkplätze, das ist falsch. „Die schon seit langer Zeit an der Alfred-Kärcher-Straße vorhandenen Parkplätze reichen vollkommen aus.“ Dass für die einst an einer anderen Ecke am Amselweg auch Wohnhäuser gekauft und abgerissen wurden, sei möglich, aber schon sehr, sehr lange her.

Auch stehe das visionäre Projekt eines neuen siebenstöckigen Bürogebäudes neben dem Feuerwehrmuseum und daneben einem Parkhaus mit Betriebsrestaurant noch nicht bevor und sowieso nicht in einem Zusammenhang mit dem Häuser-Abriss.

Erst glaubt man, sich verhört zu haben, doch es ist nicht das erste Öko-Projekt

Die schier unglaubliche Antwort auf unsere Frage, warum die Wohnhäuser entfernt werden, lautet: „Die Flächen werden renaturiert.“ Wir glauben, uns verhört zu haben, aber nein, so ist es, eine ökologische Aufwertung findet dort statt, wo bisher Wohnhäuser und Gärten (und Aussagen einer Nachbarin zufolge auch Tannen) waren.

Die Firma Kärcher soll also wertvolles Bauland in bester Lage einfach so nicht nutzen? Nicht einmal für die eigene Entwicklung? Plausibel ist das deshalb, weil sie in den vergangenen Jahren sehr wohl ein hohes Engagement an den Tag gelegt hat, was die Pflege des großen Biotops auf dem Ziegeleiareal angeht. Sie hat die Brache nicht einfach bebaut, sondern der Natur einen wertvollen Bereich gelassen. Und was die Anlage des Gartens und der Rabatten rings um das neue Bürogebäude auf dem Ziegeleiareal angeht - alles ist mit regionstypischen Pflanzen und mit viel offenem Boden, also insektenfreundlich gestaltet. Im Innenhof verbringen Mitarbeiter auch ihre Pausen, der Mensch wird nicht ganz ausgeschlossen – und so ähnlich wird es mit der neuen Fläche am Amselweg auch sein. 

Die Grundstücke waren für die Anbindung des Stegs über die Gleise notwendig

„Aus den Bauplätzen wird Wiese, und sie erhält auch eine noch zu definierende Bepflanzung, auch die Bäume werden ersetzt“, sagt David Wickel-Bajak. „Es wird auch eine Sitzbank geben.“ Gegenüber befinden sich schon länger ebenfalls eine Wiese und ein Teich und hier sei auch der Platz, wo die Kärcher-Bienenstöcke stehen. „Die Gebäude wurden von uns nicht genutzt. Sie standen schon lange leer", sagt Wickel-Bajak.  "Sie befinden sich auf dem Firmengelände und sind durch einen Zaun vom Amselweg abgetrennt.“ Dass hier Wohnraum vernichtet wird, diesem Anwurf kann der Pressechef keine Brisanz abgewinnen.

Stattdessen lädt er ein, über das Internetprogramm Google Maps und die Satellitendarstellung das Gelände von oben anzuschauen. Hier erkennt man genau, dass vom Kärcher-Stammsitz ein Fußweg durch die Gärten der drei Abrisshäuser zum Steg führt, der das alte mit dem neuen Gelände verbindet und über die Bahn-Schienen führt. Am Luftbild kann man auch gut die Dimensionen ablesen, die Betriebsgebäude haben und brauchen, und wie winzig im Vergleich dazu die Wohnhäuser wirken.

Kärcher fördert die Nutzung von Bus, Bahn und Fahrrad

Im Übrigen, sagt David Wickel-Bajak, setzt die Firma Kärcher nicht nur darauf, Parkplätze für die Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, sie schafft durchaus auch Anreize, dass diese die Bahnhof- und Busbahnhofnähe für die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad nutzen.

„Auszubildende und Duale-Hochschule-Studenten erhalten 85 Prozent des Ticketpreises, alle anderen 60 Prozent“, zählt der Pressechef auf, „in Winnenden gibt es mehr als 200 Rad-Stellplätze (größtenteils überdacht), Schließfächer, Umkleideräume, Duschmöglichkeiten. An den Pforten können Pannensets kostenlos genutzt werden.“ Fahrrad-Leasing (einschließlich E-Bikes) wird angeboten und alle, die regelmäßig mit dem Rad kommen, nehmen an Verlosungen mit Geldpreisen teil. Kürzlich wurde Kärcher mit dem Zertifikat Silber des Programms ,Fahrradfreundlicher Arbeitgeber' von EU und ADFC ausgezeichnet.

Am Amselweg geht es zurzeit wenig idyllisch zu. Statt zarter Vogelgesänge sind röhrende und scheppernde Abrissbagger zu ertragen. In der Nachbarschaft schrillen darob die Alarmglocken: Weichen drei Wohnhäuser nun Mitarbeiter-Parkplätzen der Firma Kärcher? Unsere Zeitung hat nachgefragt.

Eins stimmt: Die Entkernung der Häuser Amselweg 2, 4 und 6 hat vor Weihnachten begonnen, der Abriss startet jetzt und wird rund dreieinhalb Wochen dauern. Umgehend entkräftet der Chef der

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