Winnenden

Kärcher plant ganz groß am Bahnhof in Winnenden

kärcherbahnhof
Eine Visualisierung der Architekten zeigt: Die Fassade des künftigen Parkhauses wird begrünt, und das Bürohaus beim Busbahnhof wird viel höher als der bestehende Kärchersteg. © Kärcher

Kärchers neueste Baupläne kommen einigermaßen unerwartet in der Coronazeit. Direkt an den Bahnschienen und an der Alfred-Kärcher-Straße möchte die Firma in nächster Zeit zwei mächtige, stadtbildprägende Gebäude bauen: ein siebenstöckiges Bürogebäude und ein Betriebsrestaurant mit drei Parkebenen darunter. Die Pläne sind in der Anfangsphase. Noch besteht nicht einmal ein Bebauungsplan, aber der ist seit Dienstag dieser Woche im Entstehen. Ziemlich konkret sind jetzt schon die Ideen und Vorstellungen der Kärcher-Bauabteilung, und sie fließen bereits in den Bebauungsplan mit ein, für den das Stuttgarter Architekturbüro Baldauf Vorentwürfe liefert, die das Winnender Amt für Stadtentwicklung prüft und in einem Bebauungsplanentwurf einarbeitet. Im Entwurf der Stadt stehen beide Gebäude drin. Der Gemeinderat hat seine Weiterentwicklung fast einstimmig genehmigt, nur ALi-Stadträtin Rahel Dangel konnte sich am Dienstag weder zu einem Nein noch zu einem Ja durchringen und enthielt sich der Stimme.

„Das Bauwerk ist sehr ansprechend, sehr ambitioniert“

Alle anderen stimmten zu, und einige äußerten sich begeistert. „Die Bauvorhaben werden diesen Bereich aufwerten“, meint Thomas Traub (CDU). „Das Bauwerk ist sehr ansprechend, sehr ambitioniert. Man wird sich an die Größe gewöhnen müssen“, meint Christoph Mohr (ALi). Die Ausmaße werden in der Tat eindrucksvoll: 22 Meter hoch wird das langgestreckte Parkhausgebäude mit dem Betriebsrestaurant obendrauf. Auf drei Ebenen werden Autos von Kärcher-Mitarbeitern parken. Auf der höchsten Ebene plant die Bauabteilung von Kärcher ein Tonnendach für das Betriebsrestaurant und eine großzügige Freiterrasse. Höher als das Feuerwehrmuseum wird dieses eine Bauwerk, und es ist von beiden noch das niedrige. Das siebenstöckige Bürogebäude wird noch deutlich höher und steht nahe bei den Museumsgebäuden.

Neben dem Feuerwehrmuseum werden plötzlich mächtige Gebäude stehen

Für die Winnender und ihre Gäste, die mit der Bahn ankommen, wird sich ein völlig verändertes Stadtbild an dieser Stelle ergeben. Die große Leere neben dem Feuerwehrmuseum wird plötzlich mit mächtigen Gebäuden ausgefüllt sein. Der Blick Richtung Gleise und auf das Kärcher-Auditorium wird nur noch beim Fußgängersteg möglich sein. Die Alfred-Kärcher-Straße wird ganz anders aussehen, aber auch einen zweiten Radstreifen und einen Gehweg bekommen. „Städtebaulich wird es ein markantes Projekt. Wie das Kreiskrankenhaus wird es von weitem sichtbar sein“, sagt SPD-Stadtrat Andreas Herfurth.

Das Tonnendach verbindet die Architektur der Moderne mit dem alten Bestand

Kärcher wird mit diesem Projekt die halbe Bahnhofsumgebung neu gestalten. Hinterm Bahnhof stehen jetzt schon das große und unverkennbare Kärcher-Auditorium und das Bürogebäude. Der Steg über die Gleise besteht bereits. Von den neuen Gebäuden wird das künftige Bürohaus ein typisches Kärchergebäude. Aber das langgezogene Betriebsrestaurant auf den drei Parkebenen wird, wenn es bei der vorliegenden Idee bleibt, eine Verbindung zwischen der Bahnhofsvorstadt, dem Bahnhof selbst und Kärcher herstellen, denn es soll ein Tonnendach bekommen. Um die Jahrhundertwende war diese Dachform sehr en vogue. Sie passt hervorragend zu den Häusern der Bahnhofsvorstadt, auch wenn sie auf ein neues, ganz modernes Gebäude gesetzt wird. Dieses Tonnendach wird dem Gebäude eine Unverwechselbarkeit geben und es zugleich gut in die Umgebung einfügen.

Das Tonnendach braucht im Raum unter sich keine Stützpfeiler

Für Kärcher selbst hat das schöne Tonnendach noch eine ganz andere, praktische Funktion: Es lässt sich stützenfrei bauen, denn die Baufachleute von Kärcher setzen auf das Konstruktionsprinzip des Merseburger Stadtbaurats Friedrich Zollinger von Anfang des 20. Jahrhunderts für freitragende Tonnendächer. Diese Konstruktion hat auch den Vorteil, dass sich viel Haustechnik, die sonst in einem argen Gewurstel auf irgendwelchen Flachdächern steht, in die Gewölbekonstruktion so einbauen lässt, dass sie nicht optisch stört, wie Bernd Haisch erklärt, der bei Kärcher das Bauwesen leitet. Die Planer sind dann absolut frei in der Innengestaltung des Betriebsrestaurants, können Abteilungen und Nischen, Ebenen und Raumhöhen gut variieren.

Die Entscheidung über den Baubeginn ist bei Kärcher noch nicht gefallen

Die große Frage ist: Wann soll der Bau dieser Projekte beginnen? „Da habe ich noch keinen genauen Zeithorizont“, sagt Haisch. Er bittet um Verständnis. Noch ist unsicher, wie es mit Corona und seinen Auswirkungen weitergeht. Wie viel Bürofläche Kärcher wann braucht und wie groß ein Betriebsrestaurant werden soll, weil zum Beispiel auch noch unklar ist, wie viele Mitarbeiter im Home-Office arbeiten werden und an wie vielen Tagen sie wieder im Büro sein werden. Es kann sein, dass Kärcher sich Zeit lässt mit diesem ambitionierten Projekt, das so kurz nach den großen Neubauten auf dem ehemaligen Ziegeleiareal kommt. Und ganz sicher brauchen auch der Bebauungsplan und die detaillierte Planung bis zur Baugenehmigung ihre Zeit.

Klimawirkung? Ein bisschen besser als der bisherige Asphaltplatz

Wie bei allen neuen Bauvorhaben stellt sich die Frage nach der ökologischen Auswirkung und nach der Klimawirkung des Projekts. Das Bauen selbst produziert CO2 – das ist immer so, und darauf wies Christoph Mohr (ALi) im Gemeinderat ausdrücklich hin. Aber wenn die neuen Gebäude mal stehen, sind sie von ihrer Klimawirkung her besser als der bisherige Asphaltparkplatz. Denn: Das Bürohaus bekommt ein Gründach, und auf den Freiflächen werden Bäume gepflanzt. Aber was ist mit dem Tonnendach? Darauf wächst kein Grün, aber Kärcher hat vor, die Fassade mit Kletterpflanzen zu begrünen, so dass zum Schluss mehr Pflanzen dort wachsen werden als bisher auf dem kahlen Platz.

Kärchers neueste Baupläne kommen einigermaßen unerwartet in der Coronazeit. Direkt an den Bahnschienen und an der Alfred-Kärcher-Straße möchte die Firma in nächster Zeit zwei mächtige, stadtbildprägende Gebäude bauen: ein siebenstöckiges Bürogebäude und ein Betriebsrestaurant mit drei Parkebenen darunter. Die Pläne sind in der Anfangsphase. Noch besteht nicht einmal ein Bebauungsplan, aber der ist seit Dienstag dieser Woche im Entstehen. Ziemlich konkret sind jetzt schon die Ideen und

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