Winnenden

Kann ein normaler Handwerker bauen in Winnendens IBA-Projekt „Produktives Stadtquartier“?

Luftbild: IBA'27 Gelände Winnenden, 02.11.2020.
Zwischen Schwaikheimer (Mitte) und Marbacher Straße (oben) entsteht das Winnender IBA-Projekt, ein gemischtes Wohn- und Gewerbegebiet. © Benjamin Beytekin

Die Stadt Winnenden wird das Büro „Jott“, den Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs für ein „produktives Stadtquartier“ zwischen Schwaikheimer und Marbacher Straße, nun auch mit der Rahmenplanung beauftragen, mit der laut Stadtentwicklungsamtsleiter Markus Schlecht „die Weichen gestellt werden. Der Bebauungsplan setzt dann nur noch dessen Vorgaben um, aber auch Ergebnisse von Fachgutachten zu Verkehrsplanung, Lärm und Landschaftsarchitektur fließen von Anfang an ein“. Der Siegerentwurf von Prof. Janna Hohn und Josh Yates fasst Gebäude in kompakten Einheiten zusammen, Häuserblöcke mit Innenhöfen, wie man sie zum Beispiel von der Winnender Bahnhofsvorstadt noch kennt.

Wohnen und Arbeiten an einem Ort: Wie ruhig wird es dort?

2000 Arbeitsplätze und Wohnraum für 500 Menschen können in dem neuen Viertel untergebracht werden. Einige Gemeinderäte hatten dazu noch Fragen. „Kann man Gewerbe und Wohnen so nah beieinander haben, geht das oder klagen die Bewohner da bald?“, fragt Stadtrat Dr. Jürgen Hägele (FDP). „Der Lärmschutz ist hoch gehängt derzeit, und ich frage mich, ob ein Bistro mit Abendgastronomie da auch im Sommer draußen bewirten kann.“

Markus Schlecht erläuterte, dass der Rahmenplan die Nutzung vorgibt und die „Lärmproduzenten“ sowie die „Wohnbereiche“ zusammenfasst, und sagt, welche Vorkehrungen zum Schutz der Bewohner getroffen werden müssen. „Es wird ein lebendiges Quartier. Wer absolute Ruhe will, muss sich etwas anderes suchen“, so der Stadtentwickler.

„Hat ein Handwerker mit 20 Mitarbeitern eine Chance, sich dort anzusiedeln? Und wie kommt er dazu?“, fragte Stadtrat Hans Ilg (FWV). „Genau die suchen wir“, sagte Markus Schlecht. Sie kommen in einer Gewerbehalle („Cluster“) unter, bauen aber nicht zwingend selbst, sondern mieten oder kaufen sich Eigentumsanteile. Demnach können sich auch mehrere Handwerker zusammenschließen, die zueinanderpassen. „Oder die noch Senioren- oder Mitarbeiterwohnungen mitdenken wollen“, ergänzte Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. „Wie viele Grundstücke wird die Stadt denn verteilen können?“, fragte Stadtrat Christoph Mohr (ALi). Markus Schlecht peilt grob über den Daumen, dass bei der amtlichen Neuordnung der 5,5 Hektar großen Fläche vielleicht 60 bis 70 Prozent bei der Stadt landen. Je nachdem, wie viel die Eigentümer verkaufen oder freihändig zukaufen.

Hilft die Internationale Bauausstellung dem Projekt?

Sicher sei aber, dass die Stadt ihre Baublöcke „nicht nach Höchstpreis, sondern nach dem besten Konzept vergeben wird“. Stadtrat Andreas Herfurth wollte wissen, wie genau die Bewertung erfolgen soll. Markus Schlecht sagte, dass er dafür auch die Fachexpertise der IBA nutzen kann, denn das Produktive Stadtquartier ist ja zum Projekt der Internationalen Bauausstellung in der Region Stuttgart im Jahr 2027 erkoren worden. „Wir können als Gemeinderat ein Gestaltungshandbuch zurate ziehen oder einen Lenkungsrat einberufen.“ Schlechts Ziel ist, dass die ersten Bausteine des neuen Winnender Quartiers 2027 sichtbar sein werden.

Weil um die Baublöcke herum großzügige Freiflächen unter anderem für Gemeinschaftsgärten angelegt werden sollen, fragte Stadtrat Jürgen Hägele vor allem in Bezug auf „Urban Gardening“: „Werden die Flächen veröden, wenn sich niemand darum kümmert?“ Es sind unterschiedliche Grünformen möglich, zählte der Stadtplaner auf, „nicht nur landwirtschaftliche Flächen oder Gärten, sondern auch Freiräume, Parkanlagen“.

In der Vorlage war noch von Bolzplätzen und Streuobstwiesen die Rede. Die Frage nach deren Pflege ließ er allerdings unbeantwortet.

Die Stadt Winnenden wird das Büro „Jott“, den Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs für ein „produktives Stadtquartier“ zwischen Schwaikheimer und Marbacher Straße, nun auch mit der Rahmenplanung beauftragen, mit der laut Stadtentwicklungsamtsleiter Markus Schlecht „die Weichen gestellt werden. Der Bebauungsplan setzt dann nur noch dessen Vorgaben um, aber auch Ergebnisse von Fachgutachten zu Verkehrsplanung, Lärm und Landschaftsarchitektur fließen von Anfang an ein“. Der Siegerentwurf von

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