Winnenden

Kein toter Polizist: wenn die Gerüchteküche überkocht

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Ein Facebook-Post, der das Gerücht um den toten Polizisten weiter trägt. © Christine Tantschinez

Schwaikheim. Ein Post macht Montagmittag die Runde in Facebook und stiftet Verwirrung: Ein Polizist soll in Schwaikheim erschossen worden sein.

Montagnachmittag geht es in Facebook heiß her. Nicht nur wegen der Fußball-EM und eventueller Diskussionen um Schweinsteigers Bäuchle oder Jogis Hände in der Hose. In der Schwaikheimer Facebook-Gruppe wird von einem Polizisten geredet, der bei einem Einsatz in der Mittagszeit erschossen worden sein soll. Ein schrecklicher Gedanke.

Wir rufen sofort bei der Winnender Polizei an. Der Beamte am Telefon gibt schon mal Entwarung: Nein, niemand ist erschossen worden. Es gab nur einen Einsatz. Aber mehr könne sicherlich die Pressestelle verraten.

Diese ist aber selbst noch etwas erstaunt. Nein, es gäbe garantiert keinen toten Polizisten, weder in Schwaikheim noch irgendwo anders im Kreis. Aber ein Schuss sei gefallen heute im Einsatz, jedoch nur als Signal. Mehr Infos gäbe es dann etwas später.

Gottseidank, kein toter Polizist. Nur eine überbrodelnde Gerüchteküche. Besser als anders herum.

Update: Es handelte sich laut Angaben des Polizeipräsidiums „lediglich“ um einen Signalschuss, den ein Polizeibeamter bei der Verfolgung eines Flüchtigen in die Luft abgab, um seinen Kollegen über seine Position zu informieren.

Der Kollege war nämlich einem anderen Flüchtigen woandershin auf den Fersen. Die zweiköpfige Polizeistreife wollte am Montagmittag zwei Personen in der Schönbühlstraße einer Routineüberprüfung unterziehen. Um dies zu tun, musste die Streife einige Meter entfernt wenden und zurück in Richtung der Personen fahren. Als die beiden Männer die herannahende Polizei erkannten und die bevorstehende Kontrolle wohl vermuteten, trennten sich die beiden; einer ging weiter, der andere blieb zurück und schien sich zu verstecken. Deshalb trennte sich auch die Polizeistreife auf, der eine Beamte blieb bei der ersten Person, der andere Beamte fuhr in Richtung der zweiten Person, die nun erkennbar flüchtete. Der zweite Polizeibeamte rannte dem Flüchtenden zu Fuß hinterher. Zum zweiten Beamten bestand jetzt weder Sichtverbindung noch war Funkkontakt möglich. Weil der verfolgende Polizeibeamte seinen Kollegen auf die Fluchtrichtung hinweisen und um Unterstützung bitten wollte, gab er, in Ermangelung anderer Möglichkeiten, gegen 12.15 Uhr einen Signalschuss ab. Tatsächlich konnte der flüchtende 33-jährige Mann im Zuge der weiteren Verfolgung gestellt werden. Die Überprüfung der beiden Männer ergab keinen abschließenden Hinweis darauf, warum sich der 33-Jährige der Polizei entziehen wollte; es ergaben sich auch keine aktuellen Verdachtsmomente.