Winnenden

Keinen Drogenersatz bekommen: Abhängiger rastet in der Winnender Ambulanz aus

Tablette Medizin Tablettensucht sucht drogen
Drogenersatz gibt es auch in Tablettenform. © Habermann

Turbulent ging es im Juli in der Drogenambulanz vor dem Winnender Zentrum für Psychiatrie (ZfP) zu. So stürmisch, dass am Ende die Polizei notwendig war, um die Wellen wieder zu glätten. Nun musste sich im Nachgang das Amtsgericht mit dem Geschehen auseinandersetzen.

Angeklagter seit etwa 15 Jahren opiumabhängig

Die Anklage, die den 40-jährigen Angeklagten vor den Richtertisch führte, lautete auf Hausfriedensbruch. Dass es für ihn auch hätte weit schlimmer kommen können, setzte ihm sein Arzt, der als Zeuge geladen war, bereits vor der Verhandlung im Gang des Gerichtsgebäudes auseinander. Die Mitarbeiterin der Ambulanz, gegen die sich die Aggression des Angeklagten gerichtet hatte, habe nämlich auf eine Anzeige verzichtet.

Er sei seit ungefähr 15, 16 Jahren opiumabhängig, erzählte der im Iran geborene Angeklagte, der seit 2002 in Deutschland lebt. Wegen dieser Abhängigkeit war er in der Drogenambulanz in Substitution, bis zu diesem Tag im Juli. Das bedeutet, er erhielt dort auf Rezept eine Ersatzdroge.

Drogenambulanz meldet einen Verstoß an Bundesopiumstelle

Dafür hatte er Anfang Juli einen Termin, berichtete der im Zentrum arbeitende angestellte Arzt, nachdem der Angeklagte ihn ausdrücklich von seiner Schweigepflicht entbunden hatte. Sie würden sich seit vielen Jahren kennen, bisher sei das Verhältnis auch stets von Respekt und Vertrauen geprägt gewesen, versicherten beide.

Beim Termin wurde allerdings festgestellt, dass die Krankenversicherungskarte des Patienten abgelaufen war. Er wurde weggeschickt, und als er nach ungefähr zweieinhalb Stunden mit einer provisorischen Bescheinigung seiner Krankenkasse wiederkam, wies diese einen anderen Vornamen und eine andere Adresse aus als sein Ausweis und seine Versicherungskarte. Dies habe daran gelegen, dass im Iran eine neue Regierung an die Macht gekommen sei, und sein eigentlicher Vorname, der bisher verboten gewesen sei, nunmehr wieder erlaubt sei. Deshalb nenne er sich nun anders, habe er versucht, in der Praxis zu erklären, so der Angeklagte. Man habe ihn aber wieder weggeschickt, nach mehreren Telefonanrufen habe er aber wenige Tage später einen neuen Termin erhalten.

Dem wiederum widersprach der Arzt. So würde in der Drogenambulanz nicht gearbeitet. Die gesetzlichen Auflagen seien streng, nach denen die Patienten ihre Rezepte erhielten, die einen täglich, andere sogenannte Take-Home-Rezepte für ihre Wochen- und extrem zuverlässigen Klienten sogar für 30-Tage-Rationen. Nachdem der Angeklagte unter zwei verschiedenen Namen aufgetreten sei, habe man dies an die Bundesopiumstelle gemeldet, so der Arzt.

Mitarbeiterin betätigt den Alarmknopf - Security eilt herbei

Am 8. Juli gegen 16 Uhr sei der Angeklagte dann vor der Ambulanz aufgetaucht und habe sich vor dem Eingang unter die dort wartenden Klienten gemischt. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie dürften diese die Ambulanz nur noch einzeln betreten. Als der Arzt den Angeklagten durch sein Bürofenster bemerkte, sei er vor die Eingangstür getreten und habe ihn aufgefordert, wieder zu gehen. Statt dem nachzukommen, sei der jedoch mit finsterer Miene auf ihn zugegangen, und nachdem er der Aufforderung, den Sicherheitsabstand zu wahren, nicht befolgte, sei er selbst ins Innere der Ambulanz zurückgewichen, der Angeklagte ihm auf den Fersen. Obwohl er ihn mehrfach zum Gehen aufforderte, habe der Angeklagte die Ambulanz nicht verlassen. Als er die Mitarbeiterin bemerkte, die am Empfang hinter dem Tresen saß, sei er stattdessen „voll ausgerastet“. Er habe sie angeschrien, unter anderem als „Hure“ beleidigt und ihr zweimal ins Gesicht gespuckt. Die Mitarbeiterin habe geistesgegenwärtig den Alarmknopf gedrückt, woraufhin nach circa zwei Minuten drei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes des ZfP erschienen und den Tobenden abdrängten. Es sei ihnen allerdings nicht gelungen, ihn wirklich zu beruhigen, woraufhin auf Wunsch des Angeklagten die Polizei gerufen wurde, um ihm zu seinem Rezept zu verhelfen, wie er erklärte. Nachdem der Angeklagte sechs Tage zuvor seine letzte Dosis erhalten hatte, sei er zweifellos unter einem Suchtdruck gestanden, räumte der Arzt ein, aber er sei ihm nicht „entzügig“ vorgekommen. Offensichtlich verfüge er über andere Bezugsquellen. Mittlerweile wurde in der Drogenambulanz ein förmliches Hausverbot gegen ihn ausgesprochen, er nehme an keinem Substitutionsprogramm mehr teil, erklärte der Patient.

Richter hält dem Mann seinen Suchtdruck zugute

Verurteilt wurde er nun von Richter Weigel zu einer Geldstrafe in Höhe von sechzig Tagessätzen zu je 30 Euro, berechnet unter Berücksichtigung seines Einkommens als Beschäftigter einer Gebäudereinigungsfirma. Zusätzlich hat er die Kosten des Verfahrens zu tragen. Der Richter hielt ihm bei der Strafzumessung zugute, dass er sicherlich unter einem starken Suchtdruck litt. Ankreiden müsse er sich allerdings lassen, dass er zum Zeitpunkt des Vorfalls unter Bewährung stand, aufgrund einer Verurteilung wegen dreimaligen Erschleichens von Leistungen.

Turbulent ging es im Juli in der Drogenambulanz vor dem Winnender Zentrum für Psychiatrie (ZfP) zu. So stürmisch, dass am Ende die Polizei notwendig war, um die Wellen wieder zu glätten. Nun musste sich im Nachgang das Amtsgericht mit dem Geschehen auseinandersetzen.

Angeklagter seit etwa 15 Jahren opiumabhängig

Die Anklage, die den 40-jährigen Angeklagten vor den Richtertisch führte, lautete auf Hausfriedensbruch. Dass es für ihn auch hätte weit schlimmer kommen können,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper