Winnenden

Kindergartenkinder sehnen sich nach ihren Freunden

Kinderhaus Seewasen
Auch im Kinderhaus Seewasen dürfen wieder alle Kinder kommen. Da die 45 Kindergartenkinder auf zwei Gruppen aufgeteilt sind, ist der Garten mit einem Flatterband separiert. © ALEXANDRA PALMIZI

45 Kindergartenkinder toben draußen im Garten. Bälle fliegen durch die Gegend, Roller fegen über den Asphalt, und ein paar Mädchen striegeln einen Baumstamm, dem sie einen Sattel aufgesetzt haben. Sechs Krippenkinder wachen am Montagmittag gegen 13 Uhr so langsam aus ihrem Mittagsschlaf auf. Im Kinderhaus Seewasen ist wieder so etwas wie Alltag eingekehrt. „Es ist für uns alle eine große Umstellung. Aber die Freude, alle wiederzusehen, ist riesengroß“, sagt Kindergartenleiterin Ingrid Hegelmeier. Es sei am Montagmorgen ein großes Strahlen in den Augen der Kinder zu sehen gewesen. „Man muss allerdings auch sagen, dass die Hälfte unserer Kinder schon in der Notbetreuung war. Der Rest der Kinder ist abwechselnd gekommen, wobei noch nicht alle Kinder dran gewesen sind. Manche waren also seit drei Monaten nicht mehr da“, sagt Hegelmeier. Bis auf fünf Kinder sind am Montag alle wieder in das Kinderhaus gekommen. Die Eltern dieser Kinder hätten jedoch kein Problem mit dem Hygienekonzept oder den veränderten Bedingungen. „Die Kinder sind derzeit bei den Großeltern oder die Omas und Opas zu Besuch in Winnenden“, sagt Hegelmeier.

„Manche Kinder haben mehr Bedarf zu reden als andere“

Besonders froh ist sie, dass kein einziges Kind Probleme gehabt habe, wiederzukommen. „Das hat bei allen super funktioniert“, sagt Hegelmeier. Wie die nächsten Tage im Kinderhaus aussehen? „Wir werden mit den Kindern die Erlebnisse in den letzten Wochen und Monaten im Gespräch aufarbeiten. Jetzt sind die Kinder allerdings erst einmal gottfroh, wieder hier zu sein. Sie genießen es, hier wieder mit ihren Freunden zu spielen“, sagt Hegelmeier.

Außerdem wolle man individuell auf die Kinder eingehen. „Es gibt sicher manche Kinder, die mehr Bedarf haben zu reden als andere“, sagt die Leiterin.

In der Notbetreuung hat sich das Personal an Vorgaben gewöhnt

Derweil versuchen zwei Jungs im Garten, einen Ball so hoch wie möglich in die Luft zu schießen. „Wir machen Torschuss“, sagt einer der beiden. Ob sie froh sind, wieder im Kinderhaus zu sein? „Corona geht mir echt auf den Sack. Das ist blöd“, spricht der andere Junge aus, was sich wohl viele denken. Die beiden Jungs müssen aufpassen, wohin sie den Ball schießen. Denn der Garten ist mit einem roten Flatterband in zwei Hälften getrennt, damit nicht alle Kinder in direkten Kontakt miteinander kommen. „Wir haben heute Morgen gemerkt, dass das für die Kinder das größte Problem ist“, berichtet Hegelmeier. „Plötzlich sind sie in feste Gruppen eingeteilt, können nicht mehr einfach so zu allen ihren Freunden gehen. Manche Kinder haben schon gefragt, ob sie nicht in die andere Gruppe wechseln dürfen, dann würden ihnen aber wieder andere Freunde fehlen. Das sind sie nicht gewöhnt, und ich denke, dass wir daran noch ein bisschen zu knabbern haben“, befürchtet Hegelmeier.

Froh ist sie über den großen Garten. „Das ist jetzt unser großes Glück. Mit unserer Wasserpumpe können jetzt nicht mehr alle Kinder spielen, deshalb wechseln wir wöchentlich die Gartenteile. Die Kinder, die die Wasserpumpe nicht haben, bekommen den Rasensprenkler“, sagt die Leiterin. Wie es bisher klappt, Spielsachen, Toiletten, Waschbecken und Türgriffe regelmäßig zu desinfizieren? „Es ist natürlich ein extremer Aufwand für uns“, sagt sie. Eine Person sei quasi ständig damit beschäftigt. „Aber wir sind das ja aus der Notbetreuung schon gewöhnt, auch wenn es jetzt doppelt so viele Kinder sind“, so Hegelmeier.

Auch das Mittagessen sei mit deutlich mehr Aufwand verbunden, weil die Kinder nicht mehr gemeinsam essen, sondern in unterschiedlichen Schichten.

Jede Gruppe hat ihre festen Erzieher

Hegelmeier hält nichts davon, in der Arbeit mit den Kindern auf Abstand zu gehen. „Anfangs wurde in der Notbetreuung geraten, Abstand zu halten. Menschlich ist das für mich aber ein Unding“, sagt sie.

Jetzt sei sie gespannt, wie sich alles in den nächsten Tagen und Wochen einspiele. „Wir hoffen ganz stark, dass wir bald wieder normal mit unseren offenen Gruppen arbeiten können“, sagt die Leiterin, die hofft, dass keine Erzieherinnen krank werden. „Jede Gruppe hat gerade ihre festen Erzieher. Wenn da jemand ausfällt, wird es heftig.“

Einige Kinder sind zu Hause geblieben

Am Montagmittag hat sich Thomas Pfeifer, Amtsleiter des Amts für Jugend und Familien bei der Stadt Winnenden, einen Überblick über die Situation in den städtischen Kindergärten verschafft. „Die Rückmeldungen sind überwiegend positiv“, sagt er.

In manchen Einrichtungen seien einige Kinder krank. „Die Eltern sind jetzt vorsichtiger. Das ist auch gut so. Wenn Kinder Husten oder Schnupfen haben, dann lassen die Eltern sie lieber zu Hause.“„Teilweise haben die Eltern auch die Bescheinigung, dass das Kind gesund ist, zu Hause vergessen. Dann mussten sie noch mal in den Kindergarten kommen.

Insgesamt kann man allerdings sagen, dass alles sehr unspektakulär abgelaufen ist. Die Kinder und Erzieher freuen sich, dass es wieder losgeht.“