Winnenden

Kita-Erzieher in Winnenden zwischen Corona-Sorgen, enormem Druck und Lockerungen

Kinderhaus Birkmannsweiler II
Viele Kinder um sich herum und kaum Abstand: Alltag für Erzieherin Natalia Wild im Kinderhaus Birkmannsweiler. © Alexandra Palmizi

Der Ruf nach Lockerungen der Corona-Maßnahmen ist aktuell in aller Munde. Bis zum 20. März sollen bis auf die Maskenpflicht alle Einschränkungen fallen. Wie geht es damit Personen, die beruflich weiterhin strenge Regeln beachten müssen? Wir haben nachgefragt in einer Winnender Kita.

In den städtischen Einrichtungen befinden sich momentan elf positiv getestete Kinder in Quarantäne und vier Personen vom Personal (Stand 21. Februar). Das teilt Thomas Pfeifer mit, Amtsleiter für Jugend und Familien bei der Stadt. „Insgesamt wird es momentan etwas entspannter, was die Infektionen angeht“, hat er den Eindruck.

Kinder wollen sich nicht von Fremden testen lassen und bleiben zu Hause

Im Kinderhaus Birkmannsweiler ist das jedoch nicht der Fall. „Wir hatten lange Zeit Ruhe. In letzter Zeit aber immer wieder positive Corona-Tests“, erzählt Leiterin Alexandra Scharr. Auch ganz aktuell gibt es in der Kita einen Fall. „Glücklicherweise müssen wir das Kinderhaus oder einzelne Gruppen bei positiven Tests aber nicht mehr schließen. Das halte ich für die Eltern auch nicht für zumutbar“, sagt sie.

Die Eltern der Kinder bringen dreimal in der Woche einen Nachweis für einen Selbsttest vorbei. „Gibt es in einer Gruppe einen Corona-Fall, müssen die Kinder dieser Gruppe an den folgenden fünf Tagen jeweils einen zertifizierten Testnachweis einer Teststation mitbringen“, erklärt Scharr. Das wiederum ist für die Eltern mit Aufwand verbunden. Kommen die Kinder sehr früh am Morgen in die Einrichtung, muss der Test bereits am vorherigen Abend gemacht werden, da die Teststationen noch geschlossen haben.

Und auch für die Kinder selbst ist das teilweise problematisch. „Wir haben in dieser Woche Kinder, die zu Hause bleiben, weil sie sich nicht von fremden Personen testen lassen“, berichtet Alexandra Scharr.

Ausnahmen von der Testpflicht kosten die Kita-Mitarbeiter viel Zeit

Der Aufwand ist allerdings auch für die Mitarbeiter der Kita groß. Seit dem 14. Februar gilt eine neue Verordnung für die Einrichtungen. Von der Testpflicht sind einige Kinder seither ausgenommen: Für 90 Tage, wer zweimal geimpft ist (15 Tage müssen nach der Zweitimpfung vergangen sein) oder wer genesen ist (mit PCR-Nachweis, der 28 Tage zurückliegt). Auch nach 90 Tagen von der Testpflicht befreit sind Kinder, die geboostert sind oder genesen und dazu eine Impfung erhalten haben. „Die Einrichtungen müssen quasi eine Matrix erstellen und auf dem Schirm haben, wann welche Ausnahme wieder ausläuft“, erklärt Thomas Pfeifer.

Bei 65 Kindern im Kinderhaus in Birkmannsweiler kostet das Alexandra Scharr und ihr Team dementsprechend viel Zeit. „Wir müssen ständig auf dem neuesten Stand sein, was die Verordnungen betrifft. Ich bin froh, dass wir von der Stadt unterstützt werden und uns auch am Wochenende melden können, wenn Corona-Fälle bekannt werden und wir Fragen haben“, erzählt die Leiterin.

Auch was das Personal betrifft, ist die momentane Situation nicht einfach. „Wir jonglieren mit unseren Mitarbeitern, switchen hin und her“, sagt Scharr. Auch hier kommt es immer wieder zu Ausfällen.

Die Kita-Leiterin hat die Sorge, dass sich die Situation zuspitzt, wenn es zu den angekündigten Lockerungen der Corona-Maßnahmen kommt. „Ich sehe es schon so, dass die Lockerungen für unsere Gesellschaft jetzt wichtig sind“, sagt sie. „Aber ich habe auch gleichzeitig die Sorge, dass es zu früh ist und die Corona-Zahlen steigen. Wir Erzieher stehen an vorderster Front, können auf der Arbeit nun mal nicht ohne Kontakte auskommen.“

„Wir haben hier Kinder, die gar nicht wissen, wie es vor der Pandemie war“

Sie berichtet, dass der Druck für viele Mitarbeiter enorm ist. „Sie haben Angst, dass sie das Virus in die Einrichtung tragen und für einen Ausbruch sorgen. Allein schon deshalb reduzieren sie die Kontakte im privaten Bereich auf ein Minimum“, weiß Scharr. Demzufolge seien für sie die Lockerungen also gar keine große Erleichterung, da privat weiter harte Regeln befolgt werden.

Für die Kinder würde es sich Alexandra Scharr trotzdem wünschen, dass auch in den Einrichtungen selbst gelockert wird, was bislang allerdings nicht zu Debatte steht. „Wir haben Kinder hier, die gar nicht wissen, wie es vor der Pandemie war. Sie kennen nichts anderes“, erzählt die Kita-Leiterin. Feste feiern, ein offenes System, in dem die Kinder von Gruppe zu Gruppe ziehen können, all das fehlt. „Wir arbeiten mittlerweile schon ein bisschen offener. Es gibt Angebote, die gruppenübergreifend stattfinden. Manche Kinder müssen sich da erst wieder daran gewöhnen“, so Scharr.

Und auch den Eltern sei eine gewisse Unsicherheit anzumerken. „Sie haben viel Bedarf zu reden. Dadurch, dass wir keine Feste mehr veranstalten, die Eltern generell nicht mehr so in die Einrichtung kommen, wie es vor der Pandemie der Fall war, fehlt der Vergleich mit anderen Kindern. Es gibt Eltern, die deshalb verunsichert sind, nicht einschätzen können, ob das Kind in der Norm liegt“, berichtet Scharr.

Generell hat sie jedoch den Eindruck, dass der Umgang mit der Pandemie etwas entspannter geworden ist. Aber: „Unsicherheit und Aufregung sind immer dann da, wenn es einen Corona-Fall gibt.“

Der Ruf nach Lockerungen der Corona-Maßnahmen ist aktuell in aller Munde. Bis zum 20. März sollen bis auf die Maskenpflicht alle Einschränkungen fallen. Wie geht es damit Personen, die beruflich weiterhin strenge Regeln beachten müssen? Wir haben nachgefragt in einer Winnender Kita.

In den städtischen Einrichtungen befinden sich momentan elf positiv getestete Kinder in Quarantäne und vier Personen vom Personal (Stand 21. Februar). Das teilt Thomas Pfeifer mit, Amtsleiter für Jugend

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