Winnenden

Kita-Streik am Dienstag (5.4.) in Winnenden: Für Eltern bedeutet das Stress

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Manche Eltern werden sich an diesem Streik-Dienstag im Home-Office parallel um ihre Kinder kümmern müssen. © Pixabay

Wenn an diesem Dienstag auch in Winnenden einige städtische Kindertageseinrichtungen geschlossen bleiben, weil die Erzieherinnen für bessere Arbeitsbedingungen streiken, trifft das unmittelbar vor allem die Eltern. Sarah Bobowski vom Winnender Gesamtelternbeirat weiß: Manche Mütter und Väter bringt der Streik schwer in die Bredouille, manche bekommen Ärger mit dem Arbeitgeber. Es herrsche unter den Eltern aber durchaus auch Verständnis für den Arbeitskampf der Erzieherinnen.

Ablenkung im Home-Office kann Sarah Bobowski eigentlich nicht gebrauchen

Sarah Bobowski ist 35 Jahre alt, Mitglied des Gesamtelternbeirats in Winnenden. Sie hat einen eineinhalbjährigen Sohn und eine sechs Jahre alte Tochter, die im September eingeschult wird. Das Mädchen besucht noch den Christian-Wunderlich-Kindergarten, den Sohn betreut Sarah Bobowski zu Hause. Während er schläft oder voll konzentriert Duplosteine zusammensteckt, tippt sie als Teilzeitkraft im Home-Office für einen Arzt orthopädische Berichte ab. Die strotzen nur so vor komplizierten Fachbegriffen – Ablenkung kann die Winnenderin dabei nicht gebrauchen. Für ihren Job ist es also wichtig, dass die Tochter vormittags bei den Erzieherinnen in guten Händen ist.

Schon vergangene Woche hat die Leitung des zweigruppigen Christian-Wunderlich-Kindergartens den Eltern mitgeteilt, dass die Einrichtung an diesem Dienstag geschlossen bleibt. Immerhin, die Eltern konnten sich darauf einstellen. Andere Einrichtungen sind ähnlich verfahren. Einen Überblick, wo in welchem Ausmaß gestreikt wird, hatte die Stadt Winnenden aber am Montag noch nicht.

Vor rund einem Monat, in der ersten Streikrunde im Rems-Murr-Kreis, hatten drei von 19 Einrichtungen geschlossen gehabt, dieses Mal dürften es noch ein paar mehr sein.

Für Sarah Bobowski mit ihrer Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, ist der Streik verkraftbar. Sie werde vermutlich ihr Pensum an Berichten nicht ganz schaffen, weil die Tochter ihre Zeit in Anspruch nehmen werde, müsse dann am Wochenende, wenn der Vater auch zu Hause ist, noch mal an den Schreibtisch, aber das gehe schon irgendwie. Zur Not müsste eben die Oma, die in der Nähe wohnt, einspringen. Sie weiß aber auch, dass es andere Eltern schwerer haben, die Betreuung ihrer Kinder zu gewährleisten.

Müllabfuhr und Altenpflege: Manche Eltern haben es nicht leicht

Die 35-Jährige sagt: „Wir haben hier Eltern, die arbeiten im Altersheim, sind also beide systemrelevant. Oder einen Vater, der bei der Müllabfuhr schafft. Die können nicht einfach sagen, sie holen heute keinen Müll ab oder die Alten sollen sich selber was zu essen machen.“ Nach zwei Jahren Pandemie mit vielen Schließzeiten, Aus- und Krankheitsfällen unter den Erzieherinnen und Kindern, liegen die Nerven bei manchen Eltern, aber auch bei deren Arbeitgebern blank, berichtet Sarah Bobowski.

„Wir im Christian-Wunderlich-Kindergarten haben das recht glimpflich überstanden, bei uns war nicht oft zu“, sagt sie, aber Eltern an anderen Einrichtungen seien mitunter spontan gebeten worden, ihre Kinder schon um 14 Uhr statt um 18 Uhr abzuholen. „Das muss man dem Arbeitgeber erst einmal erklären.“ Und auch aus ihrem Kindergarten weiß sie von mindestens einer Mutter, „die richtig Ärger hatte im Geschäft“. Zumal auch die kinderlosen Kollegen in der Pandemie zunehmen argwöhnisch geworden seien.

Unter diesen Vorzeichen reagierten viele Eltern sensibel auf die aktuellen Streiks: „Es wird erst einmal aufgestöhnt.“ Auf der anderen Seite ist auch bei vielen Eltern ein grundsätzliches Verständnis für den Arbeitskampf der Erzieherinnen vorhanden.

In den Kindergärten herrscht ein enormer Fachkräftemangel

Sarah Bobowski gibt zu, sie sei erst total gegen die Streiks gewesen, habe sich dann aber von einer Freundin, die eine Kita leitet, über die Situation des Personals im Erziehungs- und Sozialdienst aufklären lassen und ihre Einstellung daraufhin geändert.

Schließlich herrscht in den Kindergärten ein enormer Fachkräftemangel. Nach aktuellen Studien fehlen bis 2030 etwa 40.000 Erzieherinnen in Baden-Württemberg. Jetzt wird darüber diskutiert, die Standards weiter herunterzusetzen, sprich: Mehr Kinder sollen von weniger Erzieherinnen betreut werden, unterstützt von unqualifizierten, aber „geeigneten“ Helferinnen, etwa engagierten Müttern. Als „verantwortungslos“ bezeichnete das die Leutenbacher Erzieherin Natalie Lipka vor wenigen Wochen im Gespräch mit unserer Redaktion.

Für die Gewerkschaft Verdi, die an diesem Dienstag die Erzieherinnen unter anderem in Waiblingen, Schorndorf, Leutenbach, Urbach, Weissach, Backnang, Fellbach und eben Winnenden zum Streik aufgerufen hat, stehen „Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und die finanzielle Anerkennung der Arbeit“ bei den aktuellen Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern im Vordergrund. Die zweite Verhandlungsrunde im März hatte kein Ergebnis erbracht. Die nächste Verhandlungsrunde soll im Mai stattfinden. Verdi kündigt an, es werde bei den aktuellen Warnstreiks „eine deutliche Ausweitung der Arbeitsniederlegungen nach den Osterferien mit den Beschäftigten vor Ort besprochen und geplant“.

Die Erzieherinnen sollten gegenüber den Eltern für Verständnis werben

Für viele Eltern droht es also noch ungemütlicher zu werden. Die Winnenderin Sarah Bobowski hofft natürlich, dass sich weitere Streiks vermeiden lassen. Für den Fall, dass auch der Christian-Wunderlich-Kindergarten nach den Osterferien erneut geschlossen bleibe sollte, wünscht sie sich von Seiten der Einrichtungsleitung auch eine inhaltliche Stellungnahme, nicht nur die Ankündigung, dass der Kindergarten geschlossen bleibt. Das, glaubt die 35-Jährige, würde unter den Eltern sicher für mehr Verständnis sorgen. Am Ende haben sie selbst ja das größte Interesse daran, dass in den Kindergärten gute Arbeit geleistet werden kann.

Wenn an diesem Dienstag auch in Winnenden einige städtische Kindertageseinrichtungen geschlossen bleiben, weil die Erzieherinnen für bessere Arbeitsbedingungen streiken, trifft das unmittelbar vor allem die Eltern. Sarah Bobowski vom Winnender Gesamtelternbeirat weiß: Manche Mütter und Väter bringt der Streik schwer in die Bredouille, manche bekommen Ärger mit dem Arbeitgeber. Es herrsche unter den Eltern aber durchaus auch Verständnis für den Arbeitskampf der

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