Winnenden

Kitas: Stress mit dem Streik

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Kinderhaus Schafweide: Thorsten Neyer holt seine Töchter Sophia und Greta schon um 13 Uhr ab, anstatt wie gewohnt um 17 Uhr. © Büttner / ZVW

Winnenden. Der Kitastreik ist noch mal glimpflich abgelaufen am Donnerstag. Einen Tag – den verkraften Eltern und Kinder einigermaßen, auch wenn sie sich ziemlich anstrengen mussten. Erstmals sind in der Raumschaft Winnenden alle Kommunen betroffen, auch Berglen, das bislang noch ein weißer Fleck auf der Streiklandkarte war.

In Winnenden verlief der Streik wie erwartet: Vier Kindergärten waren ganz geschlossen. Im Kinderhaus Seewasen nahm nur die Krippe Kinder an, während der Kindergarten außer Betrieb blieb, wie Familienamtsleiter Thomas Pfeifer mitteilte. Ansonsten spürten Eltern und Stadtverwaltung den Streik an vielen Ecken und Enden.

Mehrere Kindergärten und Kitas hatten eingeschränkte Öffnungszeiten, so dass ein Elternteil früher von der Arbeit wegmusste, um dann schon um 13 Uhr sein Kind abzuholen anstatt wie gewohnt um 17 Uhr. Eine ganze Reihe von Kitas arbeiteten ganz normal. Die Stadt musste zwei Kindergartenkinder am Donnerstagmorgen noch schnell in eine andere Kita vermitteln, ansonsten kam nur ein halbes Dutzend Anrufe beim städtischen Telefon an.

Die Kinderhausleiterin will die Eltern nicht im Stich lassen

Permanent klingelte das Telefon bei Annette Föhl, der Leiterin des Kinderhauses Schafweide im Schelmenholz. Als Kinderhausleiterin sitzt sie zwischen allen Stühlen. Einerseits sagt sie: „Die Kollegen streiken auch für mich.“ Sie hätte sogar selbst das Recht zu streiken.

Und andererseits will sie die Eltern nicht im Stich lassen. Also organisiert sie die Kinderbetreuungen in Zeiten des Streiks. Gottfroh war Annette Föhl, als am Donnerstagmorgen um 7 Uhr vier Erzieherinnen und eine Praktikantin pünktlich anwesend waren und gleich erklärten, dass sie bis 13 Uhr arbeiten. Damit war der Notbetrieb gesichert.

Föhl weiß nur zu gut, was im Streik passieren könnte: Arbeitnehmer brauchen nicht vorher anzukündigen, dass sie streiken. Sie könnten plötzlich die Arbeit niederlegen und am Morgen erst Bescheid geben. Dagegen wäre keine Kita gefeit. Aber die Erzieherinnen achteten schon noch auf eine gewisse Fairness. An der Kinderhaus-Tür hängte auch die Gewerkschaft Verdi Infozettel aus mit Hinweisen auf Notgruppen und die städtische Telefonnummer.

In Leutenbach streiken 35 von 72 Mitarbeitern

Im Kindergarten Hummerholz in Weiler zum Stein sind nur zwölf Kinder da, anstatt rund 40, wie es sonst der Fall ist. Zwei Mitarbeiterinnen der Einrichtung streiken. „Ich bin froh, dass es die Notgruppe gibt“, sagt eine Mutter, von der zwei Jungs im Alter von drei und fünf Jahren hier betreut werden. „Ich habe Verständnis für die Erzieherinnen und die Tatsache, dass sie für eine Anpassung des Gehalts an ihre berufliche Situation streiken, aber es ist auch ärgerlich“, sagt sie.

Eigentlich wolle man den Urlaub nicht einfach für Streiktage hergeben. So sieht es auch Sandra Käpplinger, deren vierjähriger Sohn in den Kindergarten Hummerholz geht. Sie ist ebenfalls berufstätig. Wenn es hart auf hart kommt, könnte sie auch auf Unterstützung in der Familie zurückgreifen. „So kurzfristig war es aber schwierig. Das muss organisiert sein.“ Der Mutter der beiden Jungs wie auch einer weiteren Mutter, deren fünfjährige Zwillinge in den Kindergarten gehen, steht eine Unterstützung durch die Familie nicht zur Verfügung.

„Die Beschwerden haben sich im Rahmen gehalten“, sagt Anneliese Schust von der Gemeinde Leutenbach. Fünf Leutenbacher Einrichtungen sind vom Streik betroffen, vier von ihnen sind ganz geschlossen. Insgesamt haben sich 35 Mitarbeiter von 72 Beschäftigten am Streik beteiligt.

In Schwaikheim sind nur wenige Kinder in der Notgruppe

Vier Einrichtungen von insgesamt acht, darunter auch die Schulkindbetreuung, die beim Paula-Korell-Kinderhaus angesiedelt ist, sind in Schwaikheim vom Kita-Streik betroffen. „Wir sind überrascht, wie gut die Eltern vernetzt sind und sie für einen Tag die Betreuung ihrer Kinder organisieren können“, sagt Sibylle Haas, welche die Gesamtleitung und Fachberatung der Tageseinrichtungen für Kinder der Gemeinde Schwaikheim innehat.

Drei Notgruppen für je 25 Kinder wurden eingerichtet, die allesamt nicht ausgelastet sind. Im Paula-Korell-Kinderhaus wurden sechs Kinder für die Notbetreuung angemeldet, für die Notgruppe der Schulkindbetreuung zwölf, im Kinderhaus Bismarckstraße ist es ein Kind.

„Wir konnten hier nur vier Stunden anbieten, also eine Betreuung von 8 bis 12 Uhr anstatt einer Ganztagesbetreuung“, so Haas. „Das war anders nicht möglich!“ Einige Eltern haben ihren Unmut über den Streik, an dem sich in Schwaikheim 24 Mitarbeiterinnen von rund 70 beteiligen, an die Verwaltung herangetragen. „Die Beschwerden haben sich aber im Rahmen gehalten“, sagt sie.

Für Kinder unter drei Jahren gab es am Streiktag keine Notbetreuung. „Es ist wichtig, dass sie von jemandem betreut werden, den sie kennen und vertrauen“, so Haas. Wenn man sie von einem Tag auf den anderen in die Obhut eines für sie fremden Menschen geben würde, würde das nicht funktionieren. Während in den Einrichtungen Badstraße und Bismarckstraße Mitarbeiter der Krippengruppen streiken, konnte eine weitere Krippengruppe Im Kinderhaus Badstraße aufrechterhalten werden.

Berglen ist zum ersten Mal auch vom Streik betroffen

Berglen ist diesmal ebenfalls betroffen. Das Kinderhaus Steinach blieb am Donnerstag geschlossen. 81 Kinder werden dort betreut. Zehn Mitarbeiter haben sich hier den Streikenden angeschlossen. Als die Gemeinde am Dienstag davon erfahren hat, wurde ein Aushang in der Einrichtung angebracht und Eltern informiert.

Drei Kinder wurden für die Notgruppe, die im Kindergarten Vorderweißbuch eingerichtet ist, angemeldet. „Die Eltern sind untereinander sehr gut vernetzt“, sagt Corinna Siegloch vom Hauptamt. Sie haben sich gegenseitige Unterstützung angeboten, so dass die berufstätigen Eltern arbeiten gehen konnten. Das Kind wird solange bei einer anderen Familie betreut. Beschwerden von Eltern wurden an die Gemeindeverwaltung keine herangetragen.


Die Tarifforderungen

  • Der Gewerkschaft Verdi geht es im Tarifkonflikt um eine Gehaltserhöhung von 6 Prozent, mindestens aber um 200 Euro monatlich, Erhöhung der Auszubildendenvergütung und Praktikantentgelte um 100 Euro pro Monat, Wiederinkraftsetzung der Übernahmeregelung und eine Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten.
  • Wie jeder aus vergangenen Tarifkonflikten weiß, werden die Höchstforderungen nicht erreicht. Aber in der Regel enden die Streiks, wenn Arbeitgeber den Arbeitnehmern entgegengekommen sind.