Winnenden

Klares Votum für Mayers Entwurf

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Die Verstrebungen und angeschrägten Gebäudeelemente sollen Anklänge an Fachwerk und Satteldächer ringsum sein: Der Entwurf des Architekten Jürgen Mayer H für den Kronenplatz. © Jürgen Mayer H
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Klaus-Martin Pfleiderer.
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Die Verstrebungen und angeschrägten Gebäudeelemente sollen Anklänge an Fachwerk und Satteldächer ringsum sein: Der Entwurf des Architekten Jürgen Mayer H für den Kronenplatz.

Winnenden. Drei Investoren haben sich für Kauf und Bebauung des zentralen Kronenplatzgrundstücks bei der Stadt beworben – mit hervorragenden, schlüssigen Entwürfen. Der Gemeinderat wählte jedoch überraschend klar die Lokalmatadoren Projektbau Pfleiderer, Kreisbaugruppe und BPD Immobilienentwicklung Stuttgart. Sie waren mit einem Entwurf des Stararchitekten Jürgen Mayer H angetreten – dem „Winnender Picasso“.

Im Video: Die Winnender Firma Projektbau Pfleiderer ließ den Star-Architekten Jürgen Mayer H planen.

20 Stadträte votierten dafür, dass über den Mayer-Entwurf zuerst abgestimmt wird, wo die absolute Mehrheit zählt. Nur je zwei Stimmen erhielten die anderen beiden Entwürfe. Somit landete J.Mayer.H auf Platz 1 und wurde dann einstimmig bestätigt.

„Das hätte ich nie gedacht“, freute sich Geschäftsführer Klaus-Martin Pfleiderer noch am Tag danach. Am Dienstagabend war er mit Mitarbeitern, Vertretern der Kooperationspartner sowie dem in Winnenden aufgewachsenen Jürgen Mayer, der eigens aus Berlin angereist war, im Rathaussaal.

Steiger: „Strabag verkauft an einen Pensionsfonds - das will ich nicht“

In der nächsten Abstimmungsrunde wurde der zweite Platz ermitttelt – für den Fall, dass das Interesse des Erstplatzierten erlöschen sollte. Da ging’s wesentlich knapper zu: 13 Stimmen wollten über die von der Stadtverwaltung favorisierte Entwurf der Fellbacher Firmenpartnerschaft Ebner-Bürkle. Bei vier Gegenstimmen entschied die Mehrheit dann für Strabag auf Platz 2. Für Ebner-Bürkle bleibt Platz 3.

Der Stadtentwicklungsamtsleiter Markus Schlecht stellte die drei Entwürfe vor, machte aus seinem Favoriten, dem Architekten David Kiffer für Strabag Real Estate (SRE), aber keinen Hehl. Viele Stadträte meldeten sich danach zu Wort und begründeten ihre Entscheidung.

„Mayers Entwurf ist modern und spannend, nicht alltäglich und für Winnenden einmalig“, so Hans Ilg (FWV) für seine Fraktion, aus der Marie-Christine Sammet allerdings mit einer Stimme für Ebner-Bürkle ausscherte. Weiter gefalle eine zusammenhängende Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern, „nirgends in der Innenstadt haben wir so schnell wieder diese Gelegenheit“, und der bereits vertraglich gebundene Ankermieter, ein Drogeriemarkt.

Stadträtin Nicole Steiger (FDP) sprach sich ebenfalls für die vor Ort bekannten, verlässlichen Partner aus. „Die Strabag würde alle Wohnungen an einen Pensionsfonds verkaufen, der keinen Bezug zu uns hat. Kein Winnender könnte eine erwerben.“ Außerdem will sie, dass über die Kooperation die heimischen Firmen Krämer-Bau und Schief den Zuschlag erhalten und Arbeitsplätze sichern.

„Die Kreisbau wird dafür sorgen, dass es Wohnungen für verschiedene Schichten gibt“, sagte sie. Stadtrat Robin Benz (FDP) ergänzte, dass zwar der Kronenplatz mit 350 Quadratmetern kleiner sei wie bei SRE (600), dafür aber „durch einen Gegenwartskünstler, den Picasso von Winnenden“, gestaltet werde. „Belebt wird der Platz sicher auch nach Feierabend durch die vielen Anwohner.“

Baumgärtner: Kontroverse Debatte Zeichen für besondere Qualität

Stadtrat Hans-Dieter Baumgärtner (SPD) ging auf die mit automatischen Türen versehenen Durchgangspassagen ein, die Markus Schlecht am meisten stören. Er hätte die Fußwege zwischen Bahnhof und Fußgängerzone sowie vom Kronenplatz zum Biomarkt gern offen gehalten. „Eine Passage kann schon einen leitenden Charakter haben, wenn sie interessant gestaltet ist“, sagte Baumgärtner.

Im Übrigen bräuchte er drei Arme, um repräsentativ abzustimmen, denn aus der Bevölkerung habe er Stimmen für alle drei Entwürfe gehört. Er wähle aber den von Jürgen Mayer: „Er ist wohl so kontrovers zu sehen, weil er etwas Herausragendes, eine besondere Qualität hat.“

Markus Schlecht hatte den Vorschlag der Dreier-Kooperation auch als „massiv“ kritisiert, wobei er sich mit der Einschätzung objektiv auf Zahlen stützen konnte: Die Vorgaben des Verfahrens, die auch in den noch zu erstellenden Bebauungsplan einfließen werden, sind von Pfleiderer und Co. um 16 Prozent überschritten worden, von den Mitbewerbern um acht (Strabag) und drei Prozent (Ebner-Bürkle).

Von der ALi-Fraktion stimmten Christoph Mohr und Willi Halder für Mayers Entwurf, Martin Oßwald-Parlow für den aus Fellbach: „Das gewählte Material finde ich angenehm, die Dach- und Fassadenbegrünung gefällt mir und die Verbindung zum Holzmarkt.“ Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth betonte, nichts gegen Jürgen Mayer persönlich zu haben.

„Aber sein Solitär wirft Fragen auf, wie verhält sich das Gebäude zur Umgebung?“. Als Einzige von der CDU-Fraktion stimmte Petra Schäftlmeier mit dem OB für den Strabag-Entwurf. „Mich erinnert das zu sehr ans Milaneo“, kritisierte Stadtrat Siegfried Lorek (CDU).



Winnenden.
Der Sieger-Entwurf der Kooperationspartner Pfleiderer-Kreisbaugruppe-BPD will dazu beitragen, die Bahnhofstraße bis zum Ende der Kastenschule in eine weniger befahrene Zone zu verwandeln. Dieses Konzept ist eng mit dem Ingenieurbüro Karajan abgestimmt und gelingt zum einen dadurch, dass in diesem Bereich nur Busse und Taxis, also „öffentlicher“ Verkehr fahren dürfen. Der Rest soll über die Palmerstraße zum Bahnhof gelangen.

Zum anderen sieht das Konzept die Tiefgaragenzufahrt an der Alfred-Kärcher-Straße zu 117 Parkplätzen vor. Sollte die Stadt eine dritte Tiefgaragenebene bezahlen für öffentliche Stellplätze, sind 176 Parkplätze möglich. Und zwar so, dass die Ein- und Ausfahrt direkt von der Ringstraße angefahren werden kann. Der Besitzer des Nachbargebäudes, Wolfgang Schlitter, sieht diese Lösung positiv, heißt es in der Präsentation der Investorenkooperation.

„Eine ruhigere Bahnhofstraße ist sicherer für die Grundschüler“, lobt Stadträtin Nicole Steiger (FDP) das Konzept. Stadtrat Hans Ilg (FWV) sagte: „Wir hatten als Gemeinderat doch sowieso vor, die Bahnhofstraße zu beruhigen. Nur Busse und Taxis - das wäre ein absoluter Gewinn für uns.“

Stadtrat Andreas Herfurth (SPD) erinnert ebenfalls, dass bereits über Tempo 30 oder sogar nur 20 gesprochen wurde, und wünscht, dass sich das Verkehrsaufkommen nicht durch die Tiefgarage erhöht. Das glaubt Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth nicht. „Derzeit haben wir an der Stelle 12 000 Fahrzeuge am Tag, bei plus/ minus 100 Stellplätzen wird es kaum mehr Verkehr geben.“ Zum Vergleich: Unterm Markthaus befänden sich 300 Stellplätze. „Der Lärmaktionsplan verpflichtet uns, es an der Achse ruhiger zu machen, und wir lassen dafür bereits planen. Bis das Bauwerk fertig ist, sind wir mit der Straße sicher so weit. Es wird eher das Problem, die Baustellen miteinander abzustimmen“, sagte Holzwarth.

Vorläufiger Zeitplan

Alle Bieter waren bereit, den gleichen Kaufpreis zu bezahlen. Über ihn soll Stillschweigen bewahrt werden. „Der Kaufvertrag soll Ende des Jahres geschlossen werden, was ein sportliches Ziel ist“, sagte der städtische Immobilienmanager Ralf Köder.

Die Projektkooperation Pfleiderer-Kreisbaugruppe-BPD hat folgenden Zeitplan aufgelegt: Planungsphase 2019, parallel dazu von Mai bis September 2019 Genehmigungsphase und Bauphase bis Mai 2021. Frühester Bezug und Fertigstellung: Juni 2021.