Winnenden

Kleiner Wald wird kahl: Warum in Winnenden am Eschenweg 65 Bäume gefällt werden

In Oberberken werden Bäume gefällt
Motorsäge. © Benjamin Büttner

Mit einer Eiche am Eschenweg darf man Mitleid haben: Trotz ihres jugendlichen Alters ist sie krumm und schief, bildet einen astreinen 45-Grad-Winkel. Da sie auf absehbare Zeit umfallen würde und dabei Passanten verletzen könnte, wird sie im Laufe des Januars oder Februars gefällt.

Veranlasst haben das die Stadtgärtner zusammen mit der Paulinenpflege, nachdem sich der Forst für das gesamte Wäldchen im Graben zwischen Eschenweg am Rand des Schelmenholz-Wohngebiets und ehemaligem Kinderdorf mit Bodenwaldschule für nicht zuständig erklärt hatte. Es sei städtische Grünfläche.

Egal, wer nun die Motorsäge anwirft, Stadtgärtnerei-Leiter Armin Schröder rechnet mit einem Aufschrei in der Nachbarschaft, denn es wird bei der Aktion nicht bei einem Baum bleiben: Die Männer werden exakt 65 Bäume fällen und viele weitere einkürzen. Schröder will die Öffentlichkeit rechtzeitig informieren, warum der starke Eingriff nun sein muss. Die Paulinenpflege zieht und zahlt mit, ihr gehört quasi die Hälfte der bewaldeten Klinge.

Bäume ersticken am eigenen Laub, aber auch vom hier entsorgten Heckenschnitt

„Wir sind dankbar, dass die Stadt uns auf die Gefahr aufmerksam gemacht hat“, sagen denn auch Pressesprecher Marco Kelch und der für die Liegenschaften zuständige Jörg Danner.

Das Kinderdorf mit seinen Wohnhäusern ist im Jahr 1976 entstanden, ein Teil des Gewanns „Bodenwald“ hat der Forst damals an die Paulinenpflege abgegeben. Seitdem wuchsen die Bäume und Büsche in der Klinge ganz von allein, gerieten ein bisschen in Vergessenheit. Das wäre nun noch nicht so schlimm, wäre nicht immer wieder Grüngut vom Hecken- und Baumschnitt vom Kinderdorf-Gelände auch direkt hier entsorgt und nicht auf den Grüngutplatz gebracht worden: „Das hat den Boden richtiggehend abgedichtet. Die Bäume sind dadurch schneller vergreist, ersticken förmlich und bekommen auch zu viele Mineralien ab.“ Armin Schröder zeigt auf die schiefe Eiche. Ihr Stamm ragt aus einer dicken Laubschicht heraus, ihren Fuß, wo die Wurzeln sich im Boden verankern, sieht man überhaupt nicht mehr.

Die Nähe zu den Häusern, die längst nicht mehr als Kinderdorf fungieren, sondern in denen die Paulinenpflege Büros unterhält, in denen Therapeuten arbeiten und Mitarbeiter sowie Internatsschüler vom Berufsbildungswerk wohnen, ist auch ein Grund, nun endlich einmal pflegerisch einzugreifen. Nicht erst einmal haben herabfallende Äste Gebäude beschädigt, und die Menschen halten sich vom Frühjahr an ja auch wieder viel im Freien auf, nicht zuletzt Bodenwaldschüler, die im Wäldchen spielen oder den dort herumflatternden Müll bei Sammelaktionen auflesen.

Die Hänge der Klinge sind steil und rutschig, die Bäume stehen eng

Die Stadt hat den Baumsachverständigen Martin Müller um seine Expertise gebeten, noch im Dezember sind alle zu fällenden Kandidaten rot markiert worden und die Stadt ist auf die Suche nach einem Unternehmen gegangen, das die komplizierte Arbeit übernehmen kann. Müller kommt zum Pressetermin an das insgesamt einen Hektar große Wäldchen. Er sagt, das Ganze werde nicht einfach: „Wir haben hier einen rutschigen, tonigen Untergrund mit Bachlauf“, sagt er mit Blick auf die recht steil abfallenden Hänge der Klinge. „Wer den Auftrag erhält, braucht einen Forstmeister im Team und muss für Arbeitssicherheit zertifiziert sein.“

Viele der eng beieinanderstehenden Bäume seien zu groß für den kleinen Standplatz, den sie haben, sagt Müller. „Schauen Sie diese Douglasie an, sie hält sich gerade noch so auf einer Kuppe fest. Wenn sie umfällt, ist das Müllauto hier dunkelschwarz“, so die Einschätzung des Experten, als an der Wendeplatte gerade die Müllabfuhr zugange ist. Fürs Umkippen braucht so ein Baum nicht einmal einen Sturm, betont Müller: „Da reicht die eigene Masse.“

Was am Eschenweg ausgelichtet werden muss, sind keineswegs nur Eschen, die über einen Pilz von den Triebspitzen her absterben und daher seit Jahren todgeweiht sind. Es sind auch Buchen, Eichen, Douglasien und Kirschen. Eine Weißtanne ist auch da, die als Begleitholz gut an den Bachlauf passe, meint Müller. „Sie braucht aber Licht, um wachsen zu können. Das geht nach den Arbeiten gut. Dann haben die nachwachsenden Bäume und das Wäldchen insgesamt viel Regenerationsmöglichkeit, sorgen für eine Naturverjüngung.“

Im Wäldchen verteilt der Nabu bis zu 60 Nistkästen

Bei der Holzverarbeitung helfen übrigens die Leute vom Paulinenhof mit: „Wir spalten, lagern und verkaufen es dann als Brennholz“, sagt Jörg Danner. Und der Nabu, der bestellt beim Nistkasten-Unternehmen Schwegler 50 bis 60 Kästen. „Wir nehmen sie in unterschiedlichen Größen, manche sind reine Fledermauskästen, manche sind kombiniert für Vögel und Fledermäuse.“ Werner Fleischmann wird sie mit Alunägeln vor Beginn der Brutzeit an den verbliebenen Bäumen aufhängen und im Laufe des Jahres schauen, welche Kästen angenommen werden. Diese ökologische Aufwertung kostet rund 1000 Euro, Stadt und Paulinenpflege wollen sich vermutlich auch diesen Betrag teilen.

Mit einer Eiche am Eschenweg darf man Mitleid haben: Trotz ihres jugendlichen Alters ist sie krumm und schief, bildet einen astreinen 45-Grad-Winkel. Da sie auf absehbare Zeit umfallen würde und dabei Passanten verletzen könnte, wird sie im Laufe des Januars oder Februars gefällt.

Veranlasst haben das die Stadtgärtner zusammen mit der Paulinenpflege, nachdem sich der Forst für das gesamte Wäldchen im Graben zwischen Eschenweg am Rand des Schelmenholz-Wohngebiets und ehemaligem

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