Winnenden

Kleinstadt trotzt der Krise: So hat sich der Einzelhandel in Winnenden 2022 verändert

ModeatelierPhilipp
Marilda Philip ist mit ihrem Modeatelier über die Bäckerei Mildenberger an den Marktplatz Winnenden gezogen. © Gaby Schneider

Wie hat sich der örtliche Handel im vergangenen Jahr 2022 verändert? Wer hat aufgemacht, wer zu? Trotz der steigenden Energiepreise und der damit einhergehenden Dämpfung der Kauflaune darf man rückblickend für die Kleinstadt Winnenden feststellen: Es gibt vergleichsweise wenig Leerstände, es sind eher neue Geschäfte hinzugekommen. Eine kleine Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Marktplatz: Die originellste Neueröffnung

Es ist 2022 farbenfroh geworden am Marktplatz, seit die brasilianische Modedesignerin Marilda Philipp ihr Atelier im ersten Stock über der Bäckerei Mildenberger eröffnet hat. Bei gutem Wetter stehen Puppen mit den stets gemusterten Kleidern als Blickfang unten, Frauen können sich zu den Öffnungszeiten oder nach vorheriger Terminvereinbarung beraten lassen. Ob spielerisch oder seriös, durch Marilda Philips Mode und ihre Lebensstationen Brasilien – USA – Stuttgart ist Winnenden ein ganzes Stück internationaler geworden.

Getränkehandel: Ein nachhaltiger Nachfolger

Hans-Peter Kastner suchte ein Lager – und fand es in Birkmannsweiler. Dabei übernahm er auch gleich den Getränkehandel von Gaida mit Postfiliale in Birkmannsweiler im April 2022. Bundesweit kam der Mann in die Schlagzeilen, weil er entschied, auf Einwegplastikflaschen komplett zu verzichten. Der Nachhaltigkeitsidee weiter folgend, installierte er LED-Lampen, angesichts der anziehenden Strompreise eine kluge Investition. Verbraucherfreundlich gibt sich Kastner außerdem: Weil er mit der 2800 Quadratmeter großen Fläche direkt bei den Herstellern bestellen kann, kriegt er gute Preise, die er an die Kunden weitergeben will.

Friseure und Barber-Shops: Der größte Zuwachs

Allein vier Artikel hat unser Kollege Tobias Klecker 2022 über neu eröffnete Herrenfriseure und Barbershops geschrieben, die sich die Pflege der modischen Vollbärte auf die Fahnen geschrieben haben: Metime von Alireza Ghasemipour (in Iran geboren, seit zwölf Jahren in Deutschland), „Mori“, gegründet vom Iraner Saleh Haidary, Sherkos Barber-Shop (der Chef stammt aus dem Irak), und der Evolution-Barber-Shop von Danilo Veloz Duran, der aus der Karibik stammt. Weitere Konkurrenz für die vorher auch nicht gerade wenigen Friseure in der Stadt – aber auch weitere Internationalisierung des Dienstleistungsstandorts Winnenden.

Das gab’s auch: Auf–zu–auf sowie Beinahe-und-dann-doch-nicht-auf

Nach langem Leerstand eröffnete eine Vodafone-Filiale in schönster Lage am Marktplatz. 2022 aber war sie für einige Monate geschlossen. Seit Oktober herrscht dort wieder Betrieb.

Weniger glücklich verlief die bereits im März 2022 angekündigte Eröffnung des CBD-Shops direkt am Torturm. Im November war klar: Das junge Unternehmen konnte den Laden finanziell nicht stemmen. Nur die Schaufenster sind beklebt worden.

Bahnhof Winnenden: Leerstände seit einem Jahr

Seit einem Jahr steht das Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes leer. Nichts deutet auf einen beginnenden Umbau hin. Die Bahn ist auf eine ortsansässige Firma zugegangen, ob sie bei der Nachnutzung mitmachen will, die Gespräche sind im Gange. Einen Zeitplan gibt es noch nicht.

Immerhin kam auf der anderen Seite des Zeitschriftengeschäfts am Bahnhof etwas Neues hinzu im Jahr 2022: eine Packstation. Und, große Erleichterung, am umgebauten Busbahnhof ein öffentliches WC neben einer Personal-Toilette für Busfahrer.

Für längere Zeit leer stehen wird wohl Blumen-Mayer an der Turmstraße. Heinz-Rüdiger Mayer schloss das Geschäft 2020, „altersbedingt“, wie er unserer Zeitung auf Nachfrage sagt. „Ich bin jetzt 68 und mache nur noch Grabpflege.“

An der Ringstraße zog Anfang 2022 „Zirbenwald“ aus, die Räume wird die Stadt selbst für das Stadtjugendreferat nutzen.

Für die Änderungsschneiderei Vaia an der Mühltorstraße kommt nach einem Jahr Leerstand im Februar eine Nachfolge aus einer anderen Branche.

Dank der Teststation von Noah Schäftlmeier fällt ein Leerstand nicht mehr so schlimm auf: Im ehemaligen „Har.dy“ zog sie ein und war damit die zweite des Jungunternehmers in Winnenden. Die erste beließ der Student nach dem Umzug der Container auf dem Kronenplatz. Wie es damit und mit der Drive-in-Teststation 2023 weitergeht, wird unsere Zeitung demnächst berichten.

Markthalle: Vorfreude und ein Teil-Abschied

In der Markthalle an der Wiesenstraße ist die Hertmannsweiler Kaffeerösterei von Herrmanns nach zwei Jahren wieder ausgezogen. „Wir haben viel investiert und viel verloren und gehen nun einen anderen Weg“, sagt Thomas Herrmann, der weiter an der Krebäckerstraße vertreten sein wird, auch für Gäste, die in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken möchten. Für den Bereich in der Markthalle sucht Werner Häfele Nachfolger. Mit Interessenten hat er bereits gesprochen, bald entscheidet sich, wer kommt. „Sicher ist bisher nur, dass es keine Kaffee-Rösterei mehr wird“, sagt er auf Nachfrage.

Größer als bisher und zudem noch barrierefrei wird das Feinkostgeschäft von Rebecca Jacovino. Nachdem die Sparda-Bank die SB-Stelle aufgegeben hat, begann Anfang dieses Jahres der Umbau.

Zwei Häuser werden seit 2022 am Bengel-Platz umgebaut. Im Erdgeschoss der früheren Bäckerei wird Natalija Nazor ihr drittes „Mariposa“-Geschäft (nach Waiblingen und Schorndorf) im Sommer eröffnen.

Wie hat sich der örtliche Handel im vergangenen Jahr 2022 verändert? Wer hat aufgemacht, wer zu? Trotz der steigenden Energiepreise und der damit einhergehenden Dämpfung der Kauflaune darf man rückblickend für die Kleinstadt Winnenden feststellen: Es gibt vergleichsweise wenig Leerstände, es sind eher neue Geschäfte hinzugekommen. Eine kleine Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Marktplatz: Die originellste Neueröffnung

Es ist 2022 farbenfroh geworden am

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