Winnenden

Klimaschutz: Winnenden verstärkt den Trend zum Lastenrad mit einer Kaufprämie

Kaufprämie für Lastenräder
Bernd Vollmer fährt ein wendiges Lastenrad mit mindestens 80 Kilogramm Zuladung. © ZVW/Alexandra Palmizi

Die Kaufprämie für Autos wackelt, aber die Kaufprämie für Lastenfahrräder kommt definitiv am 1. Juli – in Winnenden. Jeder, der ein Lastenfahrrad mit Elektromotor kauft, kann eine Prämie in Höhe von 1500 Euro beantragen, und er bekommt sie auch, solange Geld im städtischen Fördertopf ist, der mit 50 000 Euro im Jahr ausgestattet wurde. Das hat der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung beschlossen. Er will damit den Klimaschutz stärken und kommt, so wie es aussieht, genau richtig zum Beginn eines Trends. Lastenräder sind im Kommen. Firmen in Holland oder auch im Schwäbischen haben sie weiterentwickelt, und in Winnenden hat sich sogar ein Spezialgeschäft für Lastenräder etabliert. Mancher Normalradler und mancher, der sein Auto noch öfter stehen lassen oder ganz aufgeben möchte, schielt nach dem belastbaren Transportfahrrad.

Zwei Kinder passen in ein schmales zweirädriges Lastenrad

In Winnenden sieht man eine junge Mutter mit zwei Kindern immer wieder zum Markt fahren mit Lastenfahrrad. Der Vorsitzende des Fahrradclubs ADFC, Hans Sukowski, holt seine Enkelkinder mit einem Lastenfahrrad ab, das nur zwei Räder hat, aber eine ausreichend große Transportkiste, auf deren Sitzbank zwei Kleinkinder Platz haben. Von Schorndorf aus radelt Sukowski mit den Enkelkindern über die Berglen nach Winnenden ins Toskanagebiet, wo er wohnt. Sein Lastenrad hat einen starken Motor und eine Batterie, die lässig für 70 Kilometer reicht. Die hat er gleich beim Kauf in Tübingen getestet. Dort stieg er aufs Lastenrad und fuhr mit ihm nach Winnenden ohne Probleme, wie er berichtet. Vor Weihnachten radelte er zum Christbaumkaufen in die Berglen. Einwandfrei! Sukowski ist schon sehr weit in Sachen Klimaschutz: Seit zehn Jahren hat er kein Auto mehr und macht alles, was irgendwie geht, mit dem Rad. Möbel bei Ikea und Wände fürs Hochbeet bei Obi kauft er immer mit dem Lastenrad. Die Kaufprämie hätte er auch gebrauchen können, denn sein Superfahrrad hat 5500 Euro gekostet. Die neue Prämie gilt aber nur für Lastenräder, die ab dem 1. Juli gekauft wurden.

Bei der Stadt steht die Prämie im Klimaschutzprogramm neben vielen anderen Punkten, die Umweltreferent Jürgen Kromer Punkt für Punkt zur Entscheidung für den Gemeinderat vorbereitet. Das ganze Gremium zeigte sich einverstanden mit dem Vorschlag und beschloss ihn einstimmig. SPD-Stadtrat Jens Bauder erinnerte daran, dass Lastenräder auch Abstellplätze brauchen in der Stadt. Dafür seien die jetzigen Plätze mit den Fahrradbügeln auch geeignet, meinte OB Holzwarth. Stimmt das?

Passt ein Lastenrad auch in die neuen städtischen Fahrradständer?

Wir haben es getestet mit einem Lastenfahrrad von Carlos, dem Winnender Fachgeschäft für Lastenräder. Verkäufer Bernd Vollmer kam mit einem sehr wendigen, schlanken, aber belastbaren Rad zum Viehmarktplatz und stellte es an die Bügel. Passt bestens! „Ich könnte es hier mit dem Bügelschloss anschließen. Das ist wichtig“, sagte er. Die Stadt ist im Prinzip gut eingerichtet. Vollmer spürt, dass die Nachfrage nach Lastenrädern gerade anzieht, und sagt: „Wenn jetzt noch die Prämie von 1500 Euro dazukommt, wird dies einen Schub geben.“

Ziel der Prämie ist ja, dass CO2 und Stickoxide vermieden werden, und dass die Ölvorräte der Erde nicht so schnell ausgebeutet werden. Schafft das ein elektrisch betriebenes Lastenrad? Ersetzt es wirklich ein Auto? Vollmer beobachtet, dass Radler umsteigen auf Lastenräder. Das hat den Effekt, dass sie ihr Auto öfter durchs Rad ersetzen als bisher. Er selbst wohnt in Berglen und sagt: Zum Netto zum Einkaufen zu fahren, das geht doch gut mit dem Rad. 80 bis 100 Kilo kann man zuladen, wenn der Radler selbst nicht extrem schwer ist. Damit könnte zum Beispiel ein Schornsteinfeger von Kunde zu Kunde sein Werkzeug fahren, einer, der Heizungen wartet, seinen Aufträgen nachkommen, und Privatleute könnten ihre Kinder im Rad statt im Elterntaxi fahren oder ihren Hund dabeihaben. „Man sieht es an den Briefträgern, wie nützlich es ist“, sagt Vollmer. Sein Rad kostet 4500 Euro, und es hat gegenüber Autos einen Riesenvorteil: „Man bekommt immer einen Parkplatz.“ Die Stadt gibt noch mehr Prämien: 100 Euro, wenn der Akku nur mit Ökostrom geladen wird, im Höchstfall 100 Euro für einen Fahrradanhänger und maximal 750 Euro für ein Lastenrad ohne Elektromotor. Wenn ein Lastenradler nachweist, dass er kein Auto hat, bekommt er einen Nachhaltigkeitsbonus von 500 Euro.

Die Kaufprämie für Autos wackelt, aber die Kaufprämie für Lastenfahrräder kommt definitiv am 1. Juli – in Winnenden. Jeder, der ein Lastenfahrrad mit Elektromotor kauft, kann eine Prämie in Höhe von 1500 Euro beantragen, und er bekommt sie auch, solange Geld im städtischen Fördertopf ist, der mit 50 000 Euro im Jahr ausgestattet wurde. Das hat der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung beschlossen. Er will damit den Klimaschutz stärken und kommt, so wie es aussieht, genau richtig zum Beginn

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