Winnenden

Klinikum: Neubaupläne sind vom Tisch

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Pressegespräch im Landratsamt zur Entscheidung des Landeskrankenhausausschusses, dem Klinikum Winnenden mehr Planbetten zu genehmigen (von links): Chefarzt Dr. med. Bernhard Fröhlich, Geschäftsführer Dr. Marc Nickel, Landrat Dr. Richard Sigel und Chefarzt Prof. Dr. med. Ralf Rauch. © Büttner/ZVW

Winnenden/Waiblingen. Landrat Richard Sigel und Geschäftsführer Marc Nickel strahlen um die Wette. Selbst wenn das Ergebnis ganz anders ausschaut als vor einem Jahr, als Sigel und Nickel die Medizinkonzeption für die Kliniken vorstellten. Die Neubaupläne für das Klinikum Winnenden sind vom Tisch. Stattdessen wird das Krankenhaus intern umgebaut und vorerst nur um 20 Betten erweitert.

Wie berichtet, hat der Landeskrankenhausausschuss am Mittwoch dem Rems-Murr-Klinikum Winnenden 97 Planbetten zugestanden und in Schorndorf 29 Planbetten gestrichen. Bei einem Pressegespräch in Waiblingen erläuterten am Donnerstag Landrat Richard Sigel und Geschäftsführer Marc Nickel, assistiert von den Ärztlichen Direktoren Bernhard Fröhlich und Ralf Rauch, was dieser Beschluss für die Rems-Murr-Kliniken bedeutet. „Diese Entscheidung ist ein großer Erfolg für unsere Kliniken und das Signal, dass unser Kurs stimmt“, sagte Richard Sigel. Nickel sprach von einem „wichtigen Meilenstein und großen Erfolg“. Unterm Strich bekommen die Kliniken 68 neue Planbetten und damit „die Lizenz zur Abrechnung“, die sich in der Bilanz mit einem einstelligen Millionenbetrag niederschlägt.

Zu klein konzipiert

Das Sozialministerium trägt mit den neuen Planbetten der Tatsache Rechnung, dass das Klinikum mit 550 Betten von vorne herein zu klein konzipiert war und deshalb schon in der Bauzeit die Bettenzahl auf 620 aufgestockt wurde. Diese Betten waren in den vergangenen Jahren gut gefüllt, was den Bedarf für die Erhöhung begründete. Von April an darf das Klinikum auf der Basis von 667 Planbetten abrechnen. Im Gesundheitswesen gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Bett und (Plan-)Bett. Eine 100-prozentige Belegung der Betten ist im Krankenhaus schlechterdings unmöglich, da Frauen und Männer nicht in einem Zimmer untergebracht werden können oder bei Influenza-Epidemien Doppelzimmer nur mit einem Patienten belegt werden, erklärte Ralf Rauch, ärztlicher Direktor des Klinikums Winnenden, weshalb es nicht nur in Winnenden meist mehr Betten als Planbetten gibt.

Aktuell hat das Klinikum 635 Betten. Dank der jetzt genehmigten weiteren Planbetten könnten es eines Tages durchaus 750 Betten werden, wie in der Medizinkonzeption als Zielgröße genannt worden war, so Nickel. Und diese Betten seien dringend notwendig, um dem Wachstum gerecht zu werden. Nicht nur bei der aktuellen Grippewelle waren die beiden Kliniken bis zum Rand belegt.

Kooperation statt Konfrontation

Als Nickel und Sigel vor einem Jahr die Medizinkonzeption Investitionen in Höhe von 37,5 Millionen Euro an, um den steigenden Platzbedarf zu befriedigen. Nun backen die Kliniken kleinere Brötchen. Statt der Neubauten, die kurzfristig sowieso nicht zu realisieren wären, so Sigel, werde das Krankenhaus intern umgebaut, um Platz für neue Betten zu schaffen. „Wir nutzen die Flächen, die wir haben.“

Statt auf Konfrontation mit dem Sozialministerium und den Krankenkassen, wie vor einem Jahr herauszuhören war, setzen Nickel und Sigel auf Kooperation. Damals erklärte Nickel selbstbewusst, dass er die notwendigen Investitionen mit einem Minium an Fördermitteln des Landes kalkuliert habe. Sprich: Seinen Wachstumskurs auch gegen den Landeskrankenhausausschuss durchziehen werde.

Dialogbereitschaft von allen Seiten

Der neue Kurs sei „nicht zuletzt auch das Ergebnis von intensiven und konstruktiven Gesprächen zwischen allen Beteiligten“, erklärte Sigel. „Insbesondere der Austausch mit dem Sozialministerium auf ministerial- sowie Fachebene und den Krankenkassen wurde offen und transparent geführt“, würdigte Sigel das Engagement und die Dialogbereitschaft von allen Seiten. Die 97 Planbetten für Winnenden nannte Sigel „ein großes Zugeständnis des Sozialministers“. Die Kliniken würden nun auch prüfen, „inwieweit wir Fördermittel beantragen können“. Nicht abgerückt wird vom Ziel, das Defizit der Rems-Murr-Kliniken bis 2024 von heute 20 auf 5,5 Millionen Euro zu drücken.

Für die vor einem Jahr noch mit Investitionen von rund 60 Millionen Euro bis 2024 beziffert wurden.

Enge Zusammenarbeit zwischen Schorndorf und Winnenden

Bernhard Fröhlich, stellvertretender ärztlicher Direktor der Schorndorfer Klinik, betonte, das auch in Schorndorf die Zahl der Patienten und Behandlungen steigen. Er zog eine positive Bilanz der Medizinkonzeption, die auf eine enge Zusammenarbeit von Schorndorfer und Winnender Ärzte abzielt. Im Vorfeld hatte es heftig geknirscht, als die Winnender Chefärzte angesichts der enormen Investitionen in Schorndorf die Existenz des Hauses grundsätzlich infrage stellten. Inzwischen, versicherte Fröhlich, stehe der Austausch nicht nur auf dem Papier, sondern sei Realität. Die Sicherung des Standorts sei wichtig gewesen, um das Personal zu halten und auch neue Beschäftigte zu bekommen. „Nur mit Schorndorf und Winnenden können wir unsere Ziele erreichen“, sagte Richard Sigel zur Zwei-Standort-Strategie.

Betten und Planbetten

Planbetten sind eine statistische Größe, die in der Krankenhausplanung verwendet wird, erklären die Rems-Murr-Kliniken den feinen Unterschied zwischen Bett und (Plan-)Bett. Mit den Krankenkassen können nur die Leistungen abgerechnet werden, die die Planbetten vorsehen. Dies betreffe sowohl das jährliche Budget der Kliniken, das mit den Krankenkassen vereinbart wird, als auch die Abrechnungsmodalitäten. „Und hier gilt: Je mehr Planbetten desto mehr Leistungen können die Kliniken abrechnen und desto mehr Leistungen werden durch die Krankenkassen bezahlt.“

Die Erhöhung um 68 Planbetten in Winnenden bedeutet für die Rems-Murr-Kliniken folglich bares Geld, das Geschäftsführer Marc Nickel mit einem einstelligen Millionenbetrag beziffert. Darüberhinaus hängen die Fördersummen von der Zahl der Planbetten ab. Aktuell hat das Klinikum Winnenden 570 Planbetten. Tatsächlich aufgestellt sind 635 Betten.

Beim Pressegespräch in Waiblingen hat Marc Nickel bekanntgegeben, dass der Rechtsstreit wegen des Wasserschadens mit einem Vergleich erledigt ist. Geplatzte Wasserrohre hatten Ende 2013 für einen Millionenschaden geführt und die Eröffnung des Neubaus weiter verzögert. Der Vergleich mit dem Unternehmen, das für den Pfusch am Bau verantwortlich war, bringen den Kliniken rund 5,8 Millionen Euro. Der Rechtsstreit wegen des Schadens am Fundamt des Klinikums („Weiße Wanne“) hingegen ist noch nicht abgeschlossen.