Winnenden

Konflikte im Winnender Wald: Was zähmt die wilden Radler?

Wald & Bike
Biker im Wald bei Oppenweiler. © Gabriel Habermann

Mountainbiken macht Spaß. Das Problem ist nur: Die meisten Radlerpfade (Bike-Trails) sind illegal, denn erlaubt ist das Radeln im Wald nur auf Wegen, die mindestens zwei Meter breit angelegt sind. Was sich im Wald um Winnenden in den letzten Jahren entwickelt hat, ist etwas anderes: schmale Pfade abseits aller Forstwege, sumpfige Furchen in traditionellen Wanderpfaden. Im Kreisforstamt häufen sich die Beschwerdemails über Mountainbiker. Kann dieser Konflikt im Wald über Gespräche an Runden Tischen gelöst werden? Was zähmt die wilden Radler? Werden sie rücksichtsvoll und kooperativ, wenn manche ihrer Bike-Trails freigegeben werden? Werden sie dann die verbotenen Pfade wirklich meiden? Darauf hofft der stellvertretende Leiter des Kreisforstamts zusammen mit der Stadt Winnenden.

Gespräche mit Jägern, Wanderern, Naturschützern und Mountainbikern

Die Winnender Gemeinderäte haben nur auf den städtischen Wäldern etwas zu sagen über Mountainbiker. In diesen Wäldern sind ohne irgendeine Erlaubnis eine Reihe von Bike-Trails entstanden. Ulrich Häußermann sagt: „Es gibt inzwischen mehr Mountainbiker als Fußballer.“ Er will das Waldradeln nicht verbieten. „Jedes Kind, das wir vom Daddeln wegbringen und in die Natur, ist wichtig.“ Aber er möchte auch, dass Wanderer, Jäger und Naturschützer mit dem Verhalten der Mountainbiker zurechtkommen. Deshalb organisierte er Gespräche zwischen Bikern und Leuten vom Albverein mit Jägern und mit Naturschützern. Noch sind nicht alle Gespräche geführt. Gerade mit den Naturschützern stehen noch welche aus. Aber schon aus den ersten Begegnungen hat sich ein Verhaltenskatalog ergeben, der von Radlerverbänden akzeptiert wird. Darin heißt es:

Fahre nur auf zugelassenen Wegen.

Hinterlasse keine Spuren.

Halte das Mountainbike unter Kontrolle.

Respektiere andere Nutzer.

„Ich bin freundlich und sage Hallo“, fügt Häußermann noch hinzu. Gruß und Freundlichkeit bei der plötzlichen Begegnung im Wald bauen schon viel Konfliktbereitschaft ab. Dass Radler ausweichen oder abwarten, wenn Wanderer kommen, hilft auch. Wenn sich Radler mit einer Klingel schon von Ferne ankündigen würden, wäre das auch hilfreich, meint FWV-Stadtrat Hans-Peter Luckert. Überhaupt sollten sie mal jeder eine Klingel am Fahrrad haben.

Die Radler haben jetzt schon Wege, die zwei Meter breit sind. Auf denen ist das Radeln sowieso erlaubt. Dazu gehören zum Beispiel Wege im Schelmenholzer Wald, die auch von Fußgängern und Sportlern genutzt werden. Daran gab es im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats keine Zweifel.

Aber was ist mit den Wanderpfaden und Bike-Trails, die den Waldweg verbinden mit dem Weinweg im Hanweiler Maien? Räder haben den Wanderwegboden aufgeweicht. „Da waten Sie im Schlamm“, erklärte FWV-Stadtrat Hans Ilg. Biker fahren dort auf vier verschiedenen Spuren. „Wenn wir das konzentrieren könnten auf einen Wanderweg und eine Bikerspur, wärs’s gut“, meint Ilg.

Am Schenkenberg führen Radlerspuren in den dunklen Tann

Am Haselstein fahren Mountainbiker auf einem schmalen holprigen Rundweg an einem Biotop vorbei. Dieser Trail soll gesperrt werden. FWV-Stadtrat Hans-Peter Luckert, der dort mit seinem Hund spazieren geht, meint: „Es ist unmöglich, dort Rad zu fahren. Des isch a Gässle.“

Am Schenkenberg zwischen Breuningsweiler und Birkmannsweiler führen manche Trails durch den dunklen Tann. Darin stören die Radler das Wild, das sich zurückziehen will. Auch solche Wege werden abgeschafft, worauf FDP-Stadtrat Dr. Jürgen Hägele besonderen Wert legt, denn er ist selbst Mountainbiker, aber auch Jäger.

ALi-Stadträtin Susanne Kiefer hält nicht viel vom Radeln im Wald. Es ist unnötig und stört die Natur. Was macht das Forstamt, wenn die Mountainbiker die erlaubten Pfade verlassen? „Wir sind dann auch so frei, dass wir bei der nächsten Holzernte ein paar Baumkronen mehr liegen lassen – an den unerlaubten Trails“, meinte Förster Häußermann. „Wie wird’s in der Nacht?“, fragte SPD-Stadtrat Andreas Herfurth. In der Nacht brauchen die Waldtiere ihre Ruhe. „Mountainbiken in der Nacht ist nicht erwünscht“, sagt Ulrich Häußermann.

Links und Rechts ein Strich – und dazwischen freie Wahl eines Trails?

Die Sitzung am Donnerstag hatte einige Zuhörer, alle vermutlich aus der Mountainbikerszene. Ein 22-Jähriger namens Julian bat ums Wort in der Sitzung. Den Gemeinderäten erzählte er, dass festgelegte Trails nach fünf Jahren „veralten“. Der Mountainbiker brauche etwas Neues. „Man sollte die Trails nicht mit einer Linie auf der Landkarte festlegen“, erklärte er. Viel besser seien zwei Striche in der Landkarte, und dazwischen dürfen sich Trails entwickeln. Heftigen Widerspruch erntete er von ALi-Stadtrat Christoph Mohr: „Links und rechts ein Strich, und dazwischen suche ich mir frei einen Trail – also so läuft’s nicht.“ Mohr erinnerte daran, dass die jetzigen freien Trails alle illegal sind. „Bußgelder in dreistelliger Höhe wären möglich.“ Es gehe um Naturschutz: „Wenn ich Fahrrad fahre, dann verbrauche ich nicht die Natur, die ich befahre.“

Am Schluss der Sitzung bekam das Befriedungsprojekt im Wald zwei Gegenstimmen von ALi-Stadträten, wurde aber von einer großen Mehrheit akzeptiert. Das Kreisforstamt kann weiter an den Bike-Trails arbeiten.

Mountainbiken macht Spaß. Das Problem ist nur: Die meisten Radlerpfade (Bike-Trails) sind illegal, denn erlaubt ist das Radeln im Wald nur auf Wegen, die mindestens zwei Meter breit angelegt sind. Was sich im Wald um Winnenden in den letzten Jahren entwickelt hat, ist etwas anderes: schmale Pfade abseits aller Forstwege, sumpfige Furchen in traditionellen Wanderpfaden. Im Kreisforstamt häufen sich die Beschwerdemails über Mountainbiker. Kann dieser Konflikt im Wald über Gespräche an Runden

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