Winnenden

Kopfnuss angedroht, Geld abgezockt: Zwei Jahre Haft

handschellen
Mit Handschellen wurde der 26-Jährige in den Gerichtssaal geführt (Symbolbild). © Pixabay

„Ich erkenne im Angeklagten keinen klassischen Psychopathen, allerdings einen Menschen, der eine Persönlichkeitsstörung hat“, erklärte Dr. Charalabos Salabasidis, Chefarzt der neuropsychiatrischen Klinik in Mosbach, den Anwesenden im Amtsgericht. Dort saß am Montagnachmittag binnen einer Woche zum zweiten Mal ein 26-Jähriger auf der Anklagebank. Er soll einem Bekannten in Winnenden eine Kopfnuss und eine daraus resultierende, gebrochene Nase angedroht haben, wenn dieser ihm keine 150 Euro am Bankautomaten abhebe. „Sie haben schon sehr viele Straftaten begangen, die Zeugen sind teilweise immer noch verängstigt. Wenn man weiß, dass solche Leute in Winnenden unterwegs sind, dann traut sich irgendwann niemand mehr auf die Straße“, sagte Richter Kärcher am Ende der Verhandlung zum Angeklagten.

Da zwei Zeugen vergangene Woche nicht erschienen sind, wurde die Sitzung am Montagmittag nachgeholt, die Zeugen von der Polizei ans Amtsgericht gebracht. Der erste Zeuge schilderte, dass er den Angeklagten nahe der Winnender Paulinenpflege kennenlernte, dort mit ihm gesprochen habe. „Er fand meine Jacke von Lacoste cool und hat mich gefragt, ob ich sie ihm ausleihen kann“, erklärte der Zeuge. Er willigte ein, bekommen habe er die Jacke allerdings nie mehr wieder. „Außerdem wollte er Geld von mir haben. Wir sind gemeinsam zur Bank gegangen und haben dann festgestellt, dass ich kein Geld mehr auf meinem Konto habe“, erklärte der Zeuge weiter. Bedroht habe der Angeklagte ihn allerdings nicht, sagte er auf Nachfragen des Staatsanwaltes Dautel. „Er wurde etwas lauter, mehr allerdings nicht“, so der Zeuge weiter.

Zeuge hat Angst

Am selben Tag soll sich im Schelmenholz eine weitere Tat zugetragen haben, zu der der zweite Zeuge geladen war. „Weshalb sind Sie letzte Woche nicht erschienen?“, fragte Richter Kärcher. „Weil ich Angst vor dem Angeklagten hatte“, erklärte der Zeuge. Der mittlerweile 18 Jahre alte Schüler soll im Mai des vergangenen Jahres vom Angeklagten am Theodor-Heuss-Platz angesprochen worden sein. „Wir sind dann gemeinsam in einen Hinterhof eines Altenheims im Schelmenholz gelaufen. Dort hat er mich nach Geld gefragt und gemeint, dass ich doch sicher keine Probleme mit ihm haben möchte. Ich habe mich bedroht gefühlt und ihm anschließend 60 Euro aus meinem Geldbeutel gegeben.“ Bei der Polizei sagte der Zeuge vor einem Jahr allerdings aus, dass er dem Angeklagten seinen Geldbeutel überreicht habe und dieser sich das Geld selbst nahm. „Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Aber wenn ich das bei der Polizei so ausgesagt habe, dann wird das sicherlich stimmen“, meinte der Zeuge.

Im weiteren Verlauf der Verhandlung schilderten zwei Polizeibeamte ihre Eindrücke. Ein Kommissar aus Waiblingen berichtete von den Ermittlungen gegen den 26-Jährigen und dass dieser sich schließlich bei der Polizei gestellt habe. „Als er mitbekommen hat, dass wir ihn suchen, hat er bei uns auf dem Revier angerufen. Wir haben ihn dann im Schelmenholz abgeholt“, erklärte der Kommissar.

Schwierige Untersuchungen

Dr. Charalabos Salabasidis schließlich hat sich in den vergangenen Wochen ein Bild vom Angeklagten gemacht, der aktuell in der Justizvollzugsanstalt in Bruchsaal aufgrund früherer Gesetzesverstöße einsitzt. „Das war unter Coronabedingungen nicht einfach“, schilderte der Arzt, da er sich mit dem Angeklagten nur durch eine Glasscheibe mit Hilfe einer Sprechanlage unterhalten konnte. Im 26-Jährigen erkenne er keinen Menschen, der ein Problem mit mangelnder Intelligenz habe. „Ich hatte den Eindruck, dass er merkt, dass meine Beurteilungen Konsequenzen auf das Urteil haben könnten und er mich deshalb versuchte zu manipulieren“, erklärte Salabasidis. Alles in allem sehe er beim Angeklagten einen Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung und einer schweren Alkohol- und Cannabissucht. „Seine Steuerungsfähigkeit sehe ich allerdings nicht als eingeschränkt“, so der Arzt. Dies bedeute so viel, dass die Schuldfähigkeit des Angeklagten nicht eingeschränkt sei.

Staatsanwalt: Keine gute Prognose

Staatsanwalt Dautel schließlich forderte in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten für den Angeklagten. „Er ist meilenweit entfernt von einer positiven Prognose. Vor allem der Zeuge, der vom Angeklagten bedroht wurde und ihm schließlich 150 Euro aushändigte, war sehr glaubhaft“, so Dautel.

Der Verteidiger des Angeklagten forderte eine Haftstraße von elf Monaten für seinen Mandanten. „Der Zeuge, dem mein Mandant 150 Euro abgenommen hat, hat selbst gesagt, dass er nur kurz eingeschüchtert war. Die Masche meines Mandaten war die, dass er anfangs sehr charmant war. Hat er dann kein Geld bekommen, wurde er unangenehm. Ich denke aber, dass keine Gefahr für Leib und Leben bestand.“

Richter Kärcher zog sich daraufhin für knapp 30 Minuten zurück. Dann sein Urteil: zwei Jahre Haft. Die Haftstrafe wurde jedoch zugunsten einer Suchttherapie in einer speziellen Einrichtung, die zeitnah beginnen soll, in den Hintergrund gestellt. „Ziehen Sie die Therapie nicht durch, müssen Sie zurück ins Gefängnis“, so Kärcher weiter.

Das Urteil ist rechtskräftig, da weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung weitere Rechtsmittel einlegen wollen. Somit kann die Therapie des Verurteilten schneller beginnen.

„Ich erkenne im Angeklagten keinen klassischen Psychopathen, allerdings einen Menschen, der eine Persönlichkeitsstörung hat“, erklärte Dr. Charalabos Salabasidis, Chefarzt der neuropsychiatrischen Klinik in Mosbach, den Anwesenden im Amtsgericht. Dort saß am Montagnachmittag binnen einer Woche zum zweiten Mal ein 26-Jähriger auf der Anklagebank. Er soll einem Bekannten in Winnenden eine Kopfnuss und eine daraus resultierende, gebrochene Nase angedroht haben, wenn dieser ihm keine 150 Euro am

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